Montag, 26. August 2013

Lächerlich einfacher Rettich-Salat

Rettichsalat mit Paprika
Bei meinem Bemühen, die ganze Vielfalt der Gemüse- und Obstabteilungen meiner Supermärkte zu nutzen, bin ich in diesem Jahr auch auf den in Asien wie in Bayern beliebten Rettich gestoßen, der in meinem lokalen Rewe in Form weißer, über einen halben Meter langer Exemplare verkauft wird. (Die selbst in durchsichtiger Plastikfolie stecken.) Ein bisschen Recherche im Internet ergab dann wie lächerlich einfach es ist, daraus eine höchst gesundheitsförderliche und wohlschmeckende Beilage zuzubereiten. (Die man natürlich auch ohne eine Hauptmahlzeit genießen kann.) Seitdem nehme ich bei jedem Wochenendeinkauf einen Rettich mit, wenn er gerade erhältlich ist.

Zutaten:
  • Ein langer, weißer Rettich (wohl auch Bierrettich genannt)
  • Einige Spritzer Essig (für eine asiatische Note passt Reisessig sehr gut)
  • Salz, je nach Größe des Rettichs und persönlichem Geschmack
  • Optional: Eine rote Paprikaschote
Zubereitung:
Den Rettich schälen. (Je schärfer das Gemüsemesser, desto sparsamer lässt sich damit schälen. Ich schwöre auf superscharfe Keramikmesser.) Mit einem Gemüsehobel über einer Schüssel in dünne Scheiben schneiden. (Wer besonders geschickt und geübt ist, kann natürlich auch mit dem Messer geeignete Schnitt- und Schnitztechniken anwenden.) Optional die Paprika entkernen, in kleine Stücke schneiden und ebenfalls in die Schüssel geben. Den Essig über den Rettich gießen, Salz darüber streuen und alles gut durchmischen. Vor dem Servieren ein paar Minuten ziehen lassen.

Hinweis: Der Rettich kann wie Käse einen recht strengen Geruch entwickeln, was seinem guten Geschmack aber keinerlei Abbruch tut.

Freitag, 23. August 2013

Vegane Ernährung erhält höchsten ernährungsmedizinischen Segen

Vor kurzem veröffentlichte der Vegetarierbund Deutschland online ein lesenwertes Interview mit Prof. Dr. Johannes Georg Wechsler. Er ist ist Ärztlicher Leiter des Zentrums für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) und zudem der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner e. V. (BDEM). Prof. Dr. Wechsler dürfte damit eine der höchsten wissenschaftlichen Autoritäten Deutschlands zu Fragen der Ernährung und ihres Zusammenhangs mit Gesundheit bzw. Krankheit sein. Es hat also etwas zu bedeuten, wenn jemand wie er folgende Aussagen macht:
„Das Meiden von tierischen Produkten kann durchaus zu einer Verbesserung der Gesundheit beitragen.“
„Eine vegane Ernährungsform ist für alle genannten Bevölkerungsgruppen geeignet.“ (Gemeint sind Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche, Ältere und Sportler)
„Persönlich bin ich der Meinung, dass eine Ernährung, die tierische Produkte gänzlich meidet, durchaus gesundheitsfördernd, zeitgemäß und zukunftsweisend ist.“
In Deutschland hält sich ja hartnäckig die Auffassung, dass eine vegane Ernährung für Erwachsene ja vielleicht noch gerade so gehe, dass aber vegan essende Schwangere und Stillende, sowie Eltern, die sich und ihre Kinder vegan ernähren, ihre Kinder sträflich misshandelten. Die betroffenen Eltern konnten sich da immer nur auf die Aussage der ehemaligen American Dietetic Association (ADA), heutige Academy of Nutrition And Dietetics (AND) berufen, wonach eine gut geplante vegane Ernährung für alle Lebensphasen geeignet sei. (Wie Prof. T. Colin Campbell in seinem neuen Buch "Whole" darlegt, ist auch diese ADA/AND von den Interessen der Lebensmittelkonzerne beeinflusst; in diesem Licht ist diese Aussage sogar noch bemerkenswerter.)

Prof. Dr. Wechsler macht nun klar, dass eine vegane Ernährung auch für Schwangere, Stillende und Kinder geeignet ist und gegenteilige Auffassungen getrost in die Mottenkiste gepackt werden können.

Durch seine Aussagen ist nun auch ein für allemal klargestellt, dass jegliche Versuche, eine vegane Ernährungsweise als esoterische Ideologie hinzustellen, sich selbst nicht mehr auf dem Boden der Wissenschaft bewegen, sondern der Kategorie Vorurteile und irrationale Glaubenssysteme zuzuordnen sind. Wobei in diesem Falle der Karnismus dasjenige irrationale Glaubenssystem sein dürfte, das gegen eine vegane Ernährungsweise zum Tragen kommt.

Sonntag, 18. August 2013

Gelbe-Erbsen-Wirsing-Eintopf indische Art


Ich mag am liebsten Rezepte, die mit wenig Arbeit verbunden sind. Dieses gehört definitiv dazu. Das fertige Gericht schmeckt durch das Garam Masala und das Kurkuma so klassisch indisch und gut, dass es nicht hinter den Speisen beim Inder um die Ecke zurückstehen muss.

Zutaten (ca. 6 Portionen):
500g gelbe Schälerbsen (das sind geschälte und halbierte gelbe Erbsen, die dadurch ohne vorheriges Einweichen direkt zum Kochen genutzt werden können.)
2 Liter Wasser
2 rote Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 halber Wirsingkopf
3 Möhren
1 Stück Ingwer, ca. 2 cm
3 Frühlingszwiebeln
2 TL Garam Masala (ersatzweise gutes Curry-Pulver)
1 TL Kurkuma-Pulver
1 TL Tomatenmark
Salz
einige Stängel Koriander
Nach Wunsch: Sambal Oelek

Zubereitung:
Gelbe Schälerbsen mit dem Wasser in einem großen Topf  zum Kochen bringen und auf mittlerer Stufe ca. 45 Minuten im offenen Topf köcheln lassen. (Eventuell muss etwas Schaum abgeschöpft werden.)
Zwiebeln und Knoblauch klein hacken und Wirsing in kleine Stücke schneiden. Alles in den Topf geben und weitere ca. 15 Minuten köcheln. (Zwischendurch immer wieder einmal durchrühren, damit nichts am Topfboden festpappt. Wenn die Konsistenz zu fest wird, noch etwas Wasser nachgießen.)
Möhren in kleine Stücke schneiden und alles noch einmal 10 Minuten köcheln.
Nun die Hitze abstellen. Den Ingwer klein hacken oder reiben und in den Topf geben. Ebenso die klein geschnittenen Frühlingszwiebeln, das Garam Masala (bzw. ersatzweise Curry-Pulver), das Kurkuma-Pulver und das Tomatenmark hinzugeben. Mit Salz abschmecken.
Zum Schluss noch Korianderblätter vom Stängel zupfen und hinzufügen. Mit Reis, Fladenbrot oder Knäckebrot servieren. (Achtung: Gerade die Knäckebrote von Wasa sind oft nicht vegan, die meisten Sorten von Burger hingegen schon.) Je nach eigener Schärfevorliebe beliebig viel Sambal Oelek zur eigenen Portion geben.

Wikipedia verbreitet lebensgefährliche Desinformation

Die Aussage, wonach eine halbe Wahrheit eine ganze Lüge ist, wird dem britischen Staatsmann, Premiermminister und Autor Benjamin Disraeli zugeschrieben. Leider ist auch das Internet voll mit Quellen solcher Lügen und manchmal betrifft dies sogar Plattformen wie Wikipedia, die durch Nutzung von Schwarmintelligenz eigentlich zu den besseren Informationsquellen werden sollten.

Wenn man sich den Wikipedia-Eintrag zum Stichwort Arteriosklerose durchliest, findet man dort (Stand 17.8.2013) bemerkenswerte Aussagen:
"Der Zusammenhang zwischen Cholesterin, LDL-Cholesterin,  Aufnahme von tierischen Fetten mit der Nahrung und der Schwere und den Folgen der Arteriosklerose ist ungeklärt und umstritten und sie (sic) scheint weniger bedeutend zu sein, als bisher angenommen. [5]
 Es gibt jedoch Indizien, die nahelegen, dass die Qualität der Ernährung und die Zusammenstellung eine Rolle spielen, wobei eine mediterrane einer fettarmen überlegen zu sein scheint. [6]"
 Und weiter unten:
"Die einfach ungesättigte Ölsäure, reichlich vorhanden in Oliven- und Rapsöl, senkt das LDL-Cholesterin ohne das nützliche HDL-Cholesterin zu verändern."
Was muss der geneigte Leser dieser Sätze wohl für Schlussfolgerungen ziehen, insbesondere wenn er vielleicht schon einen Herzinfarkt hatte und einen oder mehrere Bypässe gelegt bekam?

a) Kümmere Dich nicht im Deinen Cholesterinwert. Das ist eh alles "ungeklärt".
b) Kümmere Dich nicht um den Fettgehalt in Deiner Nahrung. Mediterran ist besser und jeder weiß ja, dass dazu jede Menge Olivenöl gehört.
c) Ölsäure ist super für Dich. Da sie reichlich in Olivenöl vorhanden ist, kannst Du davon gar nicht genug bekommen.

Nun hat aber Dr. Esselstyn bereits gezeigt, dass Herzpatienten, die sich vollwertig pflanzlich und ohne Öl ernähren, ihre Herzkrankheit stoppen und Arteriosklerose sogar wieder rückgängig machen können. Auch wer noch keine koronare Herzerkrankung hat, kann mit einer solchen Ernährung vermeiden, jemals ein Herzpatient zu werden. Dies ist der einzige bekannte Ansatz, der das nachgewiesenermaßen und reproduzierbar vermag. Nur bei einer solchen Ernährung sinkt der Gesamtcholesterinwert (außer bei ganz seltenen genetischen Dispositionen) unter 150 mg/dL und der LDL-Wert unter 80 mg/dL. Es ist kein Fall dokumentiert, in dem jemand mit solchen Werten einen Herzinfarkt erlitten hätte, auch nicht bei groß angelegten prospektiven Bevölkerungsstudien wie der Framingham Heart Study.

Geradezu tragikomisch ist es, wenn man sich die angegebenen Quellen für die Aussagen im Artikel ansieht. Für die erste mit dem angeblich unklaren Zusammenhang zwischen Cholesterin und Arteriosklerose wird "Gerhard Thews: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen: 140 Tabellen. Wiss. Verlag-Ges., Stuttgart 2007: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen: 140 Tabellen. Wiss. Verlag-Ges., Stuttgart 2007" angeführt. Ohne Seitenangabe. Soll man sich zur Prüfung dieser Aussage nun also für fast 70 Euro dieses Anatomiebuch kaufen und dann selber schauen, ob man unter den 140 Tabellen eine findet, die belegt, dass der Zusammenhang zwischen Cholesterinwerten und der Aufnahme tierischer (und damit vor allen Dingen gesättigter) Fette einerseits und der Schwere von Arteriosklerose andererseits "umstritten" oder "unklar" ist?

Für die zweite Aussage von der angeblichen Überlegenheit einer mediterranen gegenüber einer fettarmen Ernährung wird als Quelle "J. O. Gebbers: Atherosclerosis, cholesterol, nutrition, and statins – a critical review. (Atherosklerose, Cholesterin, Ernährung und Statine – eine kritische Übersicht). In: Ger Med Sci. 2007;5;Doc04" angegeben, immerhin mit einem Link auf die Online-Version. Die einzige Stelle in dieser Studie, in der überhaupt kritisch auf eine fettarme Ernährung eingegangen wird, nennt selbst als Quelle die spanische Studie mit dem Titel "Primary Prevention of Cardiovascular Disease with a Mediterranean Diet" von Estruch et al., die am 25. Februar 2013 im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht wurde. Tatsächlich wurde diese Studie sogar in der Ärztezeitung mit der Schlagzeile "Mittelmeerküche schlägt fettarme Kost" zusammengefasst und auch sonst in der Tagespresse in diesem Sinne zitiert.

Was aber hat diese Studie wirklich gezeigt? Bei ihr wurden die Versuchspersonen, die Diabetes II oder einen Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt hatten in drei gleich große Gruppen eingeteilt. Eine sollte zu viel Gemüse und Hülsenfrüchten täglich Olivenöl einnehmen, eine sollte viel Gemüse und Hülsenfrüchte durch Nüsse ergänzen, während die dritte  "Kontrollgruppe" lediglich auf rotes Fleisch verzichten sollte, was den Fettanteil ihrer ingesamt aufgenommenen Nahrungsenergie von 39 Prozent auf gerade einmal 37 Prozent senkte. Das ist alles andere als fettarm. Wie schon an anderer Stelle geschrieben kommt man bei einer vollwertigen pflanzlichen Ernährung ohne Öl auf einen Fettanteil von gerade einmal 10 Prozent. Das wäre fettarm!

Es ist auch nicht klar, wie sicher gestellt wurde, dass die drei Gruppen tatsächlich gleiche statistische Krankheitsrisiken aufwiesen. Jedenfalls hatten sich nach fünf Jahren bei der Olivenöl-Gruppe 96 kardiovaskuläre Ereignisse gezeigt, bei der Nüsse-Gruppe 83 und bei der Kontrollgruppe 109.

Das war's. Das ist das ganze tolle Ergebnis der mediterranen Ernährung, womit aber nebenbei auf jeden Fall noch klar wurde, der Konsum ganzer Nüsse allemal besser sein dürfte als der von Olivenöl.

Dr. Esselstyn hat aber bereits gezeigt, dass eine vierte Kontrollgruppe mit einer pflanzlichen vollwertigen Ernährung ohne Öle nach allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit wohl überhaupt keine kardiovaskulären Ereignisse   mehr gehabt hätte. So hat er das Ergebnis dieser Studie gegenüber der New York Times denn auch folgerichtig wie folgt zusammengefasst:
"Alles, was die Studie gezeigt hat, war, dass sowohl die mediterrane Ernährung als auch die fürchterliche Ernährung der Kontrollgruppe in der Lage waren, bei Menschen Krankheiten hervorzurufen, die sie vorher nicht hatten."

Nun noch zu der dritten von mir zitierten Aussage im Wikipedia-Artikel zu der angeblich cholesterinsenkenden Wirkung der im Olivenöl reichlich vorhandenen Ölsäure. Nun, erstens enthält Olivenöl nicht nur Ölsäure, und zweitens gibt es keine Studie, die tatsächlich zeigt, dass allein die Einnahme von Olivenöl oder Ölsäure die Cholesterinwerte verbessern könnte. Dementsprechend kann der Artikel hier auch gar keine Quelle nennen. Es gibt lediglich einige Studien, die eine Verbesserung der Cholesterinwerte nachweisen, wenn man die gesättigten Fette in der Nahrung, wie sie vor allem in tierischen Produkten wie Fleisch und Butter vorkommen, durch einfach und mehrfach ungesättigte Fette ersetzt, die nun mal hauptsächlich pflanzlichen Ursprung sind. (Siehe z.B. diese Stellungnahme des "Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies" der European Food Safety Agency, EFSA.) Man kann also sagen, dass pflanzliche Fette besser sind als tierische, dass es aber dennoch am besten ist, sowohl auf tierische Fette, als auch auf zugesetzte pflanzliche Fette in der Nahrung zu verzichten. Eine Studie, die man an dieser Stelle hätte zitieren können, nämlich Oakley FR, Sanders TA, Miller GJ. Am J Clin Nutr. 1998 Dec;68(6):1202-7, hat gezeigt, dass Ölsäure aus Sonnenblumenöl ebenso zu einer Aktivierung von Faktor VII und damit zur Verklumpung roter Blutkörperchen führt wie Butter. Aber der Hinweis auf diese Studie wäre wohl der offensichtlichen Absicht eines oder mehrerer Wikipedia-Autoren zuwidergelaufen, Oliven- und Sonnenblumenöl entgegen der Faktenlage als heilsam gegen Arteriosklerose darzustellen.

Warum stehen also in der Wikipedia irreführende Aussagen, die sogar noch Herzkranke dazu ermuntern könnten, ihrem Essen reichlich Olivenöl zuzufügen und damit ihre Krankheit noch zu fördern? Ich weiß es nicht, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass sich da jemand als Autor hervorgetan hat, der es einfach nur nicht besser weiß. Auch die völlig verqueren Quellenangaben sprechen dagegen, denn offenbar soll mit ihnen ja eine nicht gegebene Seriösität vorgespiegelt werden. Die Autorenschaft an einem Wikipedia-Artikel setzt ja für gewöhnlich ein gewisses Interesse an dem jeweiligen Thema und damit auch eine gewisse Grundkenntnis voraus. Vielleicht muss man hier wieder die schöne lateinische Frage stellen: "Cui bono", also zu wessen Nutzen ist die Verbreitung solcher Fehlinformationen? Mir würden da schon ein paar einfallen. Große Lebensmittelkonzerne, deren Oliven- und Sonneblumenölmarken in den Regalen praktisch aller Supermärkte dieser Republik stehen. Solche Konzerne hätten auch die Mittel, PR-Agenturen zu beauftragen, die wiederum ein paar Auftragsschreiber mit der wohlwollenden Darstellung von Pflanzenölen in Wikipedia-Artikeln beschäftigen könnten.

Um auch gleich dem Einwand vorzubeugen, dass Wikipedia ja eine offene Plattform sei und ich ja nun meinen Beitrag leisten könne, um dort enthaltene Fehlinformationen zu korrigieren: Nein, ich muss in der Woche meine Brötchen verdienen und kann meine Zeit daher leider nicht damit verbringen, in irgendwelche Editierschlachten gegen bezahlte Auftragsschreiber zu ziehen.

Mit diesem Eintrag hier möchte ich lediglich klarmachen, dass auch Wikipedia mit sehr kritischen Augen gelesen werden muss und keinesfalls als objektive Informationsquelle betrachtet werden darf. Der Artikel zu Arteriosklerose gehört jedenfalls eher in die Rubrik "Desinformation".
 

Samstag, 10. August 2013

Low-Carb gegen vollwertig pflanzlich: Bilder sagen mehr als Worte

Leider ist hier die Vorstellung von den bösen Kohlehydraten ja derart verbreitet, dass sie praktisch die gesamte populäre Literatur zu Ernährungsthemen durchdringt und sogar vegane Bestseller-Bücher wie "Vegan for Fit" (soll das eigentlich Englisch sein?) von Attila Hildmann vom "Low-Carb"- oder wahlweise "Low-GI"-Wahn infiziert sind.

Ich werde auf das Thema hier noch mal näher eingehen, wenn ich das  exzellente neue Buch von Dr. John McDougall, "The Starch Solution" bespreche.

Wenn Sie aber einfach ein paar Pfunde loswerden wollen und dabei daran denken, den Low-Carb-Ansatz zu verfolgen, bei dem sie auf so wunderbar sättigende und keineswegs dick machende pflanzliche Lebensmittel wie Vollgetreide (sowie entsprechende Pasta und entsprechendes Brot), Kartoffeln, Naturreis und Hülsenfrüchte verzichten müssen, sollten Sie sich das folgende Video ansehen und diese Idee noch einmal überdenken. Hinweis: Alle in diesem Video gezeigten Experten für eine pflanzliche ("plant-based") Ernährung erlauben vollwertige pflanzliche Kohlehydrate in jeder Form und Menge. (Der Zusatz "vollwertig" trifft dabei auf raffinierte Kohlehydrate wie Weißmehl und Zucker nicht zu, schließt aber eben auch extrahierte Pflanzenöle aus.) Die gezeigten "Low-Carb"-Experten hingegen raten von den bösen Kohlehydraten ab und raten gerade deshalb -man muss sagen: konsequenterweise- zum Konsum von Fleisch- und Milchprodukten, da ja tatsächlich Fleisch gar keine Kohlehydrate enthält und diese bei Milchprodukten nur einen kleinen Anteil der Nahrungsenergie ausmachen.


Wie schon in der Überschrift angedeutet sagen Bilder mehr als tausend Worte:


Ich hoffe, dass dieses Video auch dazu beiträgt, dass Veganerinnen und Veganer sich nicht von den Kohlehydrat-Hysterikern verunsichern und beeinflussen lassen. (Die Bilder sprechen ja doch für sich.) Das beste was man für sein körperliches Wohlbefinden und eine schlanke Erscheinung tun kann, ist einfach der Wechsel auf eine nicht nur vegane, sondern vollwertig vegane Ernährung, die alle in Knollen, Wurzeln, Getreide oder Hülsenfrüchten steckenden Kohlehydrate mit Freuden einschließt, dafür aber veganen Junk wie raffinierte Kohlehydrate und extrahierte Pflanzenöle weglässt.

Supereinfache, köstliche, ölfreie Veggie-Bolognese


Dieses Rezept ist durch einfaches Experimentieren entstanden und um so mehr war ich davon überrascht, wie gut das Ergebnis schmeckte. Diese Veggie-Bolognese muss sich hinter keiner Bolognese mit Gehacktem aus toten Tieren verstecken.

Sie enthält kein Soja-Granulat aus texturiertem Sojaprotein, das man durchaus auch als hochprozessiertes und potenziell gesundheitsschädliches Junk-Food sehen muss, da bei seiner Herstellung die Sojabohnen in ihre verschiedenen Bestandteile, nämlich das Fett einerseits und das hochkonzentrierte Protein andererseits, zerlegt werden und letzteres dann industriell mit Protrudern unter Hochdruck in seine Form gebracht wird. Grünkernschrot wäre natürlich eine wirklich vollwertige Alternative, kann aber leider geschmacklich nicht so richtig konkurrieren.

Stattdessen nutze ich Tofu, der in überschaubar vielen Schritten über die Sojamilch aus der ganzen Bohne gewonnen wird. Diese Schritte sind so einfach, dass man Tofu mit normalem Küchengerät im Prinzip sogar auch zuhause produzieren kann. Zugegebenermaßen fällt bei der Herstellung von Sojamilch das sogenannte Okara als Nebenprodukt ab, dass auch viele der guten Ballaststoffe und der wertvollen Stärke aus der Sojabohne enthält. Damit sind Sojamilch und Tofu zwar pflanzliche, aber nicht wirklich vollwertige Lebensmittel. Generell ist das Protein der Sojabohne in seiner Aminosäurezusammensetzung so nah an der von tierischem, also auch menschlichem Gewebe, dass Sojaprodukte im Übermaß ebenso wie tierische Produkte zu einer Erhöhung des IGF-I-Spiegels beitragen können, was wiederum das Wachstum von Tumoren begünstigen kann. Wie Dr. Michael Greger in einem Video auf Nutritionfacts.org aufführt, müsste man als Veganer jedoch täglich siebenmal Sojaprodukte konsumieren, um auf die gleichen IGF-I-Spiegel wie Tierkonsumenten zu kommen. Also gilt für Tofu: Gelegentlicher Verbrauch ist für Veganerinnen und Veganer kein Problem, übermäßiger hingegen nicht ratsam.

Nun aber endlich zum eigentlichen Rezept:

Zutaten:
700 g Tomatenpassata
1 Zwiebel
1-2 Knoblauchzehen (je nach Größe und eigener Geschmacksvorliebe)
3 Stangen Sellerie
150 Gramm Räuchertofu
2 EL getrocknete italienische Kräuter
1-2 EL gehackter Basilikum (frisch oder tiefgekühlt)
Salz und Pfeffer

Zubereitung:
Die Zwiebeln, die Knoblauchzehe und die Selleriestangen klein hacken. Den Räuchertofu auf einem großen Teller mit einer Gabel in kleine Krümel zerdrücken.
Die Zwiebeln und den Knoblauch in einem Topf auf höchster Stufe in Wasser dünsten, bis die Zwiebeln leich glasig sind. Den klein gehackten Sellerie hinzugeben und nocheinmal ca. 5 Minuten mitdünsten, nach Bedarf Wasser nachgießen. Dann den zerkrümelten Tofu hinzufügen, alles ordentlich verrühren und noch einmal ca. 5 Minuten dünsten. Wieder nach Bedarf Wasser nachgießen.
Nun die Tomatenpassata hinzugeben und alles bei mittlerer Hitze ca. 10 Minuten köcheln lassen.
Zum Schluss die italienischen Kräuter und den Basilikum hinzugeben.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Hierbei mit dem Salz nicht unbedingt zu sehr geizen, da es insbesondere den Geschmack des Gemüses zur vollen Geltung bringt.

Tipp: Die Sauce kann natürlich auch noch durch ganze oder klein geschnittene Oliven ergänzt werden.
Frisch vor dem Essen kann ein bisschen über die Sauce gestreute Würzhefe als gesunde Alternative zu Parmesan dienen.

Samstag, 3. August 2013

"Ich züchtige meine Kinder nur noch selten"

Keine Angst - die Überschrift ist keine wörtliche Aussage von mir oder einem Menschen aus meinem Umfeld.

Aber welcher konsequent oder inkonsequent vegetarisch lebende Mensch hört nicht mindestens einmal die Woche von jemandem aus seinem Bekannten- oder Kollegenkreis die für mich mittlerweile genauso absurd klingende Aussage "Ich esse nur noch selten Fleisch"?

Nicht nur, dass sich bei genauerem Nachhaken der angeblich seltene Fleischkonsum doch auf mindestens viermal die Woche summiert, wenn auch der Wurstbelag auf dem Brot, die Schinkenstücke im Eintopf oder in Backwaren, der schnelle Hähnchen-Nugget-Snack und der Thunfischbelag auf der Pizza mitgezählt werden.

Ich weiß nie, wie ich darauf antworten soll, befürchte aber, dass diejenigen, die mir gegenüber diese Aussage machen, darauf von mir eine in irgendeiner Weise positive Reaktion erwarten. Fairerweise muss man ja sagen, dass darin immerhin schon so etwas wie ein Problembewusstsein aufscheint. Offensichtlich wissen diejenigen, die aus ihrer Sicht ihren Fleischkonsum einschränken, dass damit etwas nicht in Ordnung ist. Dass er also der eigenen Gesundheit schadet, aber auch den Tieren, der Umwelt und der Welternährungslage.

Nur: Wieso ziehen sie daraus nicht die einzig logische Konsequenz: Einfach gar keine Tierleichenteile (und damit meine ich auch das Fleisch von allen im Wasser lebenden Tieren) mehr essen?

Bei der Kindererziehung ging das doch auch: Da hat man irgendwann im Laufe der Zeit erkannt, dass körperliche Bestrafung von Kindern zum einen grausam ist, und zum anderen auch nicht einmal den beabsichtigten Erziehungserfolg hat. Inzwischen haben Kinder das gesetzlich verankerte Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und jemand, der erzählt, dass er seine Kinder nur noch selten mit einem Gürtel züchtigt, müsste nicht nur mit verächtlichen Blicken, sondern auch mit dem baldigen Besuch von Vertretern des örtlichen Jugendamtes rechnen.

Während in der Tat Kinder ihre Eltern auch bis auf das Messer reizen können und denen dann schon mal im Affekt die Hand ausrutschen kann, ist der Fleischkonsum sogar immer eine bewusste Entscheidung: Man legt sich die Tierteile bewusst in den Einkaufswagen, bestellt sich im Restaurant bewusst ein Gericht, dass sie enthält, oder legt sie sich zuhause bewusst auf den Teller. Spätestens in dem Moment, wo man den Mund öffnet und sie hinein führt ist man auch dafür verantwortlich.

Ich hoffe, dass beim Thema Fleischkonsum irgendwann ein ähnlicher gesellschaftlicher Bewusstseinswandel stattfindet, wie er beim Thema Gewalt in der Kindererziehung schon mehrheitlich erfolgt ist. Genauso wie es heute vielen älteren Menschen mittlerweile peinlich ist, dass sie ihre inzwischen erwachsenen Kinder noch körperlich gezüchtigt haben, ist es mir mittlerweile peinlich, dass ich noch so lange ein Tierverbraucher war.

Ach ja: Also wie reagiere ich nun auf den Satz "Ich esse nur noch selten Fleisch"? Meistens kommentiere ich das gar nicht, denn wenn ich mich hier lobend oder positiv erfreut äußern würde, wäre das nach dem, was ich inzwischen über das Thema alles gelernt habe, pure Heuchelei. Die richtige Menge Fleisch für die menschliche Ernährung liegt exakt bei Null. Um niemanden vor den Kopf zu stoßen, versuche ich mir zumindest ein Lächeln abzuringen, aber es ist eher ein Lächeln des Mitleids mit der menschlichen Schwäche und Inkonsequenz, von der ich mich wohlgemerkt selbst auch nicht frei spreche, derer ich mich aber zumindest in diesem Punkt nicht mehr schuldig mache.