Dienstag, 31. Oktober 2017

Rückenschmerzen durch Arteriosklerose

Hockender, gekrümmter Mann, symbolisch von Seilen in seiner Position gefesselt


Ein im deutschsprachigen Teil des Internets praktisch nicht vorhandenes (oder zumindest kaum auffindbares) Thema ist der Zusammenhang zwischen Arteriosklerose einerseits und Rückenschmerzen, inbesondere des unteren Rückens, andererseits.

Jahrzehntelang galt das Paradigma, dass sich die Bandscheiben, also die knorpelartigen Pufferelemente zwischen den Rückenwirbeln, bei den Menschen im Laufe ihres Lebens einfach immer weiter abnutzen. Man glaubte, dass man diesen Prozess durch rückenschonende Verhaltensweisen -- z.B. beim Heben schwerer Gegenstände oder bei sitzenden Tätigkeiten-- allenfalls verlangsamen könne. Ich selbst kann mich an eine Ergonomie-Schulung vor etwa 20 Jahren durch meinen damaligen Arbeitgeber erinnern, bei der es so dargestellt wurde.

Inzwischen ist man auch hier schlauer, doch wie gesagt findet man dazu kaum etwas auf deutsch, was darauf hindeutet, dass das neue Wissen selbst bei deutschen Orthopäden noch nicht allzu verbreitet ist.

Zahlreiche Studien belegen nämlich, dass die sogenannte Degeneration der Bandscheiben meistens eine Folge unzureichender Durchblutung der sie umgebenden Blutgefäße ist, die selbst wiederum die Folge fortschreitender Arteriosklerose ist. Dazu sollte man wissen, dass die knorpeligen Bandscheiben selbst nicht von Blutgefäßen durchzogen werden, sondern dass stattdessen Blutgefäße um die Bandscheiben herumführen. Die Nährstoffe, die von den Zellen dieses Knorpelgewebes benötigt werden, können sie nur durch Diffusion erreichen, also dadurch, dass diese aus dem umliegenden, durchbluteten Gewebe in die Knorpelzellen einwandern. Sind nun also die Rückenarterien in dem umliegenden Gewebe verengt und durch Ablagerungen verstopft, so können umso weniger Nährstoffe die Zellen der Bandscheiben erreichen und umso eher "verhungern" diese und bauen sich ab. Die Blutgefäße, welche die Bandscheiben umfließen, sind übrigens Abzweigungen der Bauchaorta, die selbst Teil der Aorta, also der zentralen und größten Schlagader des menschlichen Körpers ist.

Eine 25-Jahre-Nachfolgestudie zur Framingham Heart Study  kommt zu der Schlussfolgerung, dass fortgeschrittene Arteriosklerose dieser Bauchaorta, die sich in Form von Kalzifikationen (Verkalkungen) der hinteren Wand zeigt, das Risiko für Bandscheibendegenerationen erhöht und mit dem Auftreten von Rückenschmerzen assoziiert ist. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9253101)

Eine Studie von Leena Kauppila aus dem Jahr 2004 untersuchte die Bauchaorten und die Cholesterinwerte von  51 Patientinnen und Patienten, die seit langem unter nicht-spezifischen Schmerzen des unteren Rückens litten. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15454707) Über drei Viertel von ihnen wiesen Verengungen der Arterien auf, die den unteren Rücken mit Blut versorgen. Bei Autopsiematerial von Menschen entsprechenden Alters fanden sich hingegen nur bei etwa 30 Prozent solche Verengungen, wobei ja nicht einmal gesagt ist, ob und wie viele der Körperspenderinnen und -spender zu Lebzeiten beschwerdefrei gewesen sein mögen. Die Degeneration der Bandscheiben war auch hier mit dem Verschluss der rückenversorgenden Arterien assoziiert. Während Patientinnen und Patienten mit verengten Arterien oder signifikanter Bandscheibendegeneration keine schlimmeren Beschwerden beklagten die als anderen, klagten doch solche mit erhöhten LDL-Cholesterinwerten häufiger über schwere Schmerzen.

Und schon im Jahr 1999 kam eine andere Studie aus Finnland zu der Schlussfolgerung, dass eine signifikante Assoziation zwischen Plaques an den Wänden der Bauchaorta und Schmerzen des unteren Rückens besteht, wobei diese Plaques bereits als Vorstufe der oben erwähnten Kalzifikationen auftreten. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10543002)

Eine eindrucksvolle Präsentation von Leena Kauppila mit erschreckenden Bildern von verfetteteten und entzündeten Baucharterien findet man (auf English) hier: http://pcrm.org/sites/default/files/pdfs/Leena-Kauppila.pdf

Was sind nun die praktischen Schlussfolgerungen? Nun, wer die Arbeit von Dr. Esselstyn oder meine Berichte darüber auf diesem Blog kennt, weiß bereits, dass Arteriosklerose eine Folge falscher, nämlich tierproduktelastiger und fettreicher Ernährung ist und mit einer vollwertig pflanzlichen Ernährung ohne extrahierte Pflanzenfette vollkommen vermeidbar ist. (http://dresselstyn.com/JFP_06307_Article1.pdf)

Dies spricht dafür, dass diese Ernährung in vielen Fällen nicht nur das Risiko für Herzinfarkte und ischämische Schlaganfälle auf praktisch Null senken kann, sondern auch viele Menschen mit chronischen Schmerzen des unteren Rückens von dieser Ernährung profitieren könnten und viele andere vor solchen Schmerzen für die Zukunft schützen könnte.

Natürlich ist die gegenwärtige westliche Ernährung ebenso wie die entgegen aller Wissenschaft populäre Low-Carb-Ernährung ungefähr das Gegenteil einer vollwertig pflanzlichen und fettarmen Ernährung. Sie ist reich an Tierprodukten, entsprechend reich an gesättigten Fetten und wird überdies oft noch um extrahierte Pflanzenfette zum Beispiel in Form von Frittierfett "bereichert". Da wundert es nicht, das bereits zehn Prozent der Zwanzigjährigen fortgeschrittene Blockaden der Rückenarterien aufweisen. (http://www.ejves.com/article/S1078-5884%2809%2900090-2/fulltext)

Eine proteinreiche Low-Carb-Ernährung erhöht nachweislich Arterienablagerungen um 40 bis 50 Prozent, und dies gegenüber der ohnehin schon nicht arterienfreundlichen westlichen Standardernährung. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11108325)

Also: Auch Rückenschmerzen können ein Wecksignal des Körpers sein, statt auf Tierprodukte auf vollwertige pflanzliche Nahrungsmittel zu setzen! (Und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind es fast immer.)

Quellen:

http://www.practicalpainmanagement.com/meeting-summary/link-between-atherosclerosis-degenerative-disc-disease

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19328027

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10543002

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9253101

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15454707

http://robertbeckmd.com/Degenerative_Disc_Disease_and_Atherosclerosis.html

http://www.ejves.com/article/S1078-5884%2809%2900090-2/fulltext

http://dresselstyn.com/JFP_06307_Article1.pdf

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11108325

Sonntag, 24. September 2017

Denkaufgabe für Nicht-Veganer: Benenne das Merkmal!

Fragezeichen auf Spirale
Beim Binge-Watching von YouTube bin ich in einem Video von dem sehr sympathischen Paar "Those annoying Vegans" (also etwa "Diese nervenden Veganer") über eine Denkaufgabe an Nicht-Veganer gestoßen, die ich in der Form noch nicht kannte. Ich hatte ja schon einmal in einem vorherigen Beitrag kundgetan, dass für mich die ultimative ethische Begründung für den Veganismus die ist, dass man aus Persönlichkeiten keine Wurst machen sollte bzw. auch nicht durch seine Einkäufe den Auftrag dazu erteilen sollte, dass aus Persönlichkeiten Wurst gemacht wird.

Die erwähnte Denkaufgabe kommt nun als etwas philosophischere und theoretische Begründung daher, eignet sich aber gut, um Tierverbraucherinnen und Tierverbraucher einmal richtig in's Grübeln zu bringen. Ich versuche sie hier mal in meinen eigenen Worten wieder zu geben:

Benenne das Merkmal von Menschen, welches nicht-menschliche Tiere nicht aufweisen, und welches die Tötung von Menschen rechtfertigen würde, wenn sie es auch nicht aufwiesen.
Denn es ist ja so, dass auch Tierverbraucherinnen und Tierverbraucher zu nahezu hundert Prozent ebenfalls überzeugt sind, dass das Töten von Menschen im Normalfall nicht gerechtfertigt ist. Es gibt nur wenige Ausnahmefälle, in denen z.B. ein schwer leidender Mensch um Sterbehilfe bittet, wo man von einem gerechtfertigten Töten sprechen könnte und selbst diese sind -zumal unter religiösen Menschen- sehr umstritten. Und auch in Extremfällen, wo das Töten eines Menschen Voraussetzung für das Überleben eines anderen ist (es gibt da ja diesen bekannten Fall von Überlebenden eines Flugzeugabsturzes in den Anden), würden die weitaus meisten Ethiker sagen, dass zwar vielleicht ein Mensch sich für andere opfern darf, dass aber niemand einen anderen Menschen für sich opfern darf.

Trotzdem machen sich Tierverbraucherinnen oder Tierverbraucher kaum Gedanken darüber, was ihnen denn das Recht gibt, mit Tieren anders zu verfahren und sie nicht nur in extremen Ausnahmesituationen zur Sicherung des eigenen Überlebens oder zur Erlösung von unerträglichem Leiden zu töten oder töten zu lassen, sondern für so etwas ganz Banales und Verzichtbares wie ein bisschen Gaumenfreude, die man sich ja auch aus pflanzlichen Lebensmitteln verschaffen kann, nur vielleicht nicht genau mit dem Geschmack, der Textur und der Sensorik von einem Teil eines Tierkörpers.

Dann müsste es ja ein entscheidendes Merkmal geben, das diese unterschiedliche Behandlung von Tieren und Menschen in dieser für sie jeweils lebensentscheidenden Weise begründen kann. Und dieses Merkmal kann nicht nur einfach sein: "Ja das sind eben Tiere, und wir sind eben Menschen". Das wäre zirkulär, so wie wenn man sagte: "Du schuldest mir ein Bier, weil Du mir ein Bier schuldest". Es fehlt dann immer noch die wirkliche Begründung.

Interessanterweise wird wohl niemand ein solches entscheidendes Merkmal benennen können: Ja Tiere können z.B. nicht sprechen und Bücher schreiben, aber ist diese Fähigkeit von Menschen die entscheidende, warum wir ihnen ein Recht auf Leben zugestehen? Wohl kaum, denn es gibt natürlich auch Menschen, die aufgrund von Entwicklungsstörungen oder Gehirnschäden nicht sprechen und schon gar keine Bücher schreiben können. Und natürlich würden wir es dennoch nicht für gerechtfertigt halten, diese Menschen zu töten. Dies können also nicht die entscheidenden Merkmale zur unterschiedlichen Behandlung von Mensch und Tier sein.

Es sieht eher so aus, dass der Grund, warum wir anderen Menschen einen besonderen rechtlichen und moralischen Schutz zugestehen, ihre Empfindungsfähigkeit oder ihre Bewusstseinsfähigkeit ist, aber die weisen eben auch Tiere auf. Das war zwar noch bis in das letzte Jahrhundert hinein umstritten, inzwischen hat die neurologische Forschung jedoch so große Fortschritte gemacht, dass wir nun wissen, dass die Hirnareale, die bei uns für das Bewusstsein eine Rolle spielen, auch bei höher entwickelten Tieren einschließlich Fischen, Vögeln, Reptilien und anderen Säugetieren vorhanden sind. Akzeptiert man die Evolution als Tatsache (und das ist sie), dann evolvieren auch kognitive Fähigkeiten und dann haben sich die kognitiven Fähigkeiten von Menschen einschließlich ihrer Bewusstseins- und Empfindungsfähigkeit aus denen  nicht-menschlichen Tieren entwickelt, die nur graduell aber nicht grundsätzlich von unseren verschieden sind. Dies haben zahlreiche renommierte Kognitionsforscher, Neurophysiologen, -pharmakologen, -anatomen und -informatikern am 7. Juli 2012 in der Cambridge Declaration on Consciousness festgehalten. Bei der Unterzeichnung dieser Erklärung war übrigens auch der eigentlich fachfremde Professor Stephen Hawking anwesend.

Über eine interessante Reddit-Diskussion zum Thema konnte ich dann noch erfahren, dass diese Denkaufgabe unter Philsophen auch als "Argument aus Grenzfällen" (argument from marginal cases) bekannt ist und dass einer von ihnen, Daniel A. Dombrowski, ein ganzes Buch dazu verfasst hat: "Babies and Beasts: The Argument from Marginal Cases". Die Reddit-Diskussion ist zwar mit "'Benenne das Merkmal' versagt als Argument" betitelt, aber gleich die erste Antwort stellt eben klar, dass diese Aufgabe keineswegs als Argument versagt und dass bisher auch kein Philosoph ein Merkmal benennen konnte, welches diese extrem ungleiche Behandlung von Menschen einerseits und nicht-menschlichen Tieren andererseits (nämlich rechtlicher und moralischer Schutz des Lebens auf der einen Seite, und freie Verfügung über das Leben anderer für reine Genussfreuden auf der anderen) rechtfertigen könnte.

Wesentlich wahrscheinlicher ist doch, dass Menschen verdeckte Eigeninteressen ("Fleisch schmeckt mir") haben, die sie in ihr Urteil darüber, was akzeptabel ist und was nicht, einfließen lassen. Nur sind Eigeninteressen eben kein ethisches Argument und stehen im Gegenteil einer unvoreingenommenen ethischen Betrachtungsweise meist im Wege. Das hier vorgebrachte Argument zeigt letztlich die ethische Inkonsistenz des Handelns der meisten Menschen, ganz ähnlich wie auch Melanie Joy es mit dem Begriff des "Karnismus" gezeigt hat, indem sie darauf hinwies, dass Menschen sogar beim Umgang mit bewusstseinsfähigen Tieren große, durch nichts gerechtfertigte Unterschiede machen: Die einen, nämlich Haustiere wie Hunde und Katzen, werden als schützens- und liebenswerte Persönlichkeiten anerkannt, während andere wie Schweine, Rinder und Hühner als reine Produktionsfaktoren für Fleisch, Milch und Eier behandelt werden.

Also falls Sie, werte Leserin, werter Leser, doch das entscheidende Merkmal benennen können, lassen Sie es mich bitte wissen. Ihnen wäre dann etwas gelungen, was keinem professionellen Ethiker bisher gelungen ist.

Mittwoch, 6. September 2017

PURE-Studie im Lancet: Verzicht auf Fette erhöht Ihre Sterblichkeit (wenn Sie ein unterernährter Bangladeshi sind)

Letzte Woche sorgte wieder einmal eine Studie für Schlagzeilen, die die geneigten Leser in Ihren schlechten Gewohnheiten bestätigen sollten. Tenor dieser Schlagzeilen war, dass im angesehenen medizinischen Wissenschaftsjournal "The Lancet" Ergebnisse der groß angelegten PURE-Studie veröffentlicht wurden und diese zeigten, dass der Konsum zusätzlicher Fette die Sterblichkeit senke bzw. der Verzicht auf Fette sie erhöhe. Wie üblich wurde vorsoglich auch wieder vor der tödlichen Gefahr eines erhöhten Verzehrs von Kohlehydraten gewarnt. Die tausenden Studien der vergangenen Jahrzehnte, die den Zusammenhang zwischen gesättigten Fetten und erhöhter Sterblichkeit sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegen (darunter nicht nur Bevölkerungsstudien, sondern auch die noch wesentlich aussagestärkeren Interventionsstudien), sollten also angeblich mal wieder hinfällig sein, weil diese eine Studie das schon längst gesicherte Wissen wieder komplett umstoße. Bei der Pharmazeutischen Zeitung hieß es "Fett besser nicht gegen Kohlehydrate austauschen". Nun steht hinter dieser Zeitung natürlich sowieso erkennbar die Pharma-Industrie, die nun einmal ein Interesse daran hat, möglichst viele Cholesterin-Senker, blutdrucksenkende Mittel und künstliches Insulin zu verkaufen. Der einstmals kritische britische Independent titelte in reißerischster Manier: "Low-fat diets could kill you", also "Fettarme Ernährungsweisen können Sie töten". BILD erklärte Fette statt Kohlehydrate gleich mal zum neuen Ernährungstrend, obwohl dieser gefährliche Low-Carb-Unsinn spätestens seit den siebziger Jahren ausgehend von der Atkins-Diät die Runde macht und achtzig Prozent der Diät-Bücher in den Buchhandlungen ihn schon seit vielen Jahren propagieren. Parallel dazu haben übrigens Übergewicht und Diabetes epidemische Ausmaße angenommen und Millionen Menschen, die sich auf den Low-Carb-Pfad begaben, konnten damit wohl übergangsweise abnehmen, haben sich aber -wie eine Studie nach der anderen zeigt- damit auch völlig unnötigen Gesundheitsrisiken wie Prä-Diabetes, Fettleber und Arteriosklerose ausgesetzt.

(An dieser Stelle schon der Gratis-Hinweis, den ich weiter unten noch einmal genauer erläutern werde: Mit einer vollwertig pflanzlichen Ernährung ist es sehr einfach möglich, immer satt und dabei schlank und gesund zu bleiben. Aber das geht natürlich mit einem Verzicht auf Eier, Käse und Speck einher - für viele Menschen selbst versuchsweise für einen Zeitraum von drei Wochen eine schlimmere Horror-Vorstellung als die Gefahr eines plötzlichen und tödlichen Herzinfarkts.)

Jetzt aber langsam und von vorne: PURE steht für "Prospective Urban Rural Epidemiology Study", also etwa "Prospektive städtisch-ländliche Bevölkerungsstudie", wobei es sich in der Tat um eine groß und langfristig angelegte Studie mit über 135.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 18 Ländern handelt, die im Durchschnitt 7,4 Jahre dabei waren. (Durchschnitt hier im Sinne eines Medians, d.h. die eine Hälfte war länger, die andere kürzer dabei.) Die Besonderheit dieser Studie besteht darin, dass unter den 18 Ländern, in denen die Daten der Teilnehmer erhoben werden, bewusst auch Entwicklungs- und Schwellenländer eingeschlossen wurden. Die Auswahl der Länder erscheint dann allerdings doch auch schon etwas willkürlich: So sind unter den besonders reichen Ländern z.B. mit Kanada, Schweden und Argentinien hauptsächlich solche, die eine besonders tierproduktlastige Ernährung haben, wohingegen das ebenso reiche Japan mit seinem höheren pflanzlichen Anteil an der Ernährung und seiner besonders hohen Lebenserwartung nicht vertreten ist. Umgekehrt sind unter den besonders armen Ländern wie Tansania, Sudan und Bangladesh vor allen Dingen solche, in denen für eine Mehrheit der Bevölkerung Tierprodukte schlicht außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen und und viele Menschen sich selbst aus dem pflanzlichen Nahrungsmittelangebot wohl nur Produkte der billigsten Sorte wie z.B. weißen Reis oder Produkte mit weißem Mehl und raffiniertem Zucker leisten können. Ziel und Zweck der PURE-Studie ist es auch, Erkenntnisse speziell zur Ernährungssituation in Entwicklungsländern zu sammeln, um daraus Schlüsse für deren Verbesserung ziehen zu können. Grundsätzlich ist an dieser Studie als solcher also nichts verkehrt, auch wenn ein methodisches Manko darin besteht, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils nur einmal ganz am Anfang zu ihrer üblichen Ernährung befragt wurden. Man ging also davon aus, dass sich diese im weiteren Verlauf der vielen Folgejahre nicht ändern würde, was zumindest etwas gewagt aber in der Mehrzahl der Fälle möglicherweise zutreffend ist.

Ganz anders sieht es jedoch mit den Studien aus, die nun Ende August im Lancet veröffentlicht wurden und die aus den Rohdaten der PURE-Studie ihre eigenen, oben schon angedeuteten Schlüsse ziehen, die jedoch glatte Fehlschlüsse sind. Leider ist der Zugang zum vollen Text der Studie nur für über 30 US-Dollar erhältlich, die ich für einen solchen schon von außen erkennbaren Unsinn nicht zu zahlen bereit war. Glücklicherweise konnte ich den Großteil der Inhalte und  Vorgehensweisen dieser Studien einem guten und ausführlichen Artikel von Dr. David L. Katz in der Huffington Post entnehmen. Dr. Katz ist Gründungsdirektor des Yale University Prevention Research Center und Präsident des American College of Lifestyle Medicine. Er hat über 200 wissenschaftliche Artikel und 25 Bücher veröffentlicht. Er weiß also über Ernährung und Medizin bestens bescheid, in offensichtlichem Gegensatz zu den Hauptautoren der nun im Lancet veröffentlichten Studien, von denen der mit dem höchsten wissenschaftlichen Rang ein Hilfsprofessor ("associate professor") ist. Falls hier jemand einwenden möchte, dass Wissenschaft demokratisch ist und mein Hinweis auf die wissenschaftlichen Meriten der jeweiligen Autoren ein Autoritätsargument und als solches ein Fehlschluss ist: Das Autoritätsargument ist als Argument durchaus zulässig, wenn es um eine Sache geht, bei der eine Autorität (hier Dr. Katz) nachweislich eine große und überdurchschnittliche Expertise aufweist.

Zu den in den Lancet-Studien verwendeten statistischen Methoden merkt Dr. Katz richtigerweise an, dass Beobachtungsstudien wie die PURE-Studie im Normalfall dazu dienen, mittels beobachteter Korrelationen, also statistisch auffälliger Zusammenhänge, eine Hypothese über einen kausalen Zusammenhang zu formulieren. Um diese Hypothese dann eingehender zu testen, werden üblicherweise noch Interventionsstudien durchgeführt, bei denen man bei einer Untersuchungsgruppe einen vermuteten kausalen Faktor verändert, während man es bei einer Kontrollgruppe nicht tut. Idealerweise sind solche Studien "doppel-blind", d.h. weder Untersucher noch Untersuchte wissen während der Durchführung der Studie, wer zu welcher Gruppe gehört. Das ist bei Ernährungsstudien natürlich praktisch unmöglich, da eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer an einer solchen Studie ja meistens erkennen kann, was sie oder er als Nahrung aufnimmt. Bei Medikamententests hingegen kann man Versuchspersonen auch Placebos ohne Wirkstoff verabreichen, die von Pillen mit einem Wirkstoff nicht unterscheidbar sind.

Low-Carb- und Paleo-Blogger wischen sehr oft sämtliche Erkenntnisse aus großen Bevölkerungsstudien wie der China-Study, der Adventist Health Study oder der Framingham Heart Study mit dem ebenso bequemen wie dummen Argument beiseite, diese würden ja immer nur Korrelationen und nie eine Kausalität zeigen. Wer dieses Argument schon gebracht hat, darf sich nun folgerichtig auch nicht auf Daten und Ergebnisse der PURE-Studie berufen. Nach diesem Argument hätte auch nie die Schädlichkeit des Rauchens nachgewiesen werden können, da ja auch zwischen Zigarettenkonsum und Lungenkrebs immer nur eine Korrelation gezeigt werden konnte, während man nie zeigen konnte, dass das Rauchen einer bestimmten Zigarette zur Entstehung einer bestimmten Krebszelle führte. Außerdem ignorieren solche Leute schlicht auch die tausenden schon durchgeführten Interventionsstudien, die z.B. einen Zusammenhang zwischen dem Konsum gesättigter Fette und erhöhten Cholesterinwerten ebenso eindeutig nachweisen wie den zwischen erhöhten Cholesterinwerten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall.

Eine der nun im Lancet veröffentlichten Studien zur PURE-Studie beschäftigt sich mit dem Einfluss des Konsums von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten auf die Sterblichkeit. Interessanterweise kommt auch diese Studie zu dem nicht gerade revolutionären Ergebnis, dass Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte allesamt die Sterblichkeit reduzieren. Hier tut sich schon ein erster Widerspruch auf: Der entscheidende Makronährstoff bei Gemüsen, Obst und Hülsenfrüchten sind doch komplexe und einfache Kohlehydrate. Mit der Ausnahme von Avocados sind sie meist auch sehr fettarm. Aber angeblich sollen Kohlehydrate doch gefährlich sein und die Sterblichkeit erhöhen, während ein Mehrkonsum von Fetten sie senken soll. Wie passt das denn zusammen? Nun die Studie rettet sich über diesen Widerspruch hinweg, indem sie darlegt, dass der Vorteil von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten sich nur bei bis zu drei Portionen am Tag zeige, während er darüber hinaus verschwinde. Dies tut er jedoch nur, wenn man mittels eines statistischen Verfahren, der sogenannten Regressionsanalyse, andere vorteilhafte Faktoren wie Nichtrauchen, sportliche Tätigkeit und gutes Einkommen heraus rechnet, die ja ebenfalls allesamt zu einer niedrigeren Sterblichkeit führen. Diese "Adjustierung", also das Herausrechnen von Störfaktoren ist grundsätzlich richtig, allerdings nur, wenn man sie als unabhängig voneinander und von der zu prüfenden Größe annehmen kann. Anderenfalls kann man auch leicht "überadjustieren" und einen vorhandenen Zusammenhang damit unsichtbar machen. Z.B. dürften die Größen Zigarettenkonsum und sportliche Aktivität nicht ganz unabhängig voneinander sein, denn wer raucht, neigt auch schon wegen verschlechterter Atmung zu geringerer Aktivität. Und wer ein höheres Einkommen hat, hat meistens auch einen höheren Bildungsgrad und wird deshalb mehr Sport treiben und mit geringerer Wahrscheinlichkeit rauchen. Nun zeigen die Daten aus der PURE-Studie allesamt, dass die Sterblichkeit mit steigendem Konsum von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten auch über drei Portionen am Tag hinaus abnimmt. Nur nimmt sie eben auch mit steigender sportlicher Aktivität, höherem Einkommen und sinkendem Zigarettenkonsum ab und wenn man diese alle als unabhängig annimmt, was sie wie gesagt nicht sind, und dann heraus rechnet, kann man den Vorteil dieser Lebensmittelgruppen auch bei einer größeren Anzahl an täglichen Portionen abrakadabra zum Verschwinden bringen.

Bei der zweiten nun im Lancet zu den PURE-Daten veröffentlichten Studie wird es nun vollends abstrus. Sie trägt den Titel "Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study", also etwa "Zusammenhänge von Fett- und Kohlehydrataufnahme mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sterblichkeit in 18 Ländern aus fünf Kontinenten". In dieser Veröffentlichung wurden aus den Ernährungsfragebögen die Anteile von Makronährstoffen an der Gesamtkalorienaufnahme ermittelt, wobei Kohlehydrate allesamt zusammen addiert wurden, unabhängig davon, ob sie aus Zucker und Weißmehl oder aus Kartoffeln, Bohnen und Vollgetreide stammten. Bei den Fetten hingegen wurde feinsäuberlich nach einfach und mehrfach ungesättigten wie nach gesättigten Fettsäuren unterschieden. Dabei muss bemerkt werden, dass der Anteil sowohl an der Gesamtfettaufnahme (mit 18 bis 30 Prozent) als auch der an gesättigten Fettsäuren (mit 6 bis 11 Prozent) in den 18 Ländern deutlich unter dem lag, was in den USA und Deutschland üblich ist. Schon von daher können die Daten keinerlei Aussage rechtfertigen, wonach eine weitere Steigerung der Aufnahme von Fetten über die hier schon üblichen Mengen hinaus irgendwelche positiven Effekte hätte.

Der eigentliche Skandal mit diesem Papier besteht nun aber darin, dass die laut Titel geprüften Zusammenhänge der Makronährstoffgruppen mit der Sterblichkeit hier um ganz offensichtlich vorhandene Störfaktoren wie dem sozioökonomischen Status nicht adjustiert wurden. Nun könnte es sein, dass der sozioökonomische Status der Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmer im Fragebogen gar nicht erfasst wurde, dann hätte man aber zumindest die Gesamtkalorienaufnahme berechnen und als unabhängige Störvariable herausrechnen müssen, da sie ein klarer Indikator für Armut oder Reichtum ist. Und Armut oder Reichtum wiederum stehen in den meisten Ländern der Erde in einem klaren Zusammenhang mit dem Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung. Es ist schließlich bekannt, dass Unterernährung, mangelnde Bildung und fehlender Zugang zu medizinischer Versorgung, wie sie viele Menschen in Ländern wie Bangladesh und Sudan betreffen, auch mit Krankheit und frühem Tod einhergehen. In diesen Ländern sterben immer noch große Teile der Menschen an Infektionskrankheiten wie Malaria. Und es ist auch bekannt, dass gesättigte Fette in der Nahrung zum größten Teil aus Tierprodukten stammen und der Anteil an Tierprodukten in der Nahrung wiederum ein Indikator für den sozioökonomischen Status ist, da z.B. ein armer Bangladeshi im Laufe seines Lebens wohl ebenso wenig ein Rindersteak auf dem Teller wie eine Klinik von innen sieht. Wenn ein Mensch im Sudan sich nur mit ein wenig Reis am leben halten kann und dann wegen fehlender Ärzte, Kliniken und Medikamente an Malaria stirbt, soll man dann seinen Tod wirklich auf die bösen Kohlehydrate in seinem Reis schieben? Das ist wirklich absolut lächerlich.

Während man also im ersten Papier überadjustiert hat, um die Vorteile von Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten über drei Portionen am Tag hinaus weg zu "zaubern", hat man hier praktisch die wichtigsten Adjustierungen einfach "vergessen". Und mit diesem völlig verfehlten Ansatz kommt die Studie dann auch zu so scheinbar "überraschenden" Ergebnissen, wie dem, dass ein höherer Anteil von Fetten in der Nahrung mit reduzierter Sterblichkeit einhergehe, während ein höherer Anteil von Kohlehydraten in der Nahrung die Sterblichkeit erhöhe. Es spricht auch Bände, dass dieser vermeintliche Zusammenhang dann nur bei der Gesamtsterblichkeit zu Tage tritt (also bei der, die Infektionskrankheiten und Hungertod einschließt), während er bei der Sterblichkeit aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall selbstverständlich nicht festzustellen war. Wie David L. Katz in seinem Artikel polemisch aber zutreffend fragt: Schützt einen das Essen von gesättigten Fetten davor zu sterben, wenn man von einem Ochsen übertrampelt wird, oder ist es nicht eher so, dass wer gesättigte Fette verzehrt, wohl an einem Ort lebt, wo Ochsen geschlachtet werden, bevor sie einen übertrampeln können und wo man im Falle, dass es doch geschieht, auch in eine Klinik eingeliefert und behandelt werden kann?

Alles, was diese Studie also wirklich belegt, ist laut Katz also Folgendes: "Sehr arme Menschen, die kaum etwas zu essen haben, werden krank und sterben früher als wohlhabendere Menschen, die sowohl Zugang zu reichlicher Nahrung als auch zu Krankenhäusern haben." Und dies wird dann in unseren Medien so umgestrickt, dass die Menschen glauben sollen, es sei gut für sie, noch mehr Speck, Käse und Butter als schon bisher zu essen.

Merkwürdigerweise haben die Studien von Dr. Esselstyn nie für irgendwelche Schlagzeilen gesorgt, wo sie doch eindeutig bewiesen haben, dass man durch den Verzicht auf Tierprodukte (und damit auch auf die in ihnen enthaltenen gesättigten Fette) und extrahierte Pflanzenfette zuverlässig Herzinfarkte ausschließen und Arteriosklerose sogar wieder rückgängig machen kann. Vielleicht weil die meisten Menschen so etwas nicht gerne lesen würden? Dr. Esselstyns Ergebnisse sind so eindeutig und zwingend, dass sie auch durch noch so viele willkürlich manipulierte neue Studien nicht unwahr gemacht werden können. Also für alle, die meinen Blog zum ersten Mal besuchen: Herzinfarkt ist eine unnötige und vermeidbare Krankheit. Sie bekommen keinen Herzinfarkt und keine fortschreitende Arteriosklerose, wenn sie sich vollwertig pflanzlich ernähren und dabei auch auf extrahierte Pflanzenfette verzichten. Ob sie dabei eine Handvoll Nüsse am Tag verzehren und wie hoch dabei der Kohlehydrat- oder Fettanteil der von ihnen aufgenommenen Nahrungsenergie ist, ist unerheblich. Nur diese Art der Ernährung kann nachweislich diese schützende Wirkung entfalten, für keine andere Ernährungsweise, sei es Low-Carb, Atkins, Trennkost, Paleo, Ovo-Lacto-Vegetarisch, Glyx-Diät oder der jeweils neueste Ernährungshype ist ein solcher Effekt nachgewiesen.

Nun zum Schluss noch eine Anmerkung, die diejenigen kaum überraschen dürfte, die schon aus Büchern wie "China Study" von T. Colin Campbell oder Filmen wie "Gabel statt Skalpell" oder dem aktuellen und sehr empfehlenswerten "What the Health" wissen, wie die Lobbys der Pharma- und Lebensmittelindustrien in der Politik mitmischen, um für ihren Profit schädliche Gesetze zu verhindern oder durch von ihnen selbst bezahlte Studien die Ergebnisse öffentlich und unabhängig finanzierter Studien zu relativieren: Auch die hier besprochenen Lancet-Studien zur PURE-Studie wurden von zahlreichen Pharma-Firmen wie Sanofi-Aventis, Astra-Seneca, Boehringer-Ingelheim, Glaxo Smith Kline und Servier durch "unbeschränkte" Zuwendungen mitfinanziert. Diese Firmen verkaufen z.B. Cholesterinsenker, die man mit einer vollwertig pflanzlichen Ernährung überhaupt nicht benötigt, denn alle Interventionsstudien zeigen eindeutig, dass mit dem Verzicht auf tierische Fette auch die Cholesterinwerte sinken. Außerdem verdienen diese Firmen an Blutdrucksenkern und künstlichem Insulin für Diabetiker, die man an vollwertige Pflanzenköstler ebenfalls kaum los wird. (Ausnahme sind natürlich Typ-I-Diabetiker, deren Bauchspeicheldrüse selbst nicht mehr die nötige Menge an Insulin produzieren kann, woran auch eine vegane Ernährung nichts ändern kann.) Aber wir wollen natürlich nicht annehmen, dass die Autoren der Lancet-Studien sich davon beeinflussen ließen, wer ihre "Forschung" bezahlt hat, und dass die hier aufgezeigten methodischen Fehler ihrer Arbeit rein zufällig waren.

Übrigens sind diese Firmen zur Sicherung ihrer Profite nicht darauf angewiesen, seriöse Studien zu verhindern oder zu unterdrücken. Wie auch der Film "What the Health" aufzeigt, reicht es ihnen schon, mit Studien, die scheinbar das Gegenteil der seriösen Studien belegen, Verwirrung und Zweifel zu säen. Sie können sich dann auf die Bequemlichkeit und die Liebe zur Gewohnheit der Verbraucherinnen und Verbraucher verlassen. Die nehmen natürlich die folgende Botschaft mit: "Die einen sagen, dass gesättigte Fette schlecht für mich sind, die anderen sagen, dass sie gut für mich sind. Also esse ich doch einfach weiter, was mir schmeckt." Dabei können sie dann sogar noch auf die Mithilfe der jeweiligen nationalen Herz-, Krebs- und Diabetesverbände rechnen, die sie mit einem Teil ihrer Profite natürlich auch großzügig unterstützen und die sich dann meist an dem unwürdigen Spiel zum Schaden der betroffenen Patientinnen und Patienten beteiligen.

Mittwoch, 30. August 2017

Brokkolicremesuppe

Vor ein paar Monaten habe ich ja schon mal einen Post zum Wunderstoff Sulforaphan verfasst, den man sich über sämtliches Kreuzblütlergemüse zuführen kann. Was gibt es also Besseres, als eine köstliche Suppe, mit der man sein Kreuzblütlergemüse einfach so weglöffeln kann? Alle Gäste, denen ich diese Suppe serviert habe, waren davon absolut angetan. Und dabei ist sie noch so einfach zuzubereiten.

Zutaten:
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 Zwiebel
  • 1 mittelgroßer Brokkolikopf
  • 1-2 Esslöffel Erdnussmus
  • Salz und Pfeffer
Zubereitung:

Den Brokkoli-Kopf in kleine Stückchen hacken. (Der Stamm kann mitverwendet werden, wenn man seinen harten Rand abschneidet.) Wenn man der Sulforaphan-Bildung Vorschub leisten möchte, kann man den gehackten Brokkoli nun erst mal 40 Minuten stehen lassen.

Nun auch noch Knoblauch und Zwiebel in kleinere Stücke schneiden oder hacken. Alles mit 1 Liter Wasser in einen Topf geben und bei großer Hitze zum Kochen bringen. Hitze reduzieren und alles etwa 10 Minuten köcheln lassen. Nun das Gemüse zum ersten Mal mit dem Pürierstab im Wasser zerkleinern. Alles nocheinmal 10 Minuten köcheln lassen. Jetzt das Erdnussmus hinzugeben und ein zweites Mal alles mit dem Pürierstab durchpürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken - fertig.

Tipp: Eine weitere Strategie, für den Körper das maximale an Sulforaphan aus diesem Essen zu holen, besteht darin, die Suppe vor dem Servieren mit frischen Brokkolisprossen zu garnieren.

Montag, 31. Juli 2017

Luftig-Lockerer veganer Tortenboden ohne Öl


Dieses Rezept habe ich richtiggehend ausgetüftelt, in dem ich mir verschiedene Rezepte für vegane Tortenböden aus dem Internet gesucht habe, und dann geschaut habe, wodurch sich die in den Rezepten enthaltenen extrahierten Fette (also Pflanzenöle oder vegane Margarine) ersetzen ließen. Die Rettung kam in Form von Mandelmus, welches zwar auch extrem fetthaltig ist und sicher nicht jeden Tag konsumiert werden sollte, welches aber eben aus ganzen Mandeln besteht und insofern noch die Ballaststoffe enthält, die einem Anstieg der Cholesterinwerte entgegen wirken. Dr. Greger zitiert auf nutritionfacts.org verschiedene Studien, die insgesamt dafür sprechen, Nüsse, Mandeln und Erdnüsse in die tägliche Ernährung aufzunehmen. Auch dies sicher am besten in Form der ganzen Kerne und nicht als Mus, aber für den einen oder anderen sonntäglichen Kaffeetisch muss auch mal eine Ausnahme möglich sein. Die wird hier auch für den verwendeten Zuckerrübensirup gemacht, der natürlich auch nicht direkt unter die Kategorie "vollwertig pflanzlich und damit gesundheitsförderlich" fällt. Übrigens ist Zuckerrübensirup fast immer eine günstige und regionale Alternative zu Ahornsirup, der so oft in veganen Rezepten aus dem Nordamerikanischen vorkommt. Der Geschmack ist sicher nicht ganz der gleiche, aber eben auch besonders und leicht malzig.

Geschmacklich schlägt dieser Tortenboden die kommerziellen und nicht-veganen Varianten bei Weitem.

Hier jetzt aber das Rezept:

Zutaten:
  • 130 g Zuckerrübensirup
  • 80 g Apfelmark
  • 2 EL Mandelmus (günstigere Alternative: Erdnussmus)
  • 2TL (Apfel-)essig
  • 1/8 l Sprudelwasser
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 200 g Vollkornmehl (Weizen oder Dinkel)
  • 40 g Kartoffelmehl oder Speisestärke aus Mais
  • 2 TL Backnatron
Zubereitung:
Zuerst eine beschichtete Tortenbodenform mit etwas Öl (z.B. Haselnussöl) einfetten und diese zur Seite stellen. Das Öl dient hier nicht als Zutat, sondern als Hilfsmittel, damit sich der Boden später aus der Form löst. Damit wirklich nur ein minimaler Ölfilm auf der Form bleibt, kann man diese nach dem Einfetten noch mit Küchenpapier auswischen. Alternativ könnte man auch eine Silikonform für den Tortenboden verwenden.

Den Zuckerrübensirup, das Apfelmark, das Mandelmus und den Apfelessig in einer schmalen Schüssel mit einem Löffel miteinander verrühren. Danach noch vorsichtig das Sprudelwasser einrühren. (Es soll noch etwas von der Kohlensäure in der Flüssigkeit und damit im Teig verbleiben.)

In einer größeren Schüssel das Mehl, das Kartoffelmehl (alternativ die Maisstärke), das Backnatron und den Vanillezucker miteinander verrühren.

Nun das flüssige Gemisch über das trockene geben und alles mit einem Löffel zu einem halbflüssigen Teig verrühren.

Den Teig in die Tortenbodenform gießen und mit einem Backspatel so ausstreichen, dass die Form gleichmäßig gefüllt ist. Die Form bei 180 Grad Celsius (für Umluft, ansonsten vielleicht 200 Grad Celsius) in den Ofen stellen und den Teig etwa 25 Minuten backen lassen. (Vor dem Herausnehmen den Stäbchentest machen.)

Nach dem Herausnehmen mindestens 30 Minuten auskühlen lassen, die Form dann auf einer Platte stürzen und so den Tortenboden herauslösen.

Anschließend kann der Tortenboden nach Belieben mit Obst und (veganem) Tortenguss belegt bzw. gefüllt werden. 

Sonntag, 9. Juli 2017

Kein Öl! Auch kein Kokosöl!

Kokosöl und Kokosfett sind Beispiele für Trendnahrungsmittel, deren gesundheitsschädliche Wirkungen alles andere als "trendy" sind. Als rein pflanzliches (aber eben nicht vollwertiges) Nahrungsmittel führt es auch Veganerinnen und Veganer auf Abwege, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.

Die Sucht nach Fett scheint bei vielen Menschen so groß zu sein, das sie zu immer neuen Formen von extrahierten und konzentrierten Fetten greifen, die nun aber wirklich gesund sein sollen. Der neueste Hype dabei ist Kokosfett, das sich in seinen Koch- und Backeigenschaften wie Butter verhält, aber im Gegensatz zu dieser rein pflanzlich ist. Auch steuert es einen Eigengeschmack bei, der für süßes Backwerk besser passt als z.B. der von Olivenöl. Damit ist es natürlich gerade für vegan lebende Menschen äußerst verführerisch. Leider kann es aber ebenso wie alle anderen extrahierten Öle und Fette die möglichen gesundheitlichen Vorteile einer pflanzlichen Ernährungsweise zunichte machen.

Wer Dr. Esselstyns Studien, sein Buch "Essen gegen Herzinfarkt" (original "Prevent and Reverse Heart Disease") oder meine Berichte (z.B. hier, hier und hier) darüber kennt, wusste ja schon, dass es keine gesundheitsförderlichen extrahierten Öle oder Fette gibt, und dass man sich nur mit dem Verzicht auf sie (und auf Tierprodukte) statistisch sicher vor Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall schützen kann. Seinen Bedarf an den essenziellen Omega-3-Fettsäuren kann man mit vollwertig pflanzlichen Lebensmitteln wie geschroteten Leinsamen, Chiasamen, Hanfsamen oder Walnüssen wunderbar abdecken ohne damit seine Arterien zu beschädigen und die ebenfalls essenziellen Omega-6-Fettsäuren bekommt man über Vollgetreide- und Sojaprodukte ohnehin in ausreichendem Maße. Wer sich ein paar Wochen vollwertig pflanzlich ohne extrahierte Öle und Fette ernährt, wird zudem merken, dass die "Fettsucht" verschwindet und man im Gegenteil bald einen Widerwillen gegen alles Fetttriefende entwickelt. In dem Sinne musste Dr. Esselstyn schon gegen den ungerechtfertigt guten Ruf von Olivenöl anschreiben und -sprechen, das zwar weniger gesundheitsschädlich als Butter mit ihren gesättigten Fettsäuren ist, aber damit natürlich noch lange nicht gesundheitsförderlich.

Gibt man aber der Sucht zu Fettigem nach und greift nun neuerdings zum angeblichen Superfood Kokosöl, treibt man allen Wunderberichten zum Trotz den Teufel mit dem Beelzebub aus. Dies hat jetzt auch ein Artikel der American Heart Association noch einmal klar gestellt. Auch Dr. Greger zitiert bei Nutrition Facts eine Interventionsstudie, welche zeigt, dass Kokosöl und Butter zu gleich hohen Cholesterinwerten führen. In einem anderen Video zeigt er, dass die Lebensmittelindustrie bei Kokosfett ähnliche Strategien zur Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher wie bei Fleisch verwendet, um die mit den entsprechenden Produkten verbundenen Gesundheitsrisiken herunterzuspielen:


Was von den ganzen angeblich durch Studien belegten Wunderwirkungen von Kokosöl und Kokosfett gegen Demenz und Karies und Sonstiges zu halten ist, hat übrigens die Verbaucherzentrale Hamburg in einem schönen Online-Artikel zusammengefasst.

Der Grund für die schädliche Wirkung von Kokosfett auf Cholesterinwerte und Arterien ist natürlich ganz einfach: Kokosfett hat einen sogar noch höheren Anteil an arterienschädlichen gesättigten Fettsäuren als Butter. Nun gibt es ja auch noch immer Zeitgenossinen und -genossen, die den Zusammenhang zwischen gesättigten Fetten einerseits und hohem Cholesterin und Herzkrankheiten andererseits bestreiten, entweder weil sie damit Bücher verkaufen können, dass sie den Menschen Gutes über ihre schlechten Gewohnheiten erzählen, oder weil sie eben Gutes über ihre schlechten Gewohnheiten erfahren und glauben wollen. Das ist sozusagen die medizinische und ernährungswissenschaftliche Entsprechung zu den Klima-"Experten" und ihrem Publikum, die einen Zusammenhang zwischen menschengemachtem CO2 und globaler Erwärmung bestreiten. In einem weiteren Video zeigt Dr. Greger auf, wie dabei die wissenschaftliche Methode missbraucht wird, um Zweifel bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu säen und sie davon abzuhalten, für sie schädliche Produkte zu vermeiden. Für die, die des Englischen nicht so mächtig sind, stelle ich die wichtigsten von Dr. Greger geschilderten Sachverhalte in den nachfolgenden Abschnitten noch einmal auf Deutsch und in meinen Worten dar.

Gerade Low-Carb- und Paleo-Anhänger berufen sich immer wieder gerne auf eine Meta-Studie von 2010 durch Siri-Tarino, Sun, Hu und Krauss im American Journal of Clinical Nutrition, die mehrere Bevölkerungsstudien zusammenfasst, und zu dem Ergebnis kommt, dass in diesen kein Zusammenhang (der in Statistik-Chinesisch als "statistisch signifikante Korrelation" bezeichnet wird) zwischen der Nahrungsaufnahme von gesättigten Fetten einerseits und Cholesterinwerten andererseits besteht. Wie kann das sein? Seit Jahrzehnten wurden hunderte von kontrollierten Interventionsstudien veröffentlicht, die zeigen, dass der Cholesterinspiegel jedes Menschen innerhalb von Wochen steigt, wenn man ihm mehr gesättigte Fette zu essen gibt, und dass er innerhalb von Wochen wieder sinkt, wenn man die gesättigten Fette in seinem Essen wieder reduziert. Es gibt dafür sogar eine Formel, die Hegstedt-Gleichung, mit der die Änderung im Serum-Cholesterin aus der Änderung der gegessenen gesättigten Fette berechnet werden kann. Wer ein Cholesterinmessgerät bei sich zu Hause hat, kann es an sich selbst ausprobieren. Außerdem gibt es weitere hunderte kontrollierte Interventionsstudien, die ebenso zeigen, dass mit dem Cholesterinspiegel auch das Herzinfarktrisiko von Patienten sinkt, wenn sie die gesättigten Fette in ihrem Essen reduzieren.

Und nun kommt eine Studie, sogar eine Meta-Studie, also eine Studie, die viele andere Studien zusammenfasst, und widerlegt die Ergebnisse von Hunderten über mehrere Jahrzehnte durchgeführten Studien, die klar einen Zusammenhang zwischen gesättigten Fetten und Herzinfarktrisiko aufzeigten?

Natürlich nicht. Die Meta-Studie von Siri-Tarino, Sun, Hu und Krauss wurde einfach bewusst von Anfang an so entworfen, dass schlicht kein Zusammenhang festgestellt werden konnte. Gerade Bevölkerungsstudien innerhalb von Bevölkerungsgruppen mit relativ homogenen Essgewohnheiten sind nämlich nicht geeignet, diesen Zusammenhang aufzuzeigen. Das liegt daran, dass die Schwankungsbreite der Cholesterinwerte (in Statistik-Chinesisch die Varianz) innerhalb solcher Bevölkerungsgruppen genetisch bedingt recht groß ist. Auch zwei Menschen, die das vollkommen Gleiche essen, können durch ihre verschiedenen Anlagen völlig verschiedene Cholesterinwerte haben. Die Änderungen in den Cholesterinwerten, wenn sie mehr oder weniger gesättigte Fette essen, sind im Vergleich zu den Unterschieden zwischen den einzelnen Menschen eher gering. Die hohe Varianz bei den absoluten Cholesterinwerten erzeugt also ein "Grundrauschen", in dem die individuellen Änderungen in Abhängigkeit vom Konsum gesättigter Fette untergehen. In Statistik-Chinesisch sagt man, dass Bevölkerungsstudien nicht die statistische "Power" haben, um diesen Zusammenhang zu belegen. Ein guter Wissenschaftler weiß also von vorneherein, dass hier schon rein mathematisch nichts zu holen ist.

In dem Zusammenhang ist es sicher interessant zu wissen, dass der Co-Autor Dr. Robert M. Krauss für seine Forschungen großzügig mit Geldern des National Dairy Councils, also dem amerikanischen Milchverband, sowie der National Cattlemen's Beef Association, also dem amerikanischen Rinderzuchtverband unterstützt wird. Die Autoren der Meta-Studie haben nicht im technischen Sinne gelogen. Sie haben lediglich genau die Art von Studien, die keinen Beleg für die Schädlichkeit gesättigter Fette finden konnte, zu einer Meta-Studie zusammengefasst, aus der sich dann logischerweise ergab, dass sich kein Beleg für die Schädlichkeit gesättigter Fette finden ließ.

Nach der gleichen problematischen Methode wurde dann 2014 im Journal Annals of Internal Medicine noch einmal mit einer weiteren Meta-Studie nachgelegt, wobei hier als Autor Dr. R. Chowdhury und als ein Co-Autor Dr. Dariush Mozaffarian firmieren. Diese Studie wurde wegen ihrer methodischen Mängel von der Fachwelt zerrissen bis hin zu Forderungen, das Magazin möge sie widerrufen. Von Dr. McDougall gibt es übrigens einen eigenen Artikel, der die methodischen Fehler beider Studien heraus arbeitet.

Letztlich geht es der Nahrungsmittelindustrie darum, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu verwirren. Bei ihnen bleibt hängen, dass es zu allen Studien ja auch Gegenstudien gibt und sie entscheiden sich dann einfach für das Produkt, das ihnen schmeckt und von dem sie glauben können, dass es ihnen nicht schadet, auch wenn es das objektiv tut. Dr. Greger vergleicht dies zum Schluss seines Videos mit der früheren Strategie der Tabakindustrie, die sich ebenfalls ihre Studien kaufte und intern den Zweifel als ihr eigentliches Produkt bezeichnete.

Nun, wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, nun auch zweifeln, ob man denn dem Autor dieses Blogs etwas glauben soll, obwohl anerkannte Wissenschaftler etwas anderes sagen, verweise ich einfach zum wiederholten Mal auf die jüngste Studie von Dr. Esselstyn, die zweifelsfrei zeigt, dass ein Verzicht auf Tierprodukte und extrahierte Pflanzenfette und Öle Sie vor einem Herzinfarkt und vermutlich auch vor ischämischen Schlaganfall schützen kann. So kann man sich alle Streitereien, welche Art von Fett denn nun die beste oder die schädlichste ist, einfach sparen. Machen Sie wie inzwischen mehrere Menschen aus meinem Kollegen- und Bekanntenkreis (z.B. J. Bemmé) einfach den Selbsttest: Gehen Sie in eine Apotheke oder zum Arzt und lassen Sie Ihren Cholesterinwert bestimmen. Nun ernähren Sie sich drei Wochen lang vollwertig pflanzlich und ohne extrahierte Öle und Fette. Anregungen und Rezepte dazu finden Sie hier auf meinem Blog oder auch inzwischen in mehreren auf deutsch erschienenen Kochbüchern, wie z.B. "Essen was das Herz begehrt" der Familie Esselstyn. (Wenn Ihnen das zu kompliziert ist, essen Sie einfach drei Wochen lang nur Haferbrei mit frisch geschroteten Leinsamen zum Frühstück, sowie gegarte Kartoffeln, gegarten Reis und gegarte Bohnen -je nach Bedarf mit etwas Ketchup- zum Mittag- und Abendessen. Etwas buntes Gemüse sollte auch dabei sein.) Nach diesen drei Wochen gehen Sie wieder in die Apotheke und lassen erneut ihren Cholesterinwert bestimmen. Vermutlich werden Sie ebenso wie in allen mir bisher persönlich bekannten Fällen nicht nur einen deutlich gesunkenen Cholesterinwert aufweisen, nach Dr. Esselstyn können Sie sich auch daran erfreuen, nun gegen die Todesursache Nummer Eins, nämlich koronare Herzerkrankungen, immun zu sein. Herzlichen Glückwunsch! Übrigens freue ich mich jederzeit über Erfahrungsberichte egal welchen Ausgangs.

Dienstag, 4. Juli 2017

Marokkanisch gewürztes Graupenrisotto

Marokkanisch gewürzte Perlgraupen
Wer Graupen nur als glitschige Einlage in Suppen kennt, sollte unbedingt mal Graupen als Alternative zu Reis probieren. Was sind Graupen eigentlich? Es sind polierte Gerstenkörner. Da beim Polieren wie bei weißem Reis die Schale der Körner entfernt wird, und da damit natürlich auch die in der Schale enthaltenen Vitamine, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffe (auch als Phytamine bezeichnet) verloren gehen, sind sie auch nicht im eigentlichen Sinne vollwertig. Trotzdem kommen sie praktisch auf die gleiche Dichte an diesen Mikronährstoffen wie Natur- also unpolierter Reis. Ihr hoher Stärkegehalt macht sie ähnlich cremig wie Rundkornreis.

In diesem Rezept werden die Perlgraupen marrokanisch gewürzt, wobei ich eine als "Ras-el-Hanout" bezeichnete Gewürzmischung verwende. Da "Ras-el-Hanout" eigentlich nur arabisch für "Kopf des Hauses" ist, also sozusagen die Mischung des Hauses bezeichnet, gibt es ebensowenig das Ras-el-Hanout wie es das Curry-Gewürzpulver gibt. Meine Mischung besteht aus Kurkuma, Koriander, Piment, Zimt, Chillies, Pfeffer, Kardamom, Ingwer, Kreuzkümmel, Fenchel, Muskat, Sternanis, Orangenschalen, Bockshornkleesaat und Lorbeerblättern.

Das besondere Extra gibt hier ein bisschen Safran. Eine Studie mit Demenzpatienten legt nahe, dass Safran in der Lage ist, den kognitiven Abbau bei Alzheimer-Demenz zumindest über einen kurzen Zeitraum zu stoppen. Diese Studie ist zugegebenermaßem mit Vorsicht zu genießen: Sie wurde ausgerechnet von Forschern des Landes veröffentlicht, welches der mit Abstand größte Exporteur von Safran ist: der Iran. Außerdem war die Studiengruppe mit 64 Probanden sehr klein und der Untersuchungszeitraum mit 16 Wochen für eine langsam fortschreitende chronische Erkrankung wie die Alzheimer-Demenz ziemlich kurz. In jedem Fall ist Safran nicht schädlich und gibt diesem Gericht wie auch allen Reisgerichten eine besondere Geschmacksnote. 

Aber genug der Vorrede, hier nun endlich das Rezept:

Zutaten:
  • 1,5 Tassen mittelgroße Perlgraupen
  • 0,75 Liter Gemüsebrühe ohne extrahierte Fette oder Wasser
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Knoblauchzehe
  • 3 mittelgroße Karotten
  • 3 Stangen Sellerie
  • 250 g weiße Bohnen aus Glas, Dose oder aufgetaut
  • 1 EL Ras-El-Hanout Gewürzmischung (alternativ: Curry-Gewürzpulver)
  • 1 TL geriebene Zitronenschale (nur von ungespritzten Zitronen, z.B. Bio-Zitronen)
  • 3-4 Safranfäden (optional)
  • 1 Bund Koriander oder Petersilie
  • Salz und Pfeffer
Zubereitung:
Die Zwiebeln und den Knoblauch in kleine Stücke hacken und in einem mittelgroßen Topf in wenig Wasser andünsten, bis die Zwiebeln glasig sind. Nach Bedarf immer ein bisschen Wasser nachgießen. Die Karotten und den Sellerie in kleine Stücke schneiden. Brühe bzw. Wassser, Graupen, Karottenstücke, Selleriestücke, Zitronenschale und Ras-El-Hanout-Gewürzmischung ebenfalls in den Topf geben und alles bei höchster Stufe zum Kochen bringen. Hitze auf Mittel stellen und das Ganze für etwa 15 Minuten köcheln lassen. Hitze auf Pünktchen stellen und nochmal 10 Minuten ausquellen lassen. Dabei gelegentlich umrühren und bei Bedarf etwas Wasser nachgießen. Dann Hitze abstellen.
Zum Schluss Koriander und Petersilie hacken und Safranfäden zermörsern oder mit den Fingern zerreiben. Beides gemeinsam mit den Bohnen unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und servieren.

Tipp: Dazu passt gut noch ein grünes Gemüse wie z.B. dampfgegarter Brokkoli.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Absolute Channel-Empfehlung: "Vegan ist ungesund"

Aus mir selbst wirklich vollkommen unerfindlichen Gründen bin ich erst vor zwei Tagen auf einen deutschsprachigen YouTube-Kanal gestoßen, den es mindestens schon seit 8 Monaten gibt, und den aus meiner Sicht alle deutschsprachigen Veganerinnen und Veganer sowie Vegan-Interessierte kennen sollten, weil er einfach sagenhaft unterhaltsam ist und zudem gerade für Neulinge auf dem Gebiet "dieses Veganismus" auch noch viele nützliche Informationen liefert. Er nennt sich paradoxerweise "Vegan ist ungesund" und hat schon über 15.000 Abonnenten. Die beiden Macher stellen sich als Gordon und Aljosha vor, wobei wir über Aljosha auch noch erfahren, dass er Mediziner ist.

Möglicherweise ist mir dieser Kanal deshalb so lange entgangen, weil ich normalerweise YouTube-Kanäle schaue, die sich mit veganer und ölfreier Ernährung befassen, von denen die meisten auf Englisch sind. (Hier möchte ich vor allem "Mic. the Vegan" hervorheben, dessen Videos zwar nicht ganz so lustig wie die von Gordon und Aljosha sind, dafür aber noch etwas tiefer in die wissenschaftlichen Details und Hintergründe gehen. Auch recht sympathisch sind Anji und Ryan von "Happy Healthy Vegan".)

Aber zurück zu Gordon und Aljosha von "Vegan ist ungesund": Die meisten Videos der beiden zeichnen sich dadurch aus, dass sie von zahlreichen kurzen Einspielszenen aus Fernsehen und Internet durchsetzt sind, also das gleiche Konzept wie Stefan Raab in "TV Total" benutzen, dieses aber in Frequenz und Abwechslung sogar noch etwas toppen. Ganz oft beschäftigen sie sich mit den üblichen Scheinargumenten gegen eine vegane Ernährung (daher wohl auch der Name des Kanals), so dass "Vegan-Anfänger" auch noch einige Argumentationshilfen erhalten, wenn ihnen im Familien- oder Freundeskreis die üblichen karnistischen Vorurteile begegnen oder entgegen gehalten werden.

Exemplarisch verlinke ich hier mal die Folge "Vegan ist unmännlich" zum Selberschauen:


Ich bin übrigens selten auf einen YouTube-Kanal zum Thema Veganismus gestoßen, bei dem die Kommentare zu einem so großen Anteil so positiv sind. Offenbar gibt es eine richtig große Fan-Gemeinde, denen ein Video pro Woche noch zu wenig ist. Geht man also davon aus, dass nicht nur Veganerinnen und Veganer die Videos von Gordon und Aljosha ansehen und sie vielleicht aufgrund des irreführenden Kanal-Namens sogar überdurchschnittlich oft von Nutzerinnen und Nutzern gefunden werden, die Argumente gegen eine vegane Ernährung suchen, scheinen sie so ziemlich genau den richtigen Ton zu treffen, der weder die einen noch die anderen vor den Kopf stößt oder zu Troll-Kommentaren verleitet.

Bei den Koch-Videos würde ich persönlich die Rezepte, die mit extrahierten Ölen und Fetten arbeiten, natürlich wenn möglich noch in Richtung ölfrei modifizieren oder anderenfalls eben nicht nachkochen. So verwenden sie bei ihrem "Chili sin Carne" zum Dünsten von Zwiebeln und Knoblauch ausgerechnet Kokosöl, das noch einen höheren Anteil der arterienschädigenden gesättigten Fette hat als Butter. (Dazu werde ich in Kürze auch noch einen Beitrag schreiben.) Da wäre also selbst die Verwendung von Olivenöl noch die bessere Variante. Wer meinen Blog kennt, weiß natürlich dass auch das nicht zu empfehlen ist und sich Zwiebeln und Knoblauch auch wunderbar in Wasser dünsten lassen.

Aber abgesehen davon: beide Daumen hoch und absolute Empfehlung!

Nachtrag 2.7.2017: Inzwischen bin ich noch auf ein anderes Video gestoßen, das aus veganer Sicht mehrere Aussagen insbesondere aus den ersten Videos von "Vegan ist ungesund" unter die Lupe nimmt und dabei einige Fälle benennt, in denen Gordon und Aljosha in ihrer Argumentation etwas daneben lagen oder bestimmte Zahlen nicht im korrekten Zusammenhang präsentierten. Es geht dabei um so Dinge, wie dass Bakterien im Verdauungstrakt von Rindern in der Tierhaltung auch ohne Supplementierung B12 bilden, oder dass Zahlen die zum Wasserverbrauch oder zur durch die Tierhaltung verschwendeten Nahrungsenergie genannt werden, nur in Bezug auf einzelne Bereiche davon gelten, also z.B. nur für die Rinderzucht oder nur für die Tierhaltung insgesamt und nicht ausschließlich für die Massentierhaltung. Das Video zeigt auch auf, warum der von Aljosha und Gordon benannte Zusammenhang zwischen Fischkonsum und Schlaganfällen so nicht belegt ist, dass Gorillas auch Insekten und damit nicht rein pflanzlich essen und dass der Konsum von Kuhmilch nicht zum Abbau von Kalzium aus den Knochen führt. (Was jedoch nichts daran ändert, dass viele Bevölkerungsstudien einen signifikanten Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Osteoporoserisiko aufzeigen, was wohl an anderen Faktoren als Kalziumentzug aus den Knochen liegt.)

Dann zeigt es noch ein fiktives und absolut unrealistisches Beispiel, nach dem die Hälfte aller Zuchttiere auf nicht für den Gemüseanbau geeigneten Weideflächen stünde, wobei dann die Aussage fraglich würde, dass die Tierprodukteindustrie eine große Verschwendungsmaschinerie von Nahrungsenergie darstellt. Nur lässt dieses Beispiel eben völlig außer acht, dass selbst wenn man die in Wahrheit sehr wenigen Flächen dieser Art von Tieren beweiden lassen würde, man damit in einem beliebigen Zeitraum nur einen winzigen Bruchteil der Menge an Fleisch und Milch produzieren könnte, die im selben Zeitraum heutzutage schon konsumiert wird. Es müssten also wahrscheinlich erst einmal mindestens achtzig Prozent der heutigen Tierverbraucher vegan werden, ehe die Nachfrage nach Tierprodukten so stark zurück ginge, dass diese Art der Produktion betroffen wäre und das Argument damit überhaupt erst zu ziehen anfinge. Und davon sind wir dem Anschein nach ja noch Jahrzehnte entfernt.

All die genannten und zum Teil berechtigten Kritikpunkte ändern aber  natürlich nichts an den richtigen Grundaussagen bei "Vegan ist ungesund", dass die Tierprodukteindustrie insgesamt eine unglaubliche Ressourcenverschwendung bedeutet und der Umwelt großen Schaden zufügt und dass praktisch mit jeder einschlägigen Studie der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Tierprodukten und den Epidemien chronischer Wohlstandskrankheiten klarer und eindeutiger zutage tritt. Dazu muss man sich nur ein paar der aktuellen Videos von Dr. Michael Greger auf dessen Portal Nutrition-Facts ansehen, welches ja auch von dem Kritikvideo zu "Vegan ist ungesund" zitiert wird.

Insofern ist es aus meiner Sicht fraglich, ob sich Gordon und Aljosha von "Vegan ist ungesund" mit den kritisierten Unkorrektheiten wirklich so angreifbar machen, wie es im Kritikvideo befürchtet wird. Vegan-Gegner, die sich so genau mit Detail-Fragen beschäftigen, dass sie zu denselben Kritikpunkten gelangen, könnte man sich ja nur wünschen. Die übliche Kritik an veganer Ernährung besteht ja normalerweise aus den üblichen Vor- und Fehlurteilen wie "Für das Soja der Veganer wird der Regenwald gerodet" (gerade erst wieder an der Supermarktkasse gehört) oder "Der Mensch benötigt tierische Proteine" oder "Der Mensch braucht Milchprodukte für die Knochen". Und selbst wenn man alle genannten Kritikpunkte eingesteht, bleibt eben auch aus ökologischer und gesundheitlich-medizinischer Perspektive immer noch eine beeindruckende Vielzahl an Argumenten, die für eine tierproduktfreie Ernährungs- und Lebensweise sprechen.

Wer mag, kann sich hier das Kritikvideo ansehen und so selbst ein Urteil bilden:


Mittwoch, 31. Mai 2017

Rezension: "Krebszellen mögen keine Himbeeren"

Buchcover: Krebszellen mögen keine Himbeeren
Jetzt sind seit meinem letzten Blog-Beitrag doch schon wieder über zwei Monate vergangen - soviel zu den guten Vorsätzen. Immerhin habe ich die Zeit außer für einen Irland-Urlaub und noch vieles andere auch dazu genutzt, dass Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren" der französischen Onkologen Richard Béliveau und Denis Gingras zu lesen. Und dies obwohl es vordergründig erst einmal gar nichts mit Veganismus oder veganer Ernährung zu tun hat: beim Durchblättern kann man auch auf eine Abbildung von verzehrfertigem toten Fisch stoßen.

Dennoch ist das Buch auch für Veganerinnen und Veganer absolut empfehlenswert, zumal der Fisch hier nur exemplarisch als ein Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren angeführt wird, aber die pflanzlichen Lieferanten wie Leinsamen und Walnüsse ebenso erwähnt werden.

Interessant war die Lektüre für mich auch durch den Vergleich mit Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die": Wie stark würden sich die Inhalte decken? Die Antwort: Sie decken sich erstaunlich stark. In beiden Büchern werden oft die selben Studien zitiert. So wird auch in "Krebszellen mögen keine Himbeeren" die besondere Rolle von Kreuzblütlergemüse in der Vorbeugung gegen Krebs dargestellt und dabei ebenso die besondere Rolle des Sulforaphan herausgestrichen. Ein klares Indiz, dass die Autoren in beiden Fällen nicht im Auftrag einer dunklen Gemüselobby unterwegs sind (die es -leider- sowieso nicht gibt), sondern schlicht und einfach den aktuellen Forschungsstand darlegen.

Doch von Anfang an: Bei "Krebszellen mögen keine Himbeeren" geht es, wie der Titel schon andeutet, vor allem um Krebs und Krebsprävention. Das Buch gliedert sich in drei Teile. Schon der erste Teil bietet einige für medizinische Laien überraschende Einsichten. In ihm wird nämlich dargelegt, was Krebs ist, warum und wie er entsteht und welche Rolle die Ernährung dabei spielen kann, seine Entstehung zu verhindern. Die Autoren erklären die Entstehung von Krebszellen sozusagen als einen Rückfall einzelner Zellen in den "Einzellermodus", in dem sie nicht mehr mit den anderen Körperzellen kooperieren und wieder nur ihre eigene Vermehrung betreiben. Dazu schalten sie unter anderem ihr "Selbstmordprogramm" ab und reagieren nicht mehr auf entsprechende Signale anderer Körperzellen. Und sie koppeln sich zur Nährstoffversorgung mittels "Angiogenese" an den körpereigenen Blutkreislauf an.

Ebenfalls erwähnenswert und sicher nicht im allgemeinen Bewusstsein verankert ist die Tatsache, dass jeder Mensch zu jeder Zeit immer solche amoklaufenden Zellen in seinem Körper hat. Wahrscheinlich tragen sogar alle Menschen ab einem bestimmten Alter auch immer ein paar Mikrotumoren in ihrem Körper, weshalb Béliveau und Gingras den Krebs auch als chronische Krankheit einstufen.

Schließlich stellen die Autoren heraus, welche große Rolle Lebensstilfaktoren dafür spielen, ob sich aus ein paar Krebszellen oder Mikrotumoren schließlich eine akute und lebensbedrohende Krebserkrankung entwickeln kann. Natürlich ist das Rauchen ein solcher Lebensstilfaktor, der das persönliche Krebsrisiko entscheidend beeinflusst. Ebenso wichtig ist aber die Ernährung, denn viele Lebensmittel enthalten Stoffe, die in den verschiedensten Stadien der Krebsentstehung dazwischen funken und so das Fortschreiten entscheidend behindern können. Viele dieser Stoffe sind aber nur in bestimmten Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen enthalten, so dass man sich selbst entscheidender Schutzmaßnahmen beraubt, wenn man solche Lebensmittel wie Kreuzblütlergemüse (also vor allem Kohl und Rettich), Knoblauch oder Beeren zu selten auf seinem Speiseplan hat.

Sowohl zur Vorbeugung als auch bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung empfiehlt sich also der regelmäßige Konsum dieser Lebensmittel. Die Autoren sind jedoch ernstzunehmende Onkologen, keine Quacksalber, weshalb sie die sogenannte Nutratherapie als Ergänzung zu den konventionellen Therapien wie Chemotherapie und Bestrahlung vorschlagen, nicht als ihren Ersatz.

Im zweiten Teil des Buches stellen die Autoren dann in den einzelnen Kapiteln die einzelnen Lebensmittel und Lebensmittelgruppen vor, für die eine Verminderung der Risikos einer Krebserkrankung oder eines Rückfalls entweder schon in Studien sicher belegt ist, oder für die erste Ergebnisse eine solche Wirkung vermuten lassen. Was die Veganerinnen und Veganer unter uns nicht überraschen wird: Bis auf die erwähnte Gruppe der Omega-3-Lieferanten, die sowohl tierische als auch pflanzliche Lebensmittel umfasst, sind alle anderen Lebensmittel pflanzlicher Natur: Kohl, Knoblauch und Zwiebeln, Soja, Kurkuma, grüner Tee, Beeren, Tomaten, Zitrusfrüchte, Rotwein und Kakao. Das etwas aus der Reihe fallende Kapitel zu Omega-3-Fettsäuren nennt übrigens auch gesättigte tierische Fette, Transfette und Mais- und Sonnenblumenöle mit ihrem zu großen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren als Problem. Zwar raten sie nicht wie Dr. Esselstyn zum Ölverzicht und empfehlen statt Sonnenblumen- und Maisölen Oliven- und Rapsöle. Aber sie nennen auch Samen und Nüsse, nämlich geschrotete Leinsamen und Walnüsse, als brauchbare Lieferanten der essentiellen Omega-3-Fettsäuren. Das Schöne ist also: Die Verminderung des eigenen Krebsrisikos nach Bélivau und Gingras ist somit absolut vereinbar mit dem Ausschluss eines ischämischen Herzinfarktes nach Dr. Esselstyn.

Im dritten Teil stellen die Autoren dann noch einmal klar, dass keine Pillen und Nahrungsmittelergänzungen die genannten natürlichen Lebensmittel ersetzen können, denn diese liefern ein abgestimmtes Gesamtpaket, dass eine viel stärkere und bessere Wirkung erzielt als irgendwelche isolierten Extrakte der Supplement-Industrie. Die können im Gegenteil sogar oft noch schaden, wie man am Beispiel von isoliertem Vitamin E bei Lungenkrebspatienten schon festgestellt hat.

Auch wenn die Autoren nicht so weit gehen, eine vegane Ernährung zu empfehlen, was ihr Buch in Frankreich wohl zu einem sicheren Ladenhüter gemacht hätte, kann man doch zwischen den Zeilen lesen, dass letztlich jeder Konsum tierischer Lebensmittel eine verpasste Chance ist, stattdessen hunderte und tausende überwiegend noch unbekannter krebshemmender Substanzen aufzunehmen, wie sie eben nur in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind.

Fazit: Absolute Empfehlung. Das Buch sollte jeder an Ernährung und Gesundheit interessierte Mensch gelesen haben.

Mittwoch, 22. März 2017

Sulforaphan & Tipps

Wirsing au dem Feld

Durch die Lektüre von Dr. Michael Gregers Buch "How Not to Die" (siehe hier) bin ich auf das Thema Sulforaphan gestoßen, eine wahre Wundersubstanz, die offenbar schon die Aufmerksamkeit der renommiertesten Krebsforscher auf sich gezogen hat, wie z.B. diese Seite des Universitätsklinikums Heidelberg belegt.
Auch das Buch "Krebszellen mögen keine Himbeeren", welches ich hier sicher auch noch besprechen werde, widmet sich dem Sulforaphan.

Wie erklärt sich dieser Hype? Nun, die Wissenschaft hat festgestellt, dass dieser Stoff "in vitro" (lateinisch für "im Glas") etwas kann, was alle bekannten chemotherapeutischen Mittel vermutlich nicht können, nämlich Krebsstammzellen zerstören. Und im Gegensatz zu Chemotherapeutika hat dieser Stoff nicht nur weniger belastende Nebenwirkungen als diese, sondern schlicht keine - er ist vollkommen nebenwirkungsfrei! Nun hat man weitere klinische Studien begonnen, die untersuchen sollen, ob Sulforaphan diese Fähigkeit auch im menschlichen Körper besitzt und damit bei der Vorbeugung und Heilung von Krebserkrankungen unterstützen kann.

Nun werden Sie sich vielleicht fragen, a) wo Sie dieses tolle Mittel herbekommen und b) was Sie dafür hinblättern müssen. Erstaunlicherweise lautet die Antworten auf Frage a): In der Gemüseabteilung ihres Supermarktes oder auf dem Wochenmarkt, nämlich in der Form von Brokkoli, Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Grünkohl, Rosenkohl, Blumenkohl, Chinakohl, Rucola, Radieschen, Rettich, Kresse, Senfsaat und was es sonst noch an Kreuzblütlergemüse dort gibt. Damit ergibt sich auch die Antwort auf Frage b): Die Kosten entsprechen den Super- und Wochenmarktpreisen der genannten Gemüsesorten, liegen also voll im Lebensmittelbudget praktisch aller Haushalte in Deutschland.

Interessanterweise liegen auch bereits Bevölkerungsstudien vor, die belegen, dass der regelmäßige Verzehr von Kohlgemüse das Risiko, eine Krebserkrankung zu bekommen, signifikant reduziert. Höchstwahrscheinlich ist Sulforaphan dafür mitverantwortlich, aber natürlich enthalten Kohl und andere Kreuzblütlerpflanzen wie praktisch alle essbaren Pflanzenteile auch noch weitere Substanzen, von denen eine gegen Krebs schützende Wirkung ausgeht. So können z.B. in Pflanzen enthaltene Antioxidantien den oxidativen Stress auf die Körperzellen reduzieren und damit dazu beitragen, dass weniger von ihnen entarten und sich so potenziell zu Krebszellen weiterentwickeln können.

Nun gibt es ein kleines Aber:
Kreublütlergemüse enthält nicht direkt die Substanz Sulforaphan, sondern eine inaktive Vorstufe namens Glucoraphanin und zudem das Enzym Myrosinase. Erst beim Zerkauen und der weiteren Verdauung werden diese beiden Substanzen gemischt und führen dann zur Bildung von Sulforaphan.  Leider ist das Enzym Myrosinase hitzeempfindlich, während Glucoraphanin und Sulforaphan es beide nicht sind.

Bei Kreuzblütlergemüse, das roh genossen werden kann und wird, wie z.B. Chinakohl, Rucola, Kresse oder Radieschen ist das gar kein Problem. Aber Broccoli, Rosenkohl, Wirsing oder Blumenkohl möchte man in aller Regel in gegarter, also erhitzter Form zu sich nehmen.

Dr. Greger emfpiehlt daher in seinem Buch, jegliches Kreuzblütlergemüse, welches wie z.B. Brokkoli gekocht oder gegart werden soll, erst zu zerkleinern, ihm dann 40 Minuten zur Bildung von gegen Hitze unempfindlichen Sulforaphan zu geben und es erst dann zu kochen oder zu garen.

Leider ist das Zerkleinern z.B. von Rosenkohl keine sehr interessante Option: Man möchte die kleinen Röschen ja als Ganzes essen und nicht in der Form von "Rosenkohl-Hack". Für diese Fälle hat Dr. Greger in einem neueren Video noch einen weiteren Tipp parat:


Man kann das gegarte Kreuzblütlergemüse mit dem in ihm enthaltenenen Glucoraphanin (Sie erinnern sich: es ist ebenfalls unempfindlich gegen Hitze) mit der Myrosinase aus einer rohen Quelle kombinieren. Eine solche Quelle kann z.B. Senfpulver sein, welches aus nichts anderem als gemahlenen Senfkörnern besteht. (Notfalls kann man auch einfach selbst nach Bedarf Senfkörner zermößern und seinem gekochten Kohlgemüse hinzufügen.) Aber auch Radieschen oder Broccoli-Sprossen oder Kresse können diesen Zweck erfüllen.

Streuen Sie also ein paar zermöserte Senfkörner über ihren gegarten Rosenkohl oder Wirsing oder garnieren Sie Ihre vegane und ölfreie Blumenkohlsauce mit reichlich Kresse und holen Sie so das Optimum aus ihrem Gemüse.

Dienstag, 28. Februar 2017

1A Kartoffelsalat ohne Tierprodukte und Öl

Ein Schälchen mit Kartoffelsalat
Eines Tages habe ich mir überlegt, dass wenn meine Sojanaise sich für einen Nudelsalat eignet, dies doch auch für Kartoffelsalat gelten müsste. Gesagt, getan und siehe da, dieser rein pflanzliche und ölfreie Kartoffelsalat bietet geschmacklich alles, was Kartoffelsalate nach klassischen Rezepten auch bieten.

Hier also das Rezept:

Zutaten:
  • 1,5 Kilo festkochende Kartoffeln
  • 1  Portion Sojanaise
  • 250 ml starke Gemüsebrühe (d.h. für diese Wassermenge etwa 50% mehr Pulver nehmen als auf der Packung angegeben)
  • 150 ml Gewürzgurkenwasser
  • Gewürzgurken nach Belieben
  • 1 Bund Petersilie
Zubereitung:
Die Kartoffeln schälen, vierteln und kochen, bis sie weich werden aber noch gut schnittfest sind. Das Wasser abgießen und die Kartoffeln im Topf abkühlen lassen. (Sie garen im Innern auch noch etwas nach.) In der Zwischenzeit die Sojanaise nach Rezept in einer mittelgroßen Schüssel anrühren. Die Gemüsebrühe und das Gurkenwasser dazu schütten und alles zu einer homogenen Flüssigkeit verrühren.
Die abgekühlten Kartoffelviertel in kleinere Scheiben oder Stücke schneiden und in eine große Schüssel geben. Die Flüssigkeit aus Sojanaise, Brühe und Gurkenwasser dazu schütten und alles gut unterrühren. (Am Anfang sieht das noch nach zu viel Flüssigkeit aus, die Kartoffeln saugen das aber nach und nach auf.) Gewürzgurken in kleine Stücke schneiden, Petersilie klein hacken und alles unter die Kartoffeln heben. Ziehen lassen.

Wenn man möchte, kann man weitere Zutaten wie gewürfelten Räuchertofu oder gegarte Stückchen vom Stangensellerie untermischen.

Wenn der Salat nach dem Ziehenlassen doch noch zu trocken ist, nach Bedarf und Geschmack mehr Wasser, Brühe oder Gurkenwasser hinzugeben.

Freitag, 6. Januar 2017

Die definitive ethische Begründung für den Veganismus

Wurstverbotsschild

Erst mal allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein frohes und vor allen Dingen gesundes neues Jahr!

Gestern saß ich in einer gemütlichen Runde mit ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern bei Kaffee und Kuchen. Die Gastgeberin des Nachmittags ist ein überaus aufmerksamer Mensch und sorgt immer dafür, dass für mich auch etwas rein Pflanzliches und Sättigendes dabei ist. Damit geht sie schon immer weit über meine Erwartungen hinaus. Sogar die meisten Gastronomiebetriebe (also die, die vom Gastgeben leben) selbst in Innenstadtlagen sind ja leider immer noch damit überfordert, zumindest ein veganes, sättigendes und nicht vollkommen langweiliges Gericht auf die Karte zu setzen. (Und das trotz der Tatsache, dass man wirklich vollkommen hinter dem Mond leben muss, um nicht schon mal bemerkt zu haben, dass in den Buchhandlungen inzwischen Dutzende von guten veganen Kochbüchern auf jeglichem Anspruchsniveau erhältlich sind.)

Kleiner Einschub, falls dies von einer Gastronomin oder einem Gastronomen gelesen wird: Bitte kapieren sie doch, dass "vegan" das neue "vegetarisch" ist, denn Menschen die sich nur ein bisschen mit der Materie befassen, lernen recht bald, dass auch für die Produktion von Eiern und Milch Tiere getötet werden. Seien Sie bitte so anständig und denken Sie auch an diejenigen unter ihren Gästen, die erstens zu solchen Erkenntnissen gelangt sind und sie zweitens auch in ihrem Essverhalten berücksichtigen wollen. Sie wollen doch, dass Jede und Jeder, die oder der sich als Gast ordentlich verhält, sich in ihrem Haus auch wohlfühlen kann, oder? Ich z.B. nehme es inzwischen als Beleidigung meiner persönlichen Integrität auf, wenn Sie ein vegetarisches aber kein veganes Gericht auf der Karte haben.

Mir fiel in der gestrigen Kaffeerunde jedenfalls auf, wie liebevoll die Gäste von ihren Haustieren, seien es nun Hunde oder Katzen, sprachen. Es wurde nie ein Zweifel gelassen, dass diese Haustiere als Teil der Familie und -ja- als Persönlichkeiten gesehen wurden. Ich kann das nur bestätigen, denn alle, die schon einmal mit einem Hund oder einer Katze im Haus gelebt haben, erfahren unmittelbar, dass diese ihren eigenen Kopf, ihre eigenen Vorlieben und sogar ihre eigenen Schrullen haben, selbst wenn man mit ihnen nicht über die neuesten Sonderangebote im Supermarkt sprechen kann.

Nun gibt es ja keinen begründeten Zweifel daran, dass Schweine, Rinder, Hühner usw. unseren üblichen Haustieren unter diesem Aspekt nicht nachstehen, also ebenso als nicht-menschliche Persönlichkeiten zu betrachten sind.

Und das bringt mich nun zu einem Leserinnenbrief, den ich in der Ausgabe 09/2016 der kostenlosen Zeitschrift "Schrot & Korn" gelesen habe, die meist in Naturkost- und Reformgeschäften ausliegt: Die Leserin, Ute Esselmann, bezog sich in darin auf ein Interview mit einer Wirtschaftwissenschaftlerin in einer vorangegangenen Ausgabe der Zeitschrift und begründete so kurz und einleuchtend, wie ich es vorher noch nie gelesen oder gehört hatte, warum der Verbrauch von Tieren zu menschlichen Nahrungszwecken abzulehnen ist. Sie schrieb nämlich, dass es einfach falsch sei, aus Persönlichkeiten Bratwurst zu machen. Klasse!

Das ist sogar noch einleuchtender und prägnanter als das von Dr. Melanie Joy entwickelte Konzept des Karnismus und seine inneren Widersprüche, auf das und die ich ja auch immer wieder gerne hinweise.

Einen ähnlichen Gedanken hatte ich auch schon diverse Male: Nämlich den, dass mir ein gackerndes und herumlaufendes Huhn allemal lieber ist, als seine am Bratspieß rotierende tote und federlose Version, selbst wenn die noch so verführerisch und ansprechend duftet. Jedoch konnte ich diesen Gedanken bisher nie in so wenigen Worten zusammenfassen.

Dank Frau Esselmann kann ich es nun. Also: Ich bin vegan, weil es aus meiner Sicht falsch ist, aus Persönlichkeiten Bratwurst zu machen.