Sonntag, 14. Dezember 2014

Die Vitamin-B12-Zahncreme - bei mir funktioniert's

Santé-Vitamin-B12-Zahncreme

Vor ca. einem Jahr bin ich von Vitamin-B12-Tabletten auf die vom Vegetarierbund mitentwickelte Santé-Zahncreme mit Vitamin B12 umgestiegen. Ich finde diese Art der Supplementierung höchst bequem, da ich mir ja sowieso zweimal am Tag die Zähne putze und so nicht noch an zwei Tabletteneinnahmen pro Woche denken muss.

Nun habe seit langem mal wieder von meinem Hausarzt meine B12-Werte testen lassen und kann mit dem Ergebnis überaus zufrieden sein: Während beim letzten Test vor dem Umstieg auf die Zahncreme mein Wert noch bei 504 ng/L lag, wurde nun ein Wert von 547 ng/L gemessen. Also alles im grünen Bereich.

Damit lag ich schon eindeutig über dem Wert von 400 ng/L, ab dem laut diesem Labor ein Vitamin-B12-Mangel unwahrscheinlich ist. Man muss nämlich wissen, dass beim von der Krankenkasse finanzierten B12-Test das Serum-B12 gemessen wird, welches nicht-aktives B12 genauso umfasst wie aktives. Nicht-aktives B12 ist aber gerade so definiert, dass es einen Mangel nicht verhindern kann. Sollte also zum Zeitpunkt der Messung gerade sehr viel nicht-aktives B12 durchs Blut schwimmen, so kann der Standard-Test eine falsche Entwarnung geben. Bei über 400 ng/L ist es aber eben nicht sehr wahrscheinlich, dass der Anteil von aktivem B12 an der gemessenen Gesamtmenge zu gering ist.

Bei Werten zwischen 200 und 400 ng/L ist die Sache schon nicht mehr so klar, und in solchen Fällen sollte man zusätzlich noch das aussagekräftigere Holo-Transcobalamin (kurz Holo-TC) messen lassen. Dieser Test wird von der Krankenkasse leider nicht finanziert und muss daher aus eigener Tasche bezahlt werden.

Da ich ja nicht vorab wusste, welcher Serum-B12-Wert bei mir herauskommen würde, ich aber auch keine Lust auf weitere Arzttermine hatte, hatte ich gleich zu Beginn auch noch die Erfassung meines Holo-TC-Wertes in Auftrag gegeben. Und siehe da: Auch der lag mit 107 pmol/L mehr als doppelt so hoch wie die 50 pmol/L, ab denen ein Vitamin-B12-Mangel ebenfalls unwahrscheinlich ist.

Mein Rat an alle vegan lebenden Menschen ist, sich eine B12-Supplementierung zu suchen, die den eigenen Bedürfnissen am besten entspricht und dann zunächst in kürzeren Abständen von vielleicht einem Jahr per Bluttest prüfen zu lassen, ob diese Art der Supplementierung auch den gewünschten Effekt hat. Hat man dann eine passende und effektive Art der Supplementierung gefunden, kann man dabei bleiben und die Zeitabstände zwischen den Tests auf größere Zeiträume von z.B. drei Jahren ausdehnen.

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Mittwoch, 26. November 2014

Der neueste Video-Vortrag von Dr. Michael Greger zu Ernährung und Gesundheit

Falls ich es noch nicht getan haben sollte, empfehle ich allen, die an gesunder Ernährung und den entsprechenden neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen interessiert sind, die Website nutritionfacts.org von Dr. Michael Greger. Voraussetzung für die sinnvolle Nutzung sind leider wieder einmal etwas mehr als durchschnittliche Englischkenntnisse. (D.h. ein Oberstufenkurs in Englisch, oder regelmäßige englische Lektüre oder längere Aufenthalte im englischsprachigen Ausland.) Dann aber ist es unglaublich, was man dort an kostenlosen und wissenschaftlich fundierten Informationen frei Haus geliefert bekommt. Die Mission von Dr. Michael Greger ist es, alle Studien zu Ernährung und Gesundheit von wissenschaftlicher Relevanz zu lesen und zu prüfen, die Inhalte in einer allgemeinverständlichen Form aufzubereiten und so an die Öffentlichkeit weiter zu geben. Das Schöne ist, dass Dr. Greger wirklich keinerlei Spekulationen oder wackelige Annahmen macht: Zu wirklich jeder seiner Aussagen gibt es wissenschaftliche Belege und Quellen.

Nun hat Dr. Greger wieder einen längeren Vortrag mit dem Titel "From Table to Able" (also in etwa "Vom Tisch zur Fähigkeit")  zum aktuellen Kenntnisstand gehalten. Den sollte jede und jeder mit den erwähnten etwas überdurchschnittlichen Englischkenntnissen sehen, da er wertvolle Informationen dazu liefert, wie sich die schlimmsten chronischen Krankheiten der heutigen Zeit am besten vermeiden lassen. (Ein Tipp: Es hat etwas mit dem Essen von Pflanzen zu tun.)

Der Video-Vortrag kann hier abgerufen oder hier angesehen werden:


Dr. Greger hat ein unglaubliches Talent für Wortspiele, das auch diesen Vortrag unterhaltsam und kurzweilig macht.

Neu für mich:
Auch chronische Rückenbeschwerden haben nur zum Teil mit sitzenden Tätigkeiten und mangelnder Bewegung zu tun, hingegen wohl zum sogar größeren Teil mit Arteriosklerose der die Bandscheiben versorgenden Blutgefäße. Die Bandscheiben selbst werden nämlich nicht von Blutgefäßen durchzogen, daher können sie nur von den sie umgebenden Blutgefäßen mit Nährstoffen versorgt werden, welche dann die Bandscheiben durchdringen müssen. Das ist schon schwierig genug, aber wenn die umgebenden Blutgefäße dann auch noch verstopft sind, kommen nicht mehr genügend Nährstoffe in den Bandscheiben an und diese bauen sich nach und nach ab. Von wegen natürlicher Verschleiß! Wer schon mehr Artikel zu Arteriosklerose auf diesem Blog oder das Buch von Dr. Caldwell B. Esselstyn  gelesen hat, weiß natürlich auch wie Arteriosklerose verhindert und sogar zurückgebildet werden kann: Durch eine vollwertig pflanzliche und ölfreie Ernährung.

Auch erwähnenswert: Die enorme Steigerung des Krebsrisikos durch verarbeitetes, also z.B. gepökeltes Fleisch. Wer seinen Kindern Salami fürs Schulbrot kauft, kann ihnen genauso gut auch noch ein Päckchen Zigaretten in den Schulranzen stecken.

Dr. Greger hält in diesem Vortrag auch das ultimative Argument für eine pflanzliche Ernährung ohne Junk (also auch ohne Öl) bereit. Wann immer jemand diese Ernährung in Frage stellt und eine vermeintlich bessere Ernährungsweise in den Raum stellt, müsse man ihm nur die Frage stellen, ob seine Ernährungsweise nachweislich und ohne schädliche Nebenwirkungen Herzinfarkte verhindern könne. Die Antwort ist natürlich immer "Nein" und lautet nur bei der vollwertig pflanzlichen und ölfreien Ernährung "Ja". Und so kann dann  Fall der gesundheitsförderlichsten Ernährungsweise geschlossen werden.

Samstag, 15. November 2014

Dr. Esselstyns Buch endlich auf deutsch!

"Essen gegen Herzinfarkt" - Buchcover
Buchcover "Essen gegen Herzinfarkt"

Wie man am Veröffentlichungsdatum meines letzten Beitrags sehen kann, fehlt mir seit mehreren Wochen aus familiären Gründen die Zeit, wenigstens einmal im Monat etwas Neues zu schreiben. Aber ich kann nicht einen Blog anfangen, der zu einem großen Teil die revolutionären Erkenntnisse von Dr. Esselstyn zum Gegenstand hat, und dann die Tatsache übergehen, dass das Buch, in welchem er diese Erkenntnisse zusammengefasst hat, nun endlich auf deutsch erschienen ist.


Also: Die deutsche Übersetzung von Dr. Esselstyns "Prevent and Reverse Heart Disease" (wörtliche Übersetzung in etwa "Herzkrankheiten verhindern und umkehren") ist in diesem Herbst unter dem Titel "Essen gegen Herzinfarkt" im TRIAS-Verlag erschienen.

Aber es kommt noch besser: Die deutsche Ausgabe ist (soweit ich das nach einer ersten Stichprobe feststellen konnte) zum einen professionell übersetzt und zum anderen sogar noch liebevoller gestaltet als das englische Original. Wo der Rezeptteil im Original lediglich mit Text aufwartet, bietet die deutsche Ausgabe im gleichen Teil viele sehr schön fotografierte Abbildungen einzelner Gerichte. Auch die Typographie, Haupt- und Zwischenüberschriften in roter Farbe und der Satz in zwei Spalten machen das Lesen zu einer echten Freude.

Vom Inhalt muss ich ja wahrscheinlich nicht mehr reden. Habe ich schon erwähnt, dass Dr. Esselstyn einer meiner großen Helden ist? Meines Erachtens nach hätte er den Medizinnobelpreis mehr als alle derzeitigen Preisträger verdient. Die fördern zwar auf prestigeträchtigen Forschungsfeldern wie der Genetik und der Mikrobiologie neue geniale Erkenntnisse zu Tage, die vielleicht mal irgendwann in der Zukunft zu irgendwelchen Therapien für die heutigen Geißeln der Menschheit führen könnten. Wahrscheinlich aber eher nicht, und wenn doch, werden diese Therapien wohl ultrakompliziert und extrem teuer sein.

Dr. Esselstyn hingegen weist einen einfachen Weg, der Kosten eher mindert und schon heute jeden Tag Zehntausende von Todesfällen von Menschen (und darüber hinaus Millionen von Tötungen nicht-menschlicher Tiere) verhindern könnte, wenn er denn gegangen würde. Das Ausmaß von Krankheit und Leid, das seine Arbeit verhindern kann, steht in nichts dem nach, was die Entdeckungen eines Dr. Robert Koch zu bewirken vermochten.

Das Problem ist wohl, dass dieser Weg schlichtweg zu einfach ist, da er lediglich eine Umstellung der Essgewohnheiten erfordert. Eine Heilmethode, an der niemand verdienen kann und die jedem offen steht, ist offenbar nicht geeignet, ihrem Entdecker in Medizinerkreisen Ruhm und höchste Anerkennung zu verschaffen.

Die deutsche Ausgabe von Dr. Esselstyns Buch dürfte wohl das erste Werk der deutschsprachigen Ernährungsliteratur sein, dass mit zwingender Logik den Mythos vom gesunden Olivenöl widerlegt und auch darlegt, warum die sogenannte Mittelmehrdiät zwar ein paar Vorteile gegenüber der sonst hierzulande durchschnittlich üblichen Ernährungsweise bietet, aber letztlich eben auch nur das kleinere unter mehreren Übeln ist.

Also: Wer nichts davon hält, eines Tages ohne Vorwarnung durch einen Herzinfarkt oder einen ischämischen Schlaganfall aus dem Leben gerissen oder stark behindert zu werden und stattdessen seine Chancen auf ein langes und gesundes Leben deutlich erhöhen möchte (und zwar auch bei entsprechender familiärer Vorbelastung), muss dieses Buch lesen.


Caldwell B. Esselstyn: "Essen gegen Herzinfarkt - Das revolutionäre Ernährungskonzept", TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart 2014, Paperback € 24,99

Samstag, 30. August 2014

Mousse au Chocolat ohne Reue

Mousse au Chocolat auf Basis schwarzer Bohnen
Hier ein Rezept für eine etwas andere Mousse au Chocolat, zu dem ich durch Jane vom "Achtung Pflanzenfresser"-Blog inspiriert wurde. Entsprechend des KISS-Prinzips ("Keep it simple, stupid" oder auch deutsch "Halte es einfach, Dummerchen") habe ich mich auf eine möglichst geringe Anzahl an Zutaten beschränkt und war mit dem Ergebnis dennoch sehr zufrieden. Die besondere Note bekommt diese Mousse durch den Ingwer. Sowohl der verwendete Kakao als auch die schwarzen Bohnen stecken voller Antioxidantien, so dass man diese Schoko-Mousse doppelt genießen kann: Einerseits dank des schokoladigen Geschmacks, andererseits dank des Wissens, seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Zutaten (3-4 Portionen):
  • 100 Gramm entkernte Datteln
  • 1/8 Liter Wasser
  • 250 Gramm schwarze Bohnen
    (entweder aus der Dose, dann aber ungesalzen, oder selbst eingeweichte und gekochte sowie möglicherweise tiefgefrorene und wieder aufgetaute)
  • 2 - 3 gestrichene EL stark entöltes (fair gehandeltes) Kakaopulver, je nach Geschmack. Wer Bitterschokolade mag, nimmt drei Esslöffel, wer nicht, nur zwei.
  • 1 TL gehackter Ingwer
  • 1 Prise Salz
Zubereitung:
Die Datteln mehrere Stunden (am besten über Nacht) im Wasser einweichen.  Dann die Bohnen in ein schmales Gefäß geben, das Kakaopulver, den Ingwer, die Prise Salz und die Datteln mit dem Einweichwasser hinzugeben. Einmal kurz alles verrühren bis das Kakaopulver sich in der Flüssigkeit gelöst hat. Dann mit einem Handmixer alles zu einer einheitlichen Masse pürieren. (Das muss möglicherweise in mehreren Etappen passieren, da der Mixer viel zu tun bekommt und aufgrund eines eingebauten Überhitzungsschutzes abschalten kann, bevor die ganze Arbeit getan ist.)

Wenn man mag, kann man das Ganze natürlich auch noch mit etwas Zimt oder Vanilleextrakt verfeinern. Da der Kakao- und Ingwergeschmack aber ohnehin dominieren, haben wohl nur wirkliche Feinschmecker etwas davon.

Sonntag, 27. Juli 2014

Dr. McDougalls Ernährungsratschläge erstmals auf deutsch

Dr. John McDougall mit Ehefrau Mary
Dr. McDougall und Ehefrau Mary
Leider wurde das hervorragende Buch "The Starch Solution" von Dr. John McDougall bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht.

Nun gibt es aber erstmals, und das auch noch frei im Internet verfügbar, seine Ernährungsratschläge in deutscher Version - schön kompakt zusammengefasst in einem "bunten Bilderbuch".

Auch in vielen anderen Sprachen ist dieses Bilderbuch abrufbar.

Ich gehe nicht in jeder Hinsicht hundertprozentig mit Dr. McDougall konform, z.B. schätzt er das Risiko eine B12-Mangels, wenn man nicht supplementiert, sowie auch die benötigten Dosen meines Erachtens nach etwas zu gering ein. (Gerade wenn die Aufnahme über den intrinsischen Faktor gestört ist, kann nur ein geringer Bruchteil des eingenommenen Vitamin B12 auch resorbiert werden, d.h. die Dosen müssen dann um ein Vielfaches höher als die vom Körper tatsächlich benötigten Mengen sein.) Letztlich kommt er dann aber doch zu einer vernünftigen Empfehlung einer wöchentlichen Dosis von 500 µg.

Auch könnte Dr. McDougall den Wert von grünem Blattgemüse stärker betonen, denn dieses erhält zahlreiche essenzielle Mikronährstoffe in konzentrierter Form.

Das Entscheidende und Wichtige ist aber alles enthalten. Letztlich sind Dr. McDougalls Ratschläge die gleichen wie bei Dr. Esselstyn: Keinerlei tierische Produkte und keine extrahierten Pflanzenöle oder Produkte, die diese enthalten.

Besonders gefällt mir bei Dr. McDougall sein Bemühen, der allgemein verbreiteten, aber völlig unfundierten und unbegründeten Verteufelung von stärkehaltigen pflanzlichen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Vollgetreide und Naturreis etwas entgegenzusetzen. Viele Veganerinnen und Veganer lassen sich ja durch die Mythen und Irrlehren der Low-Carb- (und Rohkost-)Anhänger verunsichern und versuchen dann, Stärkehaltiges in ihrer Ernährung zu reduzieren. Auch Attila Hildmann trägt mit seinen Büchern zu dieser Verunsicherung bei, denn auch er verbreitet den auf keinerlei Wissenschaft gründenden Ratschlag, am Abend möglichst wenig Kohlehydrate zu essen und beschreibt Rezepte für Pasta aus Zucchini und ähnlichen Firlefanz.

Das Problem beim Verzicht auf Stärkehaltiges ist jedoch, dass es genau das ist, was bei einer pflanzlichen Ernährung sättigt ohne dem Körper in irgendeiner Weise zu schaden. Wer sich vegan ernährt, aber Stärkehaltiges reduziert, wird entweder immer hungrig herumlaufen oder aber er muss statt Stärke umso mehr Lebensmittel konsumieren, die reich an Fett (Pflanzenöle, Nüsse und Nussmuse) oder reich an Einfachzuckern (jede Art von Obst) sind. Besonders vom Gebrauch von Pflanzenölen ist dringend abzuraten, wie ich in diesem Blog ja schon mehrfach ausgeführt habe.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Dr. Esselstyn hat's wieder getan

Es gibt ein Update zu meinen bisherigen Berichten über Dr. Caldwell B. Esselstyns Forschungsergebnisse. Er hat nun eine neue Studie mit insgesamt 198 herzkranken Teilnehmern veröffentlicht, von denen 177 seine Ernährungsregeln über einen Zeitraum von durchschnittlich 3,7 Jahren durchgezogen haben. Damit war der Teilnehmerkreis erheblich größer als bei seiner ersten, 1995 veröffentlichen Studie mit 22 Patienten, von denen 17 Dr. Esselstyns Ernährungsratschlägen über den gesamten Studienzeitraum folgten, während die fünf anderen aufgaben. Schon bei der ersten Studie waren die schweren Herzerkrankungen sämtlicher "folgsamen" Teilnehmer zum Stillstand gekommen, während sie bei den anderen fortschritten. Von tierverbrauchenden Low-Carb- und Paläo-Bloggern wie einer gewissen Denise Minger war immer auf die geringe Anzahl an Teilnehmern dieser Studie verwiesen worden, um deren Ergebnisse für nicht repräsentativ und aussagekräftig zu erklären. Dabei waren die Ergebnisse aufgrund ihrer Eindeutigkeit natürlich trotz dieser geringen Anzahl statistisch signifikant. Die Möglichkeit, dass die beobachteten Ergebnisse auf reinem Zufall beruhten, war genauso gering, wie die Wahrscheinlichkeit, dass wenn man 5 Männer und 17 Frauen aus einer Urnemit den Zahlen 1 bis 22 beschriftete Kugeln ziehen lässt, die Männer dabei genau die Kugeln mit den Zahlen 1-5 ziehen und die Frauen die anderen.

Das Ergebnis der neuen Studie: Unter den 177 “folgsamen” Teilnehmern (wobei man das nicht mal hundertprozentig kontrollieren kann und da vielleicht der eine oder die andere zwischendurch sogar mal geschummelt oder ein regelwidriges Lebensmittel erwischt hat) gab es gerade noch mal ein kardiales Ereignis, das als Rückfall der vorherigen Erkrankung gewertet werden konnte. Anders wiederum bei den 21 “Drop-Outs”: Von denen hatten 62 Prozent in der Folge ein weiteres kardiales, als Rückfall zu wertendes Ereignis.

Esselstyns Ernährungsregeln (“nothing with a mother or a face, no added oils” - also nichts mit einer Mutter oder einem Gesicht, keine zugefügten Öle) sind und bleiben damit die einzige bekannte und belegte Möglichkeit, eine solch geringe Quote (0,6 Prozent) eines Wiederauftretens kardialer Ereignisse zu bewirken. Statistisch ist damit auch praktisch ausgeschlossen, dass diese verschiedenen Quoten (0,6 Prozent bei den “Folgsamen” gegen 62 Prozent bei den “Drop-Outs”) ein bloßer Zufall sind.

Quellen:

Caldwell B. Esselstyn, Jr., et al., "A strategy to arrest and reverse coronary artery disease: a 5-year longitudinal study of a single physician's practice." The Journal of Family Practice 41, no. 6 (Dec 1995): 560-568. [http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7500065]

Caldwell B. Esselstyn, Jr., et al., “A Way to Reverse CAD?” The Journal of Family Practice 63, no. 7 (July 2014): 356–364.

http://www.ldsmag.com/article/1/14585

http://www.clevelandjewishnews.com/special_sections/health_beat/article_d6f937ec-0796-11e4-9604-001a4bcf887a.html

Montag, 9. Juni 2014

Saftige Karotten-Schoko-Muffins

Ich habe im Laufe der Zeit herausgefunden, dass man Kakaogeschmack umso besser genießen kann, je dezenter die begleitende Süße ist. Daher sind diese Muffins statt mit Zucker nur mit Datteln gesüßt. Um auch ohne zugesetzte Fette wie Margarine oder Öl eine gewisse Feuchtigkeit zu behalten, kommen noch geraspelte Karotten in den Teig. Man schmeckt sie nicht mehr heraus, aber sie sind dafür verantwortlich, dass sich diese Muffins mit Fug und Recht als saftig bezeichnen dürfen.

Zutaten (für 12 Muffins):
  • 300 Gramm (Bio-)Apfelmark
  • 12 Datteln, halbiert und mehrere Stunden (z.B. über Nacht) in 100 ml Wasser eingeweicht
  • 200 Gramm Weizenvollkornmehl
  • 1/4 TL Salz
  • 2 TL Backpulver
  • 1 TL Backnatron
  • 1 TL Zimt
  • 1/4 TL Vanilleextrakt
  • 4 EL stark entöltes Kakaopulver
  • 2 mittelgroße Karotten

Zubereitung:
Ein Backblech für Muffins mit Küchenkrepp und etwas Rapsöl ganz dünn einfetten und beiseite stellen. Alternativ kann man eine Muffin-Backform aus Silikon verwenden und sich diesen Arbeitsschritt sparen.

Das Apfelmark und die eingeweichten Datteln mit eventuell noch nicht aufgesogener Restflüssigkeit in eine schmale Schüssel geben und pürieren.
Alle trockenen Zutaten (Mehl, Salz, Backpulver, Backnatron, Zimt, Vanilleextrakt und Kakaopulver) in einer größeren Schüssel gut vermengen.

Nun das Apfelmark über die trockenen Zutaten geben und zusätzlich die Karotten (fein) darüber raspeln. Alles untermischen bis ein einigermaßen feuchter, aber auch noch halbwegs zäher Teig entsteht.

Die Muffin-Formen mit einem Löffel zu je zwei Dritteln mit Teig befüllen. Das Blech in den auf 180 Grad Celsius vorgeheizten Ofen schieben und die Muffins 20 Minuten backen.

Nach dem Backen die Muffins erst etwas abkühlen lassen, bevor man sie aus der Form entfernt, indem man sie zunächst mit einem geeigneten Werkzeug (z.B. ein Plastikmesser) von den Seiten löst.

Varianten:
Wenn man es noch etwas einfacher und auch günstiger möchte, kann man statt des Apfelmarks und der Datteln auch einfach 400 Gramm gesüßten (Bio-)Apfelmus verwenden.

Eine weitere, etwas süßere, aber geschmacklich leicht abweichende Variante kann man erreichen, indem man statt des Kakaopulvers Carob-Pulver verwendet, dass schon eine eigene Süße hat.

Samstag, 10. Mai 2014

Rezension: "Artgerecht ist nur die Freiheit" von Hilal Sezgin

Buchcover: Artgerecht ist nur die Freiheit
Ich bin ja durch die Lektüre von Karen Duves Buch "Anständig Essen" zum vegan lebenden Menschen geworden, weil es mir endgültig den Blick hinter die Kulissen des grausamen und gewaltvollen Systems des Tierverbrauchs öffnete und bestätigte, was ich vorher schon dunkel geahnt aber irgendwie noch immer verdrängt hatte. Und dieser Blick reicht ja auch eigentlich für den rein intuitiven Entschluss, sich an diesem System nicht mehr länger mitschuldig machen zu wollen.

Nun bin ich aber auch philosophisch interessiert, und da trifft es sich, dass es mit dem Buch "Artgerecht ist nur die Freiheit" von Hilal Sezgin ein wunderbares Werk einer studierten Philosophin gibt, das das Thema Tierethik auch aus wissenschaftlich-rational-logischer Perspektive genau beleuchtet. Das beste an diesem Buch ist, dass es fast völlig ohne akademisches Fachchinesisch auskommt (und wo doch  Fachbegriffe verwendet werden, werden sie sehr gut erläutert) und dass es die philosophischen Gedankengänge auch für Laien gut verständlich darlegt. Und im Gegensatz zu vielen anderen philosophischen Werken entwickelt es diese Gedankengänge nicht im rein Abstrakt-Theoretischen, sondern verwendet als Basis den aktuellen Erkenntnisstand der Naturwissenschaften, insbesondere der Biologie und der Evolutionsbiologie. (Wobei nicht unterschlagen wird, dass paradoxerweise viele der naturwissenschaftlichen Erkenntisse auf Experimenten an und mit Tieren beruhen, die aus ethischer Sicht wiederum gar nicht zu rechtfertigen sind.) So schränkt Hilal Sezgin ihre tierethischen Überlegungen auch gleich zu Anfang auf solche Tiere ein, die ein zentrales Nervensystem oder etwas Vergleichbares besitzen, also Wirbeltiere und einige wenige Weich- und Schalentiere wie Kraken und  Hummer. Damit sind Insekten und z.B. Regenwürmer oder Quallen erst mal außen vor. Bei ihnen kann man schlicht nicht plausibel begründen, dass da ein bewusstes Erleben, also ein anderer "Jemand" ist, dessen Interessen zu berücksichtigen wären, selbst wenn es von den Aktionen und Reaktionen z.B. einer Schnecke für uns so aussieht. Kühen, Schweinen, Hühnern oder Fischen kann man aber umgekehrt nicht mehr ernsthaft ein bewusstes Erleben in Abrede stellen.

So habe auch ich mir in der Vergangenheit schon gelegentlich überlegt, ob ich jetzt als Veganer auch strikter Anti-Speziesist sein muss, oder ob man nicht irgendwie zwischen Tieren verschiedener Komplexität abstufen kann und trotzdem den in unserer Gesellschaft institutionalisierten Tierverbrauch ablehnen kann bzw. sogar muss. Man bekommt beim Bekenntnis zum Veganismus ja immer wieder mal den Vorwurf zu hören, man würde Menschen und selbst noch die einfachsten Tiere auf eine Stufe stellen. Sezgin beleuchtet, dass ein "milder Speziesismus" zumindest verständlich ist, aber andererseits auch sehr enge Grenzen hat, also nicht zur Rechtfertigung unseres heutigen Umgangs mit leidens- und erlebensfähigen Tieren taugt.

Das Buch hilft einem als vegan lebenden Menschen insbesondere dabei, die zahlreichen Trug-, Fehl- und Zirkelschlüsse zu erkennen, die in den scheinbaren Argumenten und Rechtfertigungen stecken, welche einem immer wieder gerne von tierverbrauchenden Mitmenschen entgegengehalten werden. Wie z.B. das, wonach es die Tiere, die sie essen, ja gar nicht gäbe, wenn sie nicht zum Verzehr gezüchtet würden. (D.h. die Tiere können uns Menschen sogar noch "dankbar" sein, dass sie von uns ins Leben gebracht werden, auch wenn dieses aus Menschensicht nur dazu bestimmt ist, verwert- und essbares Körpermaterial hervorzubringen.)

Auch ist es geeignet, einen vor bestimmten Richtungen der Philosophie zu bewahren, die zwar zum Teil zu Ergebnissen kommen, die man sich als Tierfreund wünscht, dies aber wie der Utilitarismus eines Peter Singer auf einer fragwürdigen Grundlage tun, welche dem einzelnen erlebensfähigen Individuum (dem "Subjekt") nicht das unveräußerliche Recht am eigenen Leben und am eigenen Körper zugesteht.

Als bereits überzeugter ethischer Veganer musste ich beim Lesen dieses Buches immer wieder unwillkürlich mit dem Kopf nicken, weil die Überlegungen auch meine eigenen hätten sein können, nur dass ich sie nie so klar und überzeugend hätte formulieren können.

Es werden auch die "gegnerischen" Standpunkte und Argumente erwähnt, wobei aber dennoch eines deutlich wird: Jeder heutige Ethiker von Rang gibt zu, dass die Zustände in der heutigen Massentierhaltung aus ethischer Sicht schlicht verwerflich sind. Und damit ist es auch der Kauf der Produkte aus dieser Haltung, also letztlich aller Produkte im Supermarkt, im Restaurant oder in der Kantine, die Fleisch, Tiermilch oder Eier enthalten. Was immer also Otto und Liese Normalverbraucher als Rechtfertigung des Kaufs und Konsums dieser Produkte ins Feld führen mögen: Auf heutige Philosophen können sie sich dabei jedenfalls nicht stützen.

Ich empfehle wirklich allen Deutschsprachigen und Lesekundigen die Lektüre dieses hervorragenden Buches. Es eignet sich sicher auch als Geschenk an vielleicht noch nicht vegane, aber philosophisch interessierte Zeitgenossen.

Hilal Sezgin: "Artgerecht ist nur die Freiheit - Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen", Verlag C.H. Beck, München 2014, Paperback € 16,95

Samstag, 5. April 2014

Pizza Hawaii

Pizza Hawaii
Eines meiner Lieblingsgerichte in vorveganen Zeiten war Pizza Hawaii. Was liegt da also näher, als eine vollwertig vegane und ölfreie Variante derselben zu kreieren? Und siehe da, das Ergebnis bietet genau die Kombination, die mir an Pizza Hawaii immer so geschmeckt hat: Den herzhaften Umami-Part übernehmen hier Räuchertofu und hefewürzige Auflaufsauce (anstelle von Schinken und Käse), der süße Part wird natürlich weiterhin von der Ananas übernommen.

Zutaten für zwei mittelgroße Pizzen, ca. 8 Portionen:

Teig:
  • 400 g Vollkornmehl
  • 250 ml lauwarmes Wasser
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 1 TL Salz
Hefewürzige Sauce:
  • 200 ml warmes Wasser
  • 4 EL Weizenmehl
  • 80 ml Pflanzeneiweißdrink (z.B. Hafer-, Soja- oder Mandeldrink)
  • 1 TL Senf
  • 1/2 TL Kurkumapulver
  • 4 EL Würzhefe
  • 1 TL Salz

Belag:
  • 400 g Pizzatomaten bzw. Tomatenstückchen aus der Dose
  • 2 EL italienische Kräuter
  • Salz und Pfeffer
  • Optional: 2 Zwiebeln
  • 300 - 400 g Ananasstücke (frisch oder abgetropft aus Dose oder Glas)
  • 200 g Räuchertofu, in Würfel von ca. 1 cm Kantenlänge geschnitten

Zubereitung:
Für den Teig zunächst alle trockenen Zutaten in einer Schüssel vermengen, dann das Wasser zugeben und alles verrühren. Der Teig sollte so fest sein, dass er nicht klebt aber gleichzeitig gut knetbar ist. Je nachdem in kleinen Mengen noch etwas Wasser oder Mehl hinzugeben. Die Schüssel mit einem feuchten Tuch abdecken und den Teig an einem warmen Ort z.B. im Ofen gehen lassen, wobei die Temperatur jedoch 40 Grad Celsius nicht übersteigen darf. (Ideal sind 30 Grad Celsius.)

Nun die Hefewürzige Sauce vorbereiten: Das Weizenmehl in einer Tasse mit etwas warmen Wasser zu einer geschmeidigen Masse anrühren. Einen Topf mit etwas Wasser bei höchster Stufe erhitzen. Wenn das Wasser kocht, ggf. mehr Wasser nachgießen, so dass der Boden bedeckt bleibt. Dann die Mehlmasse in den Topf geben und kurz ankochen. Nun das warme Wasser hinzugeben und alles unter ständigem Verrühren mit einem Schneebesen aufkochen lassen. Die Sauce dickt nun an. Die Hitze abstellen und Pflanzeneiweißdrink, Senf, Kurkumapulver, Würzhefe und Salz unterrühren.

Wenn der Teig genügend gegangen ist, ihn zunächst noch einmal durchkneten und dann auf zwei mit Backpapier belegten Pizzablechen möglichst dünn in mittelgroße Pizzafladen ausrollen. (Es hilft, alles mit etwas Mehl zu bestäuben.)

Nun für den Belag zunächst die Pizzatomaten in einer kleinen Schüssel mit den italienischen Kräutern verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Diese Tomatensauce mit einem Löffel gleichmäßig auf dem Pizzateig verteilen. Optional die Zwiebeln in (Halb-)Ringe schneiden und ebenfalls auf dem Pizzateig verteilen. Das gleiche mit den Ananasstücken und mit den Räuchertofuwürfeln tun. Zum Schluss das Ganze gleichmäßig mit  der hefewürzigen Sauce übergießen.

Die Pizzen in den Ofen schieben und bei 180 Grad Celsius ca. 30 Minuten backen.

Sonntag, 23. März 2014

Paläo-Ernährung ist Pseudo-Wissenschaft

Seit Ewigkeiten möchte ich schon etwas zur sogenannten Paläo-Ernährung schreiben, die vorgibt, auf wissenschaftlichen Erwägungen zur Evolution des Menschen und seiner Ernährung zu beruhen, dabei aber zahlreiche unfundierte Annahmen macht und falsche Schlüsse zieht. Tatsächlich handelt es sich dabei meistens nur um ein neues, vermeintlich wissenschaftlicheres Gewand des alten Atkins- oder Low-Carb-Konzepts, das den hohen Konsum tierischer Proteine und Fette in ein gutes und den Konsum von Kohlehydraten in ein schlechtes Licht rücken soll, wobei dann auch nicht mehr groß zwischen leeren raffinierten Kohlehydraten wie Weißmehl und Kristallzucker einerseits und Kohlehydraten aus vollwertigen, ballaststoffreichen Quellen wie Vollgetreide, Naturreis, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Obst andererseits unterschieden wird.

Auch fällt auf, dass sich unter den Vertretern der Paläo-Ernährung keine "echten" Anthropologen (d.h. solche mit akademischem Grad) finden, denn diese wissen sehr genau, dass es "die Ernährung" der Steinzeitmenschen nicht gegeben haben kann, da die Steinzeit einen riesigen Zeitraum umfasst, in dem Menschen unter verschiedensten Umweltbedingungen gelebt haben und dass das Wissen über deren genaue Lebensweisen nach wie vor extrem lückenhaft und begrenzt ist. (Unter denen, die mit Büchern über die sogenannte Paläo-Ernährung viel Geld verdienen, finden sich überhaupt auffällig viele "Fachfremde" wie Wirtschaftsprofessoren und Fitnesstrainer.) Viele unserer Vorfahren haben z.B. nachweislich auch Baumrinden und Maden gegessen, trozdem gibt es keine bekannten Vertreter der Paläo-Diät, die so etwas auf ihren Speiseplan setzen oder behaupten, dass das zu einer gesunden Ernährung dazu gehöre.

Zudem gibt es bei den Anhängern der Paläo-Diät auch noch zahlreiche Missverständnisse zum Wesen der Evolution selbst. Es ist z.B. nicht klar wieso wir genetisch noch die gleichen Merkmale wie unsere Vorfahren aus der Steinzeit besitzen sollen. Richard Dawkins beschreibt in seinem Buch "Die Schöpfungslüge" (englisch: "The Greatest Show on Earth") sehr schön, wie bestimmte Adaptionen auch über wenige Generationen hinweg möglich sind. Auch gibt es so etwas wie eine Koevolution, die im Falle von Kulturpflanzen zum menschlichen Verzehr sogar durch Züchtung noch erheblich beschleunigt wurde. D.h. nicht nur Menschen haben sich an ihre natürlichen Umweltbedingungen angepasst, sondern sie haben auch die Natur durch Züchtung besonders nährstoffreicher und ernährungsphysiologisch wertvoller Pflanzen an sich angepasst.

Man kann vor jeder Art von Low-Carb-Ernährung nur warnen, denn schon in der westlichen Standardernährung ist der Anteil von Proteinen und Fetten insbesondere aus Tierprodukten viel höher als er sein sollte und (gemeinsam mit dem Konsum extrahierter pflanzlicher Fette und raffinierter Kohlehydrate) die Hauptursache unserer zahlreichen Wohlstandskrankheiten wie Herzinfarkt, ischämischer Schlaganfall, Typ-II-Diabetes, Arthritis, Prostata-, Brust-, Eierstock- und Darmkrebs. Generell steigt mit dem Konsum tierischer Proteine auch der IGF-I-Spiegel, der wiederum das Risiko für Krebs im allgemeinen erhöht. (Siehe hier.)

Da mir aber momentan die Zeit fehlt, die erwähnten unfundierten Annahmen und falschen Schlüsse der Paläo-Ernährung im einzelnen auseinander zu pflücken, möchte ich zumindest auf einen sehr guten Vortrag einer "echten" Anthropologin, nämlich Dr. Christina Warinner von der University of Oklahoma hinweisen, den sie bei einer TEDx-Veranstaltung gehalten hat. Man benötigt jedoch einigermaßen gute Englischkenntnisse um ihm folgen zu können:

Donnerstag, 27. Februar 2014

Gemüsereispfanne - gelingt immer, schmeckt immer


Auch Naturreis gibt es inzwischen in der Parboiled-Version, die sich besonders schnell garen lässt. Das Ergebnis ist sehr körnig und eignet sich hervorragend zum Braten.

Hier also ein Rezept für eine schnelle und immer leckere Gemüsereispfanne auf der Basis von Parboiled-Reis.

Zutaten (4 Portionen):
  • 250 g Parboiled Naturreis
  • 1 (rote) Zwiebel
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 2 EL Tomatenmark
  • 3 EL Sojasauce
  • 1/4 Weißkohl
  • 1 Paprika
  • 2 Tomaten
  • 2 Stangen Sellerie
  • Salz und Pfeffer

Zubereitung:
Den Parboiled Naturreis nach Packungsangaben garen.

Zwiebel und Knoblauch klein hacken. Aus dem Viertel Weißkohl den Strunk entfernen und die Blätter in mundgerechte Stücke schneiden. Paprika entstielen, entkernen und klein schneiden. Tomaten und Selleriestangen in kleine Stücke schneiden.

Nun in einer großen beschichteten Pfanne zunächst die gehackte Zwiebel und die gehackte Knoblauchzehe bei höchster Stufe in Wasser glasig dünsten. Tomatenmark und Sojasauce hinzufügen und kurz mitdünsten. Weißkohl, Paprika, Tomaten und Sellerie hinzugeben, alles einmal unterheben und bei mittlerer Stufe ca. 10 Minuten weiterdünsten. (Nötigenfalls etwas Wasser nachgießen.) Nun den zuvor gegarten Reis hinzugeben, erneut alles unterheben und alles weitere 5 bis 10 Minuten dünsten. (Nötigenfalls wieder Wasser nachgießen.)

Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Tipp:
Das Rezept funktioniert auch mit jeder anderen Sorte von Gemüse und eignet sich somit hervorragend, um übrig gebliebene Gemüsereste zu einer leckeren Mahlzeit zu verarbeiten.

Samstag, 25. Januar 2014

Herzhafte Getreideburger

Getreideburger
Macht man Getreidebratlinge aus entsprechenden Fertigmischungen nach Packungsanleitung, so ist das Ergebnis leider nie eine wirkliche Werbung für die pflanzliche Kost. Ich habe aber festgestellt, dass man mit ein paar Extras doch auch aus diesen Mischungen Burger mit viel "umami" und damit mit dem gewissen Pfiff machen kann. Da ich kein Pflanzenöl als Kochzutat verwende, werden die Burger bei mir einfach gebacken, was ihnen geschmacklich keinen Abbruch tut. Die Burger lassen sich übrigens gut einfrieren und später z.B. im Toaster wieder auftauen.

Zutaten (für ca. 12 Burger):
  • 300 g Getreidebratlingmischung, erhältlich in praktisch jedem Bioregal, Bioladen oder Biosupermarkt
  • 2 TL Sojamehl
  • Wasser
  • 1 EL Senf
  • 4 EL Sojasauce
  • 4 EL Würzhefe
  • 1 gehackte Zwiebel
  • optional: 1 EL gehackter Thymian
Zubereitung:
Die Getreidemischung in eine mittelgroße Schüssel geben. Das Sojamehl mit 3 TL Wasser anrühren und über die Mischung geben. Nun die auf der Packung angegebene Wassermenge zum Kochen bringen, 4 EL abnehmen und den Rest mit der Mischung verrühren. 15 Minuten  quellen lassen.
Anschließend den Senf, die Sojasauce, die Würzhefe, die Zwiebelstückchen und (optional) den Thymian zum gequollenen Getreidebrei geben und alles unterheben.
Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und jeweils soviel Getreidebrei auf das Backpapier bringen, dass sich daraus mit einem Löffel ein Burger von etwa 1 cm Höhe und 10 cm Durchmesser formen lässt. Jeweils 6 Burger pro Backblech formen.
Die Bleche in den Ofen schieben und die Burger bei 200 Grad Celius ca 20 Minuten backen. Dann die Burger mit einem Pfannenwender wenden und noch mal 10 Minuten weiterbacken. Fertig.

Samstag, 18. Januar 2014

Massenvernichtungswaffen auf dem Teller

Nur ein Gedanke, den ich loswerden möchte: Als in dieser Woche in unserer Kantine Spaghetti Carbonara im günstigen Hauptmenü angeboten wurde, griffen viele der Kolleginnen und Kollegen zu.

Dabei kann dieses Gericht mit Fug und Recht als Massenvernichtungswaffe bezeichnet werden: Hier wird praktisch alles kombiniert, was die Tiere vernichtende Industrie zu bieten hat: Muskeln von den sozialen und intelligenten Schweinen mit der Babynahrung für junge Kälber, die nach der Geburt aufs Grausamste ihren qualgezüchteten Müttern entrissen werden, damit wir als andere Spezies eben diese Babynahrung stehlen und zu unserem eigenen Schaden in Form von Sahne und Käse in unsere Gerichte stopfen können. Den Kälbern steht dann je nach Geschlecht das selbe traurige Schicksal wie ihren Müttern oder die schnelle Mästung in Einzelhaft und baldige Hinrichtung bevor. Und die Mütter sind nach drei bis vier Jahren ebenfalls körperlich so ausgelaugt, dass für sie keine "wirtschaftliche Verwendung" mehr besteht und sie ebenfalls hingerichtet werden.

Die Spaghetti in der Kantine dürften zudem noch Eier enthalten, die von Hühnern aus qualvoller Haltung stammen, deren Brüder gleich nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert wurden. Das Mehl in den Spaghetti ist zwar pflanzlicher Herkunft, doch hat man für ihre Herstellung fast alle wertvollen Mikronährstoffe aus den Getreidekörnern entfernt, und nur noch die energiedichtesten Bestandteile in Form von Weißmehl übrig gelassen. Kaum Ballaststoffe, kaum sekundäre Pflanzenstoffe.

*Jeder* auch nur einmalige Verzehr eines solchen Gerichts führt zu neuen aterosklerotischen Ablagerungen und damit näher zum Tod. Er erhöht das Risiko für Krebserkrankungen und Typ-II-Diabetes. Er ist selbstredend schlecht für die Tiere, schlecht für die Umwelt und schlecht für die Gesundheit der Esserinnen. Letzteres könnte man vielleicht noch als gerechte Strafe für gedanken- und rücksichtslosen Konsum betrachten, zumindest, wenn der jeweilige Konsument über die Folgen seines Konsums informiert sein könnte und müsste. Dummerweise muss für die Kosten dieses verantwortungslosen Umgangs mit dem eigenen Körper wieder die gesamte Solidargemeinschaft aufkommen. Und auch die Killerkeime, die durch den Antibiotika-Einsatz in Tierfabriken gezüchtet werden, gefährden Veganerinnen ebenso wie Tierverbraucherinnen.

Man muss sich ernsthaft fragen, wieso Firmen zulassen, dass ihren Mitarbeitern in der Kantine überhaupt ein Gericht angeboten wird, dass in jeder Hinsicht den Tod bringt. Zumal, wenn es sich -wie bei der Firma, für die ich tätig bin- um eine handelt, die gleichzeitig regelmäßig für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement z.B. in Form geförderter Präventionskurse ausgezeichnet wird.

Es tut zwar für den oben genannten Punkt nichts zur Sache: Aber einige Monate nach dem Umstieg auf die vegane Ernährung begann der Geruch von erhitztem Käse für mich richtig unangenehm zu werden. So stieg denn auch diese Woche wieder ein leichter Brechreiz in mir auf, als mehrere Kollegen mit ihrer Carbonara mit reichlich Käse um mich herum am Tisch saßen. Glücklicherweise kann ich mich bei so etwas gut zusammen nehmen und habe mich dann auch in diesem Fall erfolgreich ganz auf den Geschmack meines köstlichen Sellerie-Kartoffel-Stampfs mit Erbsen-Möhrchen und reichlich Kräutern der Provence konzentriert.

Sonntag, 12. Januar 2014

Gewaltfreie Kommunikation

Schon im Sommer hatte ich ein 3-tägiges Seminar zum Thema Gewaltfreie Kommunikation besucht, war jedoch damals zeitlich so eingepannt, dass ich nicht dazu gekommen bin, das hier zu schildern. Nun versuche ich, das nachzuholen und kann dabei gleich mal überprüfen, was noch hängen geblieben ist.

Was ist überhaupt Gewaltfreie Kommunikation? Von der Bezeichnung her könnte man vermuten, es ginge lediglich darum, in der zwischenmenschlichen Kommunikation im Berufs- oder Privatleben sein Gegenüber nicht physisch oder auch nur verbal anzugreifen. In Wahrheit steckt aber wesentlich mehr dahinter. Gewaltfreie Kommunikation (GfK) wurde von dem amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelt und ist ein komplettes Konzept oder Modell der Kommunikation, welches es ermöglichen soll, mit seinem Gegenüber in einen wertschätzenden  Dialog einzutreten, der Konflikte vermeidet und allen Seiten die Erfüllung ihrer Bedürfnisse ermöglicht. (Eine der Grundannahmen ist dabei, dass es keine sich gegenseitig widersprechenden oder ausschließenden Bedürfnisse der Menschen gibt, sondern dass lediglich die Strategien zur Erfüllung von Bedürfnissen miteinander in Konflikt stehen können. Der Satz "Ich will Deinen Porsche haben" formuliert demnach kein Bedürfnis, sondern lediglich eine Strategie zur Erfüllung eines grundlegenderen Bedürfnisses wie Mobilität, Anerkennung oder ähnliches.)  Auch Vorwürfe wie "Nie hörst Du mir zu" sind im Sinne der GfK nicht gewaltfrei. Ebensowenig ist es in diesem Sinne gewaltfrei, wenn ich mein Gegenüber zu einem Verhalten bringen will, das seinen eigenen Bedürfnissen oder Überzeugungen widerspricht.

Bevor jetzt jemand sagt, dass ein wertschätzender Austausch aber nur möglich sei, wenn auch das Gegenüber dazu bereit ist: Nun, zum einen vermindert GfK die Gefahr, dem Gegenüber eben diese Bereitschaft durch unbedachte oder verletzende Äußerungen zu nehmen, zum anderen kann GfK tatsächlich auch dann noch angewandt werden, wenn der Kommunikationspartner nicht nach ihren Regeln spielt. In dieser Hinsicht verfolgt die GfK in der Kommunikation eine ähnliche Philosophie wie das Aikido im Kampfsport.

Auf dieses Thema gekommen bin ich, da ich schon einmal in anderem Zusammenhang  von Gewaltfreier Kommunikation gehört hatte und dann auch noch einmal Prof. Melanie Joy, die Urheberin des Begriffs des Karnismus, in der Frage-Stunde nach ihrem Vortrag letztes Jahr im Kölner Stollwerck allen, die für eine vegane Lebensweise Zeugnis geben und werben wollen, empfahl, sich mit diesem Konzept zu beschäftigen. In der Tat kann man kaum glaubwürdig für eine auf Empathie und "Ahimsa", also Vermeidung unnötigen Leides und Schadens abzielende Lebensweise werben, wenn man es dabei an Empathie und Respekt für sein Gegenüber vermissen lässt.

Das Schöne an der GfK ist, dass sie auf nur wenigen, leicht zu merkenden Prinzipien aufbaut. Die eigentliche Schwierigkeit liegt dann eher darin, diese Prinzipien in der alltäglichen Kommunikation auch anzuwenden. Das geht nur mit entsprechender Einübung, so dass Seminare die GfK tatsächlich besser vermitteln können als die reine Lektüre zugehöriger Literatur. Die Literatur kann aber sicher dazu gut sein, dass Eingeübte noch einmal zu unterfüttern und zu vertiefen.

Ein paar der Prinzipien (wie ich sie verstanden habe) möchte ich kurz darlegen, da der geneigte Leser/die geneigte Leserin dadurch vielleicht eine bessere Vorstellung davon bekommt, was hinter der GfK steckt:
  • Die GfK kennt vier Schritte, die sich auch mal überschneiden können und je nach konkretem Fall auch nicht immer alle vollständig durchdekliniert werden müssen: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte.
  • Der erste Schritt, Beobachtung, ist wirklich nur im Sinne der reinen Beobachtung des Verhaltens der Mitmenschen zu verstehen. Es sollen keinerlei Annahmen über ihre Motivationen und auch keine Wertungen ihres Verhaltens vorgenommen werden. Gerade, wenn ich meine Beobachtungen meinem Gegenüber beschreibe, ist es wichtig, dass ich dabei auch jegliche wertende Sprache vermeide. Man sagt also nicht: "Dir ist mein Wunsch nach Ordnung ganz egal" oder "Hier sieht's wieder richtig schlampig aus", sondern lediglich: "Du hast Deine Socken auf dem Boden liegen lassen." (Dieser Punkt fällt mir persönlich gar nicht leicht, da ich den Großteil meines bisherigen Lebens immer mein Recht auf meine eigene Meinung vertreten und somit auch nie darauf geachtet habe, ob meine Sprache wertend ist oder nicht. Mit solchen Bewertungen kann man jedoch in der Tat bereits jeden weiteren Dialog blockieren.)
  • Nach der Beobachtung kommt als nächster Schritt das damit verbundene (negative) Gefühl. Dabei geht es darum, sich einfühlend mitzuteilen, bzw. je nach Fall auch einfühlend dem Gegenüber zuzuhören. Also etwa beim Beispiel mit den Socken: "Ich fühle mich hier mit den Socken auf dem Boden weniger wohl." Die Verantwortung für meine Gefühle liegt bei mir, daher soll man Sätze wie "Ich fühle mich schlecht, weil Du ..." vollkommen vermeiden.
  • Dann folgt das Bedürfnis. Auch für meine Bedürfnisse zeichne  ich selbst verantwortlich. Ich verlange also gerade nicht, dass mein Kommunikationspartner meine Bedürfnisse kennen oder mir von den Augen ablesen muss, sondern muss diese schon selber äußern. Dazu ist natürlich auch wichtig, dass ich mir selber über sie im Klaren bin. (Was, wie sich im Seminar bei einigen Übungen gezeigt hat, auch alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.) Im  meinem zugegebenermaßen sehr einfachen und trivialen Sockenbeispiel wäre das also: "Ich habe das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur in unserem Zuhause." In diesem Fall bietet es sich sogar an, Gefühl und Bedürfnis in einem Satz zusammenzufassen: "Ich fühle mich hier mit den Socken auf dem Boden weniger wohl, weil ich das Bedürfnis nach Ordnung und Struktur in unserem Zuhause habe."
  • Ganz zum Schluss kommt die Bitte, die sich jedoch auch auf den konkreten Fall beziehen muss und nicht auf vermeintliche pauschale Verhaltenmuster: "Ich bitte Dich, dass Du Deine Socken nach dem Tragen in den Wäschekorb  legst." (Und nicht etwa: "Ich bitte Dich, dass Du in Zukunft ordentlicher wirst.") Interessanterweise können derart vorgetragene Bitten von kaum einem Menschen abgeschlagen werden. Dennoch geht es bei der GfK nicht darum, die Mitmenschen in ein bestimmtes Verhalten hinein zu manipulieren, sondern um echte mitfühlende Kommunikation auf gleicher Augenhöhe. (Es gibt sicher auch immer einen gewissen, sehr kleinen Prozentsatz von Menschen, die zur Empathie nicht fähig sind und daher auch nicht die Bereitschaft aufbringen, ihr Verhalten mit den Bedürfnissen anderer Menschen in Einklang zu bringen. Da die Bitte in der Tat als solche gemeint sein soll, muss man auch das akzeptieren und dann wiederum sehen, wie man dennoch den eigenen Bedürfnissen gerecht werden kann, z.B. indem man solchen Menschen ausweicht.)
  • Ein ganz wichtiger Punkt bei der GfK neben der Empathie ist die Selbst-Empathie, d.h. man soll die eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht den anderen zuliebe unter den Teppich kehren, sondern man darf und soll sich selbst lieben und die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen.
  • Damit im Zusammenhang steht, dass es bei der GfK nicht darum geht, eigenen Ärger und Frustration zu unterdrücken, denn auch das sind zulässige Gefühle. Dazu darf man in seinem Kopf das aufführen, was Marshall B. Rosenberg die "eigene Wolfsshow" nennt. Ich darf mir also durchaus auch erst mal denken, dass mein Gesprächspartner ein eigensüchtiger Vollidiot ist. Bevor ich dann aber etwas sage, halte ich mir noch einmal die vier Schritte vor Augen und mache mir z.B. klar, dass hinter dem aus meiner Sicht eigensüchtigen und idiotischen Verhalten des anderen ein Mensch mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen steht, die er lediglich mit einer Strategie umsetzt, die mit den Strategien zur Erfüllung meiner Bedürfnisse in Konflikt steht. Und dieser Konflikt wiederum lässt sich in aller Regel auflösen, wenn ich dem anderen in einem wertschätzenden Dialog meine Gefühle und Bedürfnisse aufzeige, ihn zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen befrage und schließlich daraus eine Bitte oder einen Vorschlag ableite.
Einige Punkte in der GfK haben mich durchaus auch an fernöstliche Lebensphilosophien und -prinzipien erinnert, so etwa der Punkt, dass wahre Empathie nicht ohne Selbst-Empathie möglich ist. Auch in der buddhistischen Metta-Meditation weitet man den Kreis des Ein- und Mitfühlens ja sukzessive aus: von sich selbst, zu seinen nächsten Angehörigen, zu allen Menschen (einschließlich seiner "Feinde") bis hin zu allen fühlenden Wesen.
Der Punkt der Verantwortung für die eigenen Gefühle ist auch in dem buddhistischen Konzept der zweiten Pfeile des Leidens enthalten. (Das sind die, die man auf sich selbst abschießt, indem man von außen zugefügtes Leid, also die ersten Pfeile des Leidens, noch durch eigene Gedanken verstärkt.)

Alles in allem kann ich sagen, dass ich ebenfalls jedem Aktivisten und gerade auch jedem Tierrechtsaktivisten nur empfehlen kann, sich mit Gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen - am besten in einem Seminar. Es ist eigentlich die einzige Form der Kommunikation, mit der man glaubwürdig und damit effektiv für eine Lebensweise eintreten kann, die Gewalt an fühlenden Wesen minimieren will. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es gar nicht so leicht ist, das mustergültig in die Praxis umzusetzen. Allerdings hat mir das Seminar zumindest schon mehrmals geholfen, mich in Auseinandersetzungen und Diskussionen etwas zurück zu nehmen und mein Gegenüber weniger als Gegner denn als Mitmenschen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen wahrzunehmen, ohne dabei die Leidenschaft für meinen Standpunkt zu verlieren. Ich glaube, dass mir gerade dadurch eher zugehört wurde, als wenn ich meinem Gegenüber lediglich meine Argumente "um die Ohren gehauen" hätte und damit zu beweisen versucht hätte, dass ich recht und der andere unrecht hatte.

Wer besonders viel Glück hat, findet in seiner Nähe ein Seminar, das von Herbert Warmbier durchgeführt wird, der auch das von mir besuchte Seminar leitete. Er hat den Ablauf mit Theorie und Übungen wunderbar vorbereitet und die Prinzipien wirklich gut vermittelt, auch wenn von den Teilnehmern durchaus kritische Bemerkungen oder zweifelnde Fragen kamen.  Ihm merkte man auch in solchen Diskussionen an, dass er die Prinzipien der GfK wirklich verinnerlicht hat und dass er sie nicht nur unterrichtet, sondern auch lebt.