Donnerstag, 30. November 2017

B12-Supplemente und Lungenkrebsrisiko

B12
Anfang August wurde in manchen Medien über eine Studie im Journal of Clinical Oncology berichtet, deren Ergebnisse darauf hindeuten könnten, dass die langjährige hochdosierte Supplementierung mit Vitamin B12 bei Männern das Risiko für Lungenkrebs erhöhen könnte. (Link zur Original-Studie: https://doi.org/10.1200/JCO.2017.72.7735)

Auch wenn es in einzelnen veganen YouTube-Kanälen (z.B. bei "Vegan mit Rohe Energie") so dargestellt wurde, war an dieser Studie nichts Faules und es spricht auch nichts dafür, dass hier im Hintergrund antivegane Tierproduktelobbys eine Rolle gespielt haben.

Der Studie lag eine Kohorte aus dem US-Bundesstaat Washington von immerhin 77.000 Personen zugrunde, die zu Anfang des Beobachtungszeitraums befragt wurden, welche Supplemente sie regelmäßig in welchen Dosierungen genommen hatten. Am Ende des Beobachtungszeitraums waren 808 Personen in der Zwischenzeit leider an Lungenkrebs erkrankt.

Bei den männlichen Benutzern hoher B12-Dosen von mehr als 55 Mikrogramm B12 bzw. Cobalamin pro Tag war der Anteil der Erkrankten etwa doppelt so hoch wie bei den männlichen Nicht-Benutzern. Bei den weiblichen Studienteilnehmerinnen war zwischen Benutzerinnen und Nicht-Benutzerinnen kein Unterschied in der Erkrankungsrate festzustellen. Leider wurde ab 55 Mikrogramm Tagesdosis nicht mehr weiter unterschieden. Man kann aber davon ausgehen, dass bei den hohen Dosen auch viele waren, die über 500 Mikrogramm am Tag lagen, da es in den USA viele Vitamin-B12-Präparate gibt, die 500, 1000 oder sogar 2000 Mikrogramm Cobalamin je Tablette enthalten und auf der Verpackung zur täglichen Einnahme empfohlen werden.

Nun kann man sich denken, dass unter den schätzungsweise 40.000 männlichen Personen der Kohorte nur eine sehr begrenzte Zahl von Benutzern hochdosierter Vitamin-B12-Supplemente war, da man üblicherweise schon einen Grund haben muss, diese zu nehmen, z.B. den, dass man sich vegan ernährt und ein Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel vermeiden möchte. Gehen wir großzügig von zwei Prozent aus, so wären dies etwa 800 Männer gewesen. Insgesamt waren ja etwa 1 Prozent der teilnehmenden Personen an Lungenkrebs erkrankt und vermutlich dürfte dies auch ungefähr der Erkrankungsrate unter den männlichen Nicht-Benutzern von B12-Supplementen entsprechen. Damit die Erkrankungsrate unter den 800 männlichen Hochdosis-Benutzern doppelt so hoch lag wie bei den Nicht-Benutzern, hätten also 16 von ihnen erkrankt sein müssen.

Wie man schon sieht, läuft dies auf eine sehr kleine Zahl von Individuen hinaus und es wäre auch denkbar, dass unter den männlichen Benutzern hochdosierter Vitamin-B12-Supplemente einfach durch Zufall eine größere Zahl von Pechvögeln in Bezug auf Lungenkrebs war. Auf diese Möglichkeit wurde auch von verschiedenen Experten wie Dr Kourosh Ahmadi von der Surrey University und Professor Paul Pharoah von der Cambridge University hingewiesen. (http://www.independent.co.uk/news/science/vitamin-b-lung-cancer-supplement-link-risk-b6-b12-a7907026.html) Es sollen weitere Studien folgen, um das genauer zu prüfen.

Dennoch sind die Ergebnisse dieser Studie für verantwortungsvolle Veganerinnen und Veganer, die ja allesamt wissen, das sie B12 supplementieren sollen, nicht einfach völlig auf die leichte Schulter zu nehmen.

Es könnte eventuell sinnvoll sein, von den ganz hohen Dosierungen ab 500 Mikrogramm Cobalamin pro Tag abzugehen. (Die ich in vergangenen Beiträgen auf diesem Blog noch als sicher und vorteilhaft eingeschätzt habe.) Mittlerweile bekommt man in Reformhäusern sehr gute vegane sublinguale Vitamin-B12-Tabletten, die jeweils 500 Mikrogramm Cobalamin enthalten. Wenn man davon beispielsweise nur eine pro Woche nehmen könnte, ohne einen Vitamin-B12-Mangel auszubilden, hätte man nicht nur Geld gespart, sondern möglicherweise auch sein Risiko reduziert, irgendwann einmal an Lungenkrebs zu erkranken.

Ich selbst bevorzuge ja die B12-Supplementierung über die B12-Zahncreme von Santé. Diese war zwischenzeitlich aus dem Handel genommen wurden, da der auf den ursprünglichen Verpackungen erhobene Anspruch, dass diese Zahncreme einem B12-Mangel vorbeugen könne, aus werberechtlicher Sicht wohl so nicht mehr gemacht werden durfte. (Dazu, was diese Zahncreme im Hinblick auf B12 leistet, hatte ich hier bereits einen Beitrag geschrieben.) Auf einer Internet-Seite der Naturkost-Firma Rapunzel habe ich die Aussage gefunden, wonach die Santé-B12-Zahncreme 100 Mikrogramm Cobalamin je Gramm enthalte. Da eine Tube 70 Gramm Zahnpasta enthält, wären dies 7000 Mikrogramm bzw. 7 Milligramm je Tube. Bei mir reicht eine Tube etwa 3 Monate. Wenn ich also davon ausgehe, dass etwa die Hälfte meiner Zahnpasta schlussendlich im Waschbecken landet und nur die andere Hälfte im Magen, komme ich damit auf eine Tagesdosis von etwa 7000/90/2 mithin ungefähr 39 Milligramm. Damit konnte ich bisher meinen B12-Serum- und auch meinen Holo-TC-Wert (siehe unten) in einem Bereich halten, der auf eine ausreichende Versorgung hindeutet.

Ob man ausreichend mit Vitamin B12 versorgt ist, kann man übrigens mittlerweile durch einen über Internet bestellbaren Selbsttest auf Holo-TC (Holotranscobalamin) herausfinden, so dass man sich die Terminvergabe und langes Warten im Wartezimmer seines Hausarztes sparen kann.  So kann man auch für sich persönlich die Dosierung herausfinden, mit der man einem Mangel vorbeugen kann ohne dabei unnötig viel zu aufzunehmen.

Der Holo-TC-Wert gilt ja mittlerweile als der Goldstandard für die Feststellung einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin B12, während man früher zunächst den Serum-B12-Wert ermittelte, der jedoch auch inaktives B12 einschließen kann, und damit nicht so aussagekräftig ist. (Da bei einem ernsten B12-Mangel der Homocystein-Wert steigt, konnte dieser mit ermittelt werden, um einen solchen zumindest definitiv auszuschließen.) Eine andere Methode bestand in der Mittermittlung des Methylmalonsäure-Wertes über eine Urinprobe. Der Holo-TC-Wert hat all diese Probleme nicht, da er sowohl sehr sensitiv als auch sehr spezifisch ist, d.h. er zeigt einen vorhandenen Mangel mit großer Wahrscheinlichkeit richtig an und gibt andererseits nur sehr selten falschen Alarm, wenn kein Mangel vorliegt.

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