Donnerstag, 30. Mai 2013

Dr. Ellsworth Wareham - ein 98 Jahre alter veganer Herz-Lungen-Chirurg

Über ProVegan bin ich auf ein YouTube-Video gestoßen, in dem Dr. Ellsworth Wareham, ein 98 Jahre alter veganer Herz-Lungen-Chirurg - mit 95 Jahren (!) in den Ruhestand gegangen - etwas zum optimalen Cholesterinwert erzählt und wie man ihn erreicht. (Leser des Buches von Dr. Caldwell B. Esselstyn, "Prevent and Reverse Heart Disease" oder auch meines Blogs wissen es natürlich schon: Nämlich mit einer veganen, fettarmen Ernährung.)


Besonders interessant finde ich die Stelle (ab 4:38), an der er etwas zum Geschmacksargument sagt, das man immer wieder als Argument gegen eine gesunde Ernährung hört: "Ohne Öl / Salz / Kuhmilch / Fleisch / Käse / Eier (oder sonstiges) kann ich nicht leben, weil mir das so schmeckt." Jedoch ist jeglicher Geschmack (außer dem für Muttermilch) erworben, kann also auch bis ins hohe Alter noch angepasst werden, indem man einfach einmal eine gewisse Zeit "durchhält" oder graduell das vom Ernährungsplan zu streichende Produkt reduziert. Das entspricht hundertprozentig meiner Erfahrung, denn ich esse heute jegliche Art von Gemüse auch ohne Öl und Salz mit einem Ausmaß von Genuss, dass ich früher nie für möglich gehalten hätte.

Hut ab vor diesem Mann. Er wurde sogar erst etwas später im Leben vegan als ich (hat aber auch schon vorher nur wenig Tierprodukte konsumiert) und ist heute mit 98 Jahren geistig noch vollkommen frisch und körperlich offenbar immer noch fitter als so mancher 70-Jährige. Ich würde mir wünschen, dass ich auch einmal in so einem Zustand auf so viele Lebensjahre zurückblicken kann.

Sonntag, 26. Mai 2013

Eines der eindrücklichsten Plädoyers für eine tierproduktfreie Ernährung

Philip Wollen ist ein früherer Vizepräsident der Citibank Australien und betätigt sich heutzutage als Philantrop. Nur durch Zufall bin ich auf seinen Redebeitrag zu einer öffentlichen Rede-Debatte zum Thema "Warum Fleisch von der Speisekarte verschwinden sollte" gestoßen.

Ich habe selten so ein eindrückliches Plädoyer für eine tierproduktfreie Ernährung gehört und möchte deshalb hier ausdrücklich darauf hinweisen. Ich glaube, dass man den Link auch gut an seine fleischessenden Bekannten und Verwandten weiterleiten kann, um ihnen die Konsequenzen ihres Konsumverhaltens deutlich zu machen, und zwar selbst dann, wenn ihnen das Leid der Tiere egal ist. Zitat: "Jeder Bissen Fleisch, den wir essen, ist ein Schlag in das tränenüberströmte Gesicht eines hungrigen Kindes."

Hier die Version mit deutscher Tonspur:


Und hier die ohne:


Wollen lässt es ein bisschen so klingen, als würde allein die Beendigung der "Tierverwertung" schon zu einer gerechten und friedlichen Welt führen. Das wäre dann meines Erachtens nach doch zu gutgläubig. Ohne eine Weltwirtschaftsordnung, die auch soziale und ökologische Belange berücksichtigt, wird sich dieses Ziel selbst dann nicht erreichen lassen, wenn künftig alle Menschen die Finger von Fleisch, Milchprodukten und Eiern lassen. Man denke etwa an den ökologischen Schaden, der für die Palmölherstellung in Indonesien angerichtet wird, einem immerhin rein pflanzlichen Produkt. Hierfür wird sogar die Ausrottung der letzten Orang-Utans in Kauf genommen.

Aber auch wenn man dies feststellt, so macht Wollens Vortrag doch immer noch unmissverständlich klar, dass die Auflösung der Tier- und Schlachtfabriken in jedem Fall eine notwendige Voraussetzung für globale soziale Gerechtigkeit und den Erhalt der natürlichen Ressourcen ist - für das Ende der entsetzlichen Qualen, die man dort fühlenden Wesen zufügt, natürlich sowieso.

Für die Schokosucht: Veganer, fettarmer und dennoch cremiger Schokoaufstrich

Veganer, fettarmer und dennoch cremiger Schokoaufstrich
Wie so viele möchte ich nicht ganz ohne Schoko sein. Da ich aber meinen Arterien nicht mutwillig schaden will, kommt mir nicht einmal mehr vegane Schokolade ins Haus. Auch die üblichen Schokoaufstriche für das Brot sind nicht nur nicht vegan, sondern bestehen auch überwiegend aus Öl und Zucker und gehören damit mit zu dem übelsten, was man seinem Körper antun kann.

Glücklicherweise ist meine Schokosucht wohl vor allem die Sucht nach Kakao (und da bestimmt nach dem darin enthaltenen Wunderstoff Theobromin), für dessen Genuss man weder zugesetztes Fett noch raffinierten Zucker benötigt. Man kann z.B. entöltes Kakaopulver in etwas heißem Wasser auflösen und dann mit Pflanzeneiweißdrink aufgießen. Einmal kurz in die Mikrowelle und fertig ist die heiße Schokolade, die man dann noch nach Bedarf z.B. mit einer möglichst geringen Menge Agavendicksaft süßen kann.

Für einen schokoladigen Brotaufstrich habe ich im Internet zwei vegane Rezepte entdeckt, wobei das eine Bananen und das andere getrocknete Datteln zur Grundlage hatte. Das auf Bananen basierende habe ich dann mal ausprobiert, es kam bei mir aber eher eine Art "Schokoglibber" heraus, der mich geschmacklich nicht überzeugte und auch im Kühlschrank schnell "kippte". Die hauptsächlich auf Datteln basierende Variante wäre mir sicher einfach zu süß und würde sicher auch eine gewisse Cremigkeit vermissen lassen.

Kichererbsen zu Hilfe! Meine Variante benutzt zwar auch Datteln für die Süße, für die Cremigkeit verwende ich aber Kichererbsen, die ich immer im Tiefkühlschrank habe. (Siehe vorangegangenes Post: Hülsenfrüchte vorkochen und einfrieren.)

Hier nun also das (sehr einfache) Rezept:

Zutaten (für 1 Glas):
  • 100 Gramm gekochte Kichererbsen ohne Salz
  • 6 getrocknete Datteln, idealerweise am Tag vorher geviertelt und über Nacht in Wasser eingeweicht
  • 2 - 3 EL Pflanzeneiweißdrink (also z.B. Hafer- oder Sojadrink)
  • 1 EL entöltes Kakaopulver (bitte aus fairem Handel - bei mir ist es das von Rapunzel)

Zubereitung:
 Den Kakao und den Pflanzeneiweißdrink in einer möglichst schmalen, hohen Rührschüssel miteinander zu einer halbflüssigen Masse verrühren. Die geviertelten Datteln zusammen mit den Kichererbsen in die Schüssel geben. Alles mit einem starken Handmixer pürieren, bis eine homogene Masse entstanden ist. Diese in ein Glas füllen. Das ganze im Kühlschrank aufbewahren. (Hält sich ca. eine Woche.)

Tipp: Wie beim Hummus ist es auch hierbei möglich, mit einem mehrfachen der Zutaten mehrere Gläser Schokocreme auf Vorrat zuzubereiten und diese im Tiefkühlschrank aufzubewahren. Ist ein Glas verbraucht, kann das jeweils nächste aus dem Tiefkühlschrank in den Kühlschrank umgelagert werden und ist dann ab dem nächsten Tag zum Verbrauch bereit.

Noch ein Tipp: Der Schokoaufstrich schmeckt hervorragend auf Reis- oder Maiswaffeln, die dem ganzen dann noch einen tollen Knusperfaktor verleihen.

Tipp: Hülsenfrüchte vorkochen und einfrieren

Ich esse für mein Leben gern Hülsenfrüchte und weiß auch ihren Sättigungswert und ihre positive Wirkung auf meinen Körper zu schätzen. (Damit meine ich nicht die blähende Wirkung, die ich bei mir eher bei Kohl, Zwiebeln und nicht ausreichend eingeweichtem Getreideflocken bemerke. Bei Kohl und Zwiebeln nehme ich sie schlicht in Kauf, bei Getreideflocken halte ich durch nächtliches Einweichen dagegen.)

Häufig beschließe ich spontan, mir etwas mit Linsen, Bohnen oder Erbsen zuzubereiten. Grüne Erbsen habe ich immer im Tiefkühlschrank und Kidneybohnen oder weiße Riesenbohnen meist als Konserven im Schrank. Linsen sind ja auch in getrockneter Form sofort einsatzbereit.

Manche Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und schwarze Bohnen eignen sich auch hervorragend für Süßes, allerdings benötigt man sie dann ungesalzen, d.h. Konserven eignen sich hier nicht, da sie in aller Regel auch Salz auf der Zutatenliste haben. Andererseits setzt es meiner Spontaneität doch arge Grenzen, wenn ich getrocknete Hülsenfrüchte erst über Nacht einweichen und dann noch bis zu einer Stunde kochen muss, bevor ich mit der eigentlichen Zubereitung beginnen kann.

Aus diesem Grunde habe ich mir angewöhnt, Kichererbsen, schwarze Bohnen Wachtelbohnen und Mungobohnen immer schon einsatzbereit zu haben, indem ich sie auf Vorrat einweiche (das Einweichwasser immer abgießen!), koche und anschließend in Gefrierbeuteln einfriere. Damit man den Gefrierbeuteln später auch Teilportionen entnehmen kann, achte ich darauf, die Hülsenfrüchte vor dem Einfrieren in einem Sieb möglichst gut abtropfen und etwas antrocknen zu lassen. Tut man das nicht, so gefrieren sie nämlich im Tiefkühlschrank zu einem einzigen monolithischen Eisblock zusammen, aus dem sich anschließend nur noch mit viel Gewalt ein Teil heraushauen lässt. Ein weiterer Trick ist es wohl, in den Gefrierbeuteln immer nur eine flache Lage der Hülsenfrüchte unterzubringen, von der sich beim späteren Gebrauch einzelne Teile einfacher ablösen lassen. (Diesen Trick habe ich noch nicht ausprobiert, man benötigt dafür ja auch irgendeine formfeste Unterlage, die zum Einfrieren unter den Gefrierbeutel mit in den Tiefkühlschrank kommt.)

Zum Auftauen kann man später einfach die benötigte Menge entnehmen, die dann nach Übergießen mit heißem Wasser sofort verwendet werden kann.

Samstag, 25. Mai 2013

Nachtrag: Karnismus

Buchcover: Melanie Joy - Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Ich mag es, wenn bestimmte äußere Impulse mich zum Nachdenken bringen und wie ich erst am Tag nach dem Vortrag von Prof. Melanie Joy gemerkt habe, war er ein solcher Impuls. (Begeistert war ich von dem Vortrag ja ohnehin - was man hoffentlich meinem unmittelbar danach verfassten Post auch anmerkt.)

Beim Nachdenken über den Vortrag und auch über die anschließende Frage- und Antwortrunde sind mir noch ein paar Punkte eingefallen, die hier unbedingt noch erwähnt werden sollten:
  • Joy wurde nach ihrem Vortrag unter anderem sinngemäß danach gefragt, wie  man sich als "Veggie" zu seinen im Karnismus befangenen Mitmenschen verhalten soll und wie man versuchen kann, sie auf die "gute" Seite zu ziehen.

    Sie riet dann ebenfalls sinngemäß dazu, mit anderen offen über das eigene Wissen und die eigenen Vorstellungen zu sprechen, aber sie nicht moralisch zu verurteilen oder in irgendeiner anderen Art verbale Aggression auszuüben.

    Sie empfahl jedem "Anti-Karnisten" dringend, sich mit Gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen - einem von Marshall B. Rosenberg geprägten Begriff - bevor er oder sie überhaupt in Diskussionen mit anderen über entsprechende Themen einsteigt. (Das werde ich auf jeden Fall in der nächsten Zeit einmal beherzigen.) Der Begriff des Karnismus sollte also auf keinen Fall dazu gebraucht werden, Nicht-Veganer als "Karnisten" zu beschimpfen oder herabzuwürdigen. Dieser Begriff richtet sich gegen ein gewaltsames System, nicht gegen Menschen.

    Dieser Rat ergibt aus meiner Sicht vollkommenen Sinn, denn mit Aggression oder auch nur verbaler Gewalt gegen die an Tieren verübte Gewalt einzutreten wäre widersprüchlich und letztlich auch ineffektiv, d.h. nicht zum Ziel führend, da die jeweiligen Gespächspartner diesen Widerspruch bemerken würden und die per se ja guten Argumente gar nicht mehr an sich heranlassen würden.

    Er gibt auch aus der Theorie des Karnismus selbst Sinn, denn man darf Menschen nicht dafür verurteilen oder in irgendeiner Weise herabsetzen, dass sie in einem unsichtbaren Glaubenssystem befangen sind. Hier hilft es meines Erachtens nach auch, sich immer wieder daran zu erinnern, dass man (in aller Regel) selbst einmal darin befangen war.
     
  • Eine weitere Frage bezog sich auf das Verhältnis der Theorie des Karnismus zu der des (Anti-)Speziesismus. Prof. Joy beantwortete sie dahingehend, dass  Karnismus eine spezielle Ausprägung von Speziesismus sei.

    Erst durch anschließende Recherche im Internet habe ich herausgefunden, dass Joys Thesen unter Veganerinnen, Tierrechtlerinnen und Anti-Speziesistinnen teilweise umstritten sind und sie dafür von manchen auch angefeindet wird. Einzelne Tierrechtler argumentieren, dass es keines neuen Begriffes wie des Karnismus bedürfe, da der Begriff des Speziesismus bereits ausreichend sei und man ihm den Anti-Speziesismus und/oder den Veganismus entgegensetzen könne.

    Soweit ich  Anti-Speziesismus verstanden habe, beruht er auf der Vorstellung, dass die willkürliche Nichtanerkennung der Lebens- und Freiheitsrechte von nicht-menschlichen Tieren ein ähnliches Unrecht sei, wie die willkürliche Nichtanerkennung der Lebens- und Freiheitsrechte anderer Menschengruppen, also wie z.B. der Rassismus (Nichtanerkennung der Rechte der Menschen anderer Hautfarbe oder Ethnie) oder wie der Sexismus oder die Homophobie  (Nichtanerkennung der Rechte von Menschen anderer geschlechtlicher oder sexueller Identität).

    So sehr ich mit dem anti-speziesistischen Standpunkt auch symphatisiere, sehe ich persönlich damit folgendes Problem:
    Man kann tatsächlich logisch und ethisch widerspruchsfrei ein Speziesist sein. Man kann z.B. behaupten oder erklären, dass Menschen bestimmte Eigenschaften oder Merkmale haben, die es begründen, dass nur ihnen Lebens- und Freiheitsrechte zustehen und nicht-menschlichen Tieren eben  nicht. Manche billigen nur dem Menschen eine unsterblichen Seele oder ein Ich zu, die oder das die qualifizierende Eigenschaft für Lebens- und Freiheitsrechte sei.

    Wenn man wie ich ein naturalistisches Weltbild pflegt und die Evolution als vollständig bewiesene Tatsache anerkennt (woraus sich ein Kontinuum kognitiver Fähigkeiten ergibt und eben keine qualitativen Sprünge oder "göttlichen Funken"), erscheint einem das natürlich wenig plausibel und es ist schon gar nicht wissenschaftlich begründbar. Auch erscheint es wenig plausibel, dass gerade die behauptete, nur dem Menschen zukommende Eigenschaft ihn für Lebens- und Freiheitsrechte qualifizieren sollte. (So ist z.B. komplexes sprachliches Denken wohl tatsächlich nur dem Menschen möglich, aber wieso sollten Lebens- und Freiheitsrechte ausgerechnet daran geknüpft werden? Wir billigen völlig zu Recht ja auch Menschen ohne diese Fähigkeit ein Lebensrecht zu.)

    Persönlich würde ich dann die Grenze schon eher an einer bestimmten Anzahl von Neuronen (z.B. eine Millionen) festmachen, unterhalb derer die kognitiven Fähigkeiten eines Tieres wahrscheinlich so gering sind, dass es weder echtes Leiden empfinden, noch einen Lebens- oder Freiheitsdrang haben kann, auf den Rücksicht zu nehmen ethisch geboten wäre.

    Ich will darauf hinaus, dass Speziesmus als willkürliche Grenzziehung zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren für mich zwar ebenso unplausibel und mir ebenso zuwider ist wie jeder Anti-Speziesistin, dass man aber Speziesistinnen auch nicht durch gute Argumente von ihrer Position abbringen kann, da man diese Position eben logisch und ethisch widerspruchsfrei vertreten kann.

    Daher wird es wohl in den nächsten hundert Jahren kaum möglich sein, einen gesellschaftlichen anti-speziesistischen Konsens herzustellen.

    Und hier kommt jetzt der Begriff des Karnismus in's Spiel. Beim Karnismus als spezieller Art des Speziesismus lassen sich sehr wohl logische Brüche und ethische Widersprüche aufweisen. Es lässt sich eben nicht widerspruchsfrei begründen, dass Golden Retriever kein Essen für Menschen sein dürfen, Schweine aber schon. Die meisten Menschen würden das, was in den Tierfabriken passiert, aus tiefstem Herzen verabscheuen, wenn sie es sich mitansehen müssten. Das System des Karnismus sorgt aber eben genau dafür, dass dies nicht der Fall ist. Melanie Joy hat dieses System mit einem Kartenhaus verglichen, für dessen Fortbestehen ein riesiger Aufwand betrieben werden muss und betrieben wird. Zeigt man genügend Menschen die Widersprüche in diesem System auf und entziehen diese ihm dann die notwendigen Mittel für seine Aufrechterhaltung, so wird dieses Kartenhaus unweigerlich zusammenstürzen und es kann in der Gesellschaft ein breiter anti-karnistischer Konsens entstehen. Schon bevor ich Joys Vortrag gehört habe, habe ich öfter den Gedanken gehegt (und gepflegt), dass in zehn oder spätestens zwanzig Jahren Fleischkonsum gesellschaftlich mindestens ebenso verpönt sein wird wie heutzutage schon das Zigarettenrauchen. Und dann wird man sich als nächstes die Umstände der Milch- und Eierproduktion näher ansehen. (Dazu muss ich sagen, dass ich die soziale Ausgrenzung von Rauchern zumindest dort, wo sie sich freiwillig nur selber schädigen, schon für völlig übertrieben halte. Warum soll es keine Raucherclubs geben dürfen, in denen Raucher freiwillig unter sich bleiben? Aber ich weiß auch, dass das ein kontroverses Thema ist, an dem sich die Meinungen extrem spalten.)

    Der Begriff des Karnismus steht also nicht in Konkurrenz zu dem des Speziesismus, sondern liefert die Perspektive, schneller und friedlicher an das Ziel einer Gesellschaft zu kommen, in der keine Form der Gewaltausübung gegen Tiere (und das schließt Menschen mit ein) mehr akzeptiert wird.
     
  • Joy wurde auch danach gefragt, ob denn Vitamin-B12-Supplemente überhaupt vegan seien. Sie sagte richtigerweise, dass sie das in aller Regel seien (sie sind ja auch dann als solche meist gekennzeichnet) und leider nicht ganz richtigerweise, dass B12 ja auch in Würzhefe enthalten sei, wobei sie auch darauf hinwies, dass sie keine Ernährungsspezialistin sei. Das hat mich dann doch etwas überrascht, denn auch ohne Ernährungsspezialisten zu sein, sollten vegan lebende Menschen -zu denen sie ja wohl auch zählt- in aller Regel wissen, dass nicht-synthetisches Vitamin B12, wie es in Lebensmitteln wie Würzhefe vorkommt, eben nicht (gesichert) die Form von B12 ist, die der Körper verwerten kann.

    Ich bin auch nur ein in Ernährungsfragen interessierter Laie, kann mich da aber auf den im Internet leicht zu recherchierenden Stand der Forschung und meine eigenen anhand von Messungen gemachten Erfahrungen stützen, die ich in diesem und diesem Post zusammengefasst habe.
     
  •  Schließlich habe ich den Vortrag von Melanie Joy auch noch als Internet-Video gefunden. Dies ist eine Aufzeichnung von einer Veranstaltung meines "Lieblings-Ernährungs-Gurus" Dr. John McDougall. In dieser Version des Vortrags werden statt der Zahlen für die EU die für die USA genannt, aber die Größenordnungen sind genau die selben. Für alle Interessierten und des Englischen aureichend Mächtigen: Sit back, listen and enjoy:



    (Der vierminütige Einspielfilm mit Szenen aus Tier- und Schlachtfabriken ist leider alles andere als "enjoyment", aber er zeigt eine sorgfältig verborgene Wahrheit und kann damit laut Melanie Joy zu einem gestiegenen Bewusstsein und somit letztlich auch zu einer Bereicherung für das eigene Leben und die eigenen Entscheidungen beitragen.)

Freitag, 24. Mai 2013

Karnismus

Buchcover: Melanie Joy - Warum wie Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen
Ich weiß nicht, ob es anderen Veganern auch so geht, aber ich frage mich seit meinem durch bessere und höhere Einsicht motivierten Umstieg des öfteren, warum ich nicht schon viel früher dahin gekommen bin und wie ich es zu meinen vorveganen Zeiten geschafft habe, mein Selbstbild als ein um das Gute bemühter Mensch in Einklang mit dem Konsum von Tierleichenteilen zu bringen. (Okay, als Kind hatte ich schon einmal eine längere vegetarische Phase - an vegan war noch nicht zu denken, von den Umständen der Milch- und Eierproduktion wusste ich auch schlicht nichts. Aber irgendwie bin ich dann wieder von diesem ja richtigen Weg abgekommen.) Ebenso geht es mir im Hinblick auf die vielen anderen, mir nahe stehenden Menschen, die ich als gute Menschen ansehe, die aber eben diesen Konsum bis in die Gegenwart praktizieren.

Seit heute abend glaube ich, das etwas besser zu verstehen, denn ich habe im Bürgerhaus Stollwerck in Köln einen Vortrag von der Sozialpsychologin Prof. Melanie Joy gehört, der nicht nur äußerst erkenntnisreich, sondern zugleich über weite Strecken auch tief bewegend war. (Es war nur ein glücklicher Zufall, dass ich vor drei Tagen beim Surfen durch verschiedene vegane Blogs noch rechtzeitig vor dem Termin in Köln von Melanie Joys Vortragsreise erfahren habe.)

Die relativ junge Professorin (mein Jahrgang) der Universität von Massachussetts in Boston und Autorin des Buches "Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" erklärt die Tatsache, dass viele Menschen mit ihrem Konsumverhalten zu einer Ausübung extremer Gewalt gegen liebenswerte, fühlende Mitwesen beitragen, die sie für gewöhnlich aus tiefstem Herzen verabscheuen würden, mit dem Konzept des "Karnismus". Dies ist ein kulturell bedingtes, aber innerhalb der Kultur unsichtbares Glaubenssystem, das es den Menschen gestattet, bestimmte Tiere als persönlichkeitslose und letztlich dinghafte Konsumgüter zu sehen, während wir doch von unseren Haustieren letztlich alle wissen, dass sie Individuen mit eigenen Merkmalen und eigenen Wünschen und Vorlieben sind, zu denen in jedem Fall auch der Wunsch nach Leben gehört. Es gibt also eine "Lücke" zwischen dem, was wir intuitiv fühlen und wissen, und dem, was wir als Nichtveganer im Alltag praktizieren.

Dieses Glaubenssystem ist, wenn es als solches erst einmal erkannt ist, bei Lichte betrachtet absurd. Da jedoch auch eine milliardenschwere Industrie daran verdient, wird alles getan, um das Glaubenssystem aufrecht zu erhalten. (Es wieder völlig unsichtbar zu machen, ist laut Melanie Joy schon nicht mehr möglich. Dazu sind schon zu viele Menschen aufgewacht und haben es durchschaut. Ihnen fehlt oft nur noch die Sprache, das Glaubenssystem als solches zu benennen, und dafür wiederum ist der Begriff des Karnismus geeignet.)

Ein Beispiel dafür, wie dieses von Profit-Interessen geförderte Glaubenssystem wirkt:
Wählen Sie eine der folgenden Optionen:
In der EU werden über 14.000 Landtiere
  • a) pro Monat,
  • b) pro Woche,
  • c) pro Tag,
  • d) pro Stunde oder
  • e) pro Minute
zum Verzehr getötet.

Die meisten Menschen in unserer Kultur würden wohl auf Option c) oder d) tippen, denn wir sind ja keine Barbaren, oder? In Wahrheit ist aber tatsächlich Option e) die richtige, d.h. es wird in der Tat in jeder Minute die unglaubliche Zahl von 14.000 Landtieren getötet.

Nun fragen Sie sich einmal, wieviele lebende Kühe, Schweine oder Hühner Sie
a) heute, b) in dieser Woche oder c) in diesem Monat gesehen haben.
Wahrscheinlich nicht sehr viele, oder?

Ist das nicht eine ungeheure Diskrepanz zu der Zahl getöteter Tiere? Ja, aber sie erklärt sich eben dadurch, dass die meisten der als Waren be- und gehandelten Tiere niemals den freien Himmel zu Gesicht bekommen, sondern ihr kurzes Leben in riesigen Tierfabriken fristen, deren Inneres wiederum Sie niemals zu Gesicht bekommen werden. Dafür sorgt die Tierindustrie mit schärfsten Maßnahmen und wird dabei auch vom Gesetzgeber unterstützt. Transparenz ist hier nicht gewollt, denn sie würde die Absurdität des Glaubenssystems des Karnismus deutlich werden lassen.

Dazu bringt Prof. Joy ein passendes Zitat von Voltaire:
"Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, der kann dich auch veranlassen, Gräueltaten zu begehen."

Ein anderes Beispiel für das Glaubenssystem:
Vervollständigen Sie die folgende Aussage über Fleichkonsum durch die drei "N" der Rechtfertigung:
"Fleischkonsum ist n... , n... und n...".
Mit ein bisschen Nachdenken kommt in unserer Kultur jeder sofort darauf: "normal, natürlich und notwendig".
Die Aussagen, dass Fleischkonsum normal und natürlich sei, gelten aber wiederum nur innerhalb vom Karnismus vorgegebener Bezugsrahmen, außerhalb dieser sind sie nicht gültig. Die Aussage, dass Fleischkonsum notwendig sei, ist sogar längst widerlegt. Aber allein die Tatsache, dass diese drei "N" jedem sofort einfallen, zeigt die Dominanz und Allgegenwärtigkeit dieses Glaubenssystems.

Melanie Joy zeigt auf, dass das Durchschauen des Karnismus als herrschendes und gewaltsames Glaubenssystem einem erst und endlich eine echte Wahl ermöglicht, nämlich auch die Wahl, diesem System zu entsagen und sich bewusst für das zu entscheiden, von dem man intuitiv bereits weiß, dass es das Richtige ist.

Für uns bereits "konvertierte" Veganerinnen und Veganer ist das Schöne an Melanie Joys Konzept, dass es den gängigen Vorwurf, wir würden einem Glaubenssystem oder einer extremen Ideologie anhängen, auf die zurückfallen lässt, die ihn erheben. Denn selbst wenn Veganismus eine Ideologie sein sollte, so ist der Karnismus jedenfalls mindestens ebenso ideologisch. Doch während der Veganismus als Ideologie gewaltfrei und sogar gewaltablehnend ist, ist die Ideologie des Karnismus eine äußerst gewaltsame. (Wie gewaltsam, das wurde während des Vortrags durch ein 4-minütiges Video mit Szenen aus den Tier- und Schlachtfabriken deutlich. Szenen, die Otto und Ottoline Normalverbraucher auch niemals zu Gesicht bekommen und daher bei ihrem Einkauf im Supermarkt auch nicht in ihre Kaufentscheidungen einbeziehen können.)

Ich habe mir nach dem Vortrag direkt Prof. Joys Buch gekauft. Selbst wenn es nur die im Vortrag enthaltenen Punkte darstellen sollte, wäre es in jedem Falle schon ein absoluter Lesetipp. Ich werde aber nach der Lektüre hier sicher noch einmal eine auf dem gesamten Inhalt fußende Bewertung bringen.

Ach ja, eine Website zum Konzept des Karnismus gibt es auch schon:
http://www.carnism.eu 

Nachtrag: Den Vortrag von Melanie Joy mit US-amerikanischen statt EU-Zahlen kann man übrigens hier ansehen:


Noch ein Nachtrag: In diesem Beitrag folgen noch ein paar wichtige Nachgedanken.

Sonntag, 19. Mai 2013

Gabel statt Skalpell - das Buch

Buchcover "Gabel statt Skalpell"
Wie zur Originalversion "Forks Over Knives" ist jetzt auch zur deutschen Fassung des Films, "Gabel statt Skalpell", ein Begleitbuch erschienen, das eine Eins-zu-Eins-Übertragung des englischen Begleitbuchs ist, beziehungsweise vielmehr eine solche sein soll. Denn leider hat sich der herausgebende Verlag, der Scorpio-Verlag, eine professionelle Übersetzung gespart und stattdessen wohl einen Laien damit betraut. (Während im deutschen Buchimpressum zwei offenbar deutsche Firmen für Textdesign und Satz genannt werden, sucht man dort vergeblich nach der Angabe eines Übersetzungsbüros.)

So wird im Original Dr. Caldwell B. Esselstyn mit der Aussage zitiert: "Cardiovascular disease is a toothlesss paper tiger that need never exist. And if it does exist, it need never progress." In der deutschen Ausgabe heißt es dann: "Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind zahnlose Papiertiger, die nie existiert haben. Und wenn es sie doch gibt, werden sie sich nicht weiterentwickeln." Zumindest lässt der Kontext darauf schließen, dass es hier um Herz-Kreislauf-Erkrankungen als ernährungsbedingte Krankheiten geht, die es also sehr wohl gibt und gegeben hat, die es aber -die richtige Ernährung vorausgesetzt- nicht geben müsste.

Wer also an den Erkenntnissen und Aussagen des Films "Gabel statt Skalpell" interessiert ist, sollte sich lieber den Film ansehen. Das Buch gibt hier schon im englischen Original nur eine grobe Übersicht, die in der deutschen Fassung durch die schlechte Übersetzung noch weiter verliert.

Das Entscheidende am Buch -im Original wie in der Übersetzung- ist aber ohnehin der Rezepte-Teil, der ca. drei Viertel des Gesamtumfangs ausmacht. Glücklicherweise ist die Übersetzung hier wesentlich sorgfältiger ausgefallen: Die Mengenangaben für die Zutaten wurden korrekt in metrische Angaben übertragen, wobei manchmal Volumenangaben wie "Cup" in entsprechende Gewichtsangaben (in Gramm) umgerechnet wurden. (Was ich ein bisschen schade finde, weil ich beim Kochen nach Rezepten lieber mit dem Messbecher als mit der Küchenwaage hantiere.)  Wo im Original Zutaten genannt werden, die hierzulande schlicht nicht erhältlich sind, wurden sie durch geeignete, lokal gebräuchliche Alternativen ersetzt.

Damit dürfte "Gabel statt Skalpell" überhaupt das erste deutschsprachige Kochbuch sein, dessen Rezepte alle vollwertig, vollständig pflanzenbasiert und ölfrei sind, und damit den Ernährungsempfehlungen der Doctores Esselstyn, McDougall, Barnard und Fuhrman entsprechen.

Für des Englischen weniger mächtige Menschen mit deutscher Muttersprache gibt es von mir für dieses Buch daher trotz der dürftigen Übersetzung des Nicht-Rezepte-Teils eine klare Kaufempfehlung.

Die nachfolgend genannten Rezepte habe ich bereits nachgekocht und kann sie absolut empfehlen:
  • Yams-Erbsen-Suppe mit Estragon
  • Risotto mit Spinat-Rucola-Pesto
  • Haferflocken-Rosinen-Cookies
  • Kirsch-Ananas-Kuchen
Falls Sie sich das fragen: Yams sind ein kartoffelähnliches Wurzelgemüse, das Sie in Asia-Läden bekommen. Die in der Zutatenliste der Yams-Erbsen-Suppe aufgeführten "halben Erbsen" werden hierzulande übrigens meist als "Schälerbsen" verkauft. Es handelt sich dabei um geschälte und zumindest teilhalbierte Erbsen, die dadurch ohne Einweichen gekocht werden können und dabei eine sehr cremige Konsistenz bekommen.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Vorsicht bei Biokartoffeln!

In vielen Supermärkten (z.B. in meinem örtlichen Kaiser's) gibt es bereits Bio-Frühkartoffeln zu kaufen, obwohl die Saison für Frühkartoffeln doch üblicherweise frühestens im Juni beginnt. Schaut man dann mal genauer auf das Label und sucht dort nach dem Herkunftsland, kann man eine Überraschung erleben: Oft steht dort nämlich "Ägypten" oder "Israel".

Der Anbau von Kartoffeln in diesen Ländern genügt zwar den Kriterien des EU-Ökosiegels, jedoch gehört ein sparsamer Umgang mit begrenzten natürlichen Wasserkapazitäten leider nicht dazu. Da die Kartoffeln z.B. in Ägypten im wahren Sinne des Wortes in der Wüste angebaut werden, gibt es praktisch keine Niederschläge, die zur Bewässerung der dortigen Kartoffelfelder dienen könnten. Stattdessen werden die natürlichen Wasserreservoirs unwiederbringlich geplündert und große Teile der einheimischen Bevölkerung werden dadurch mittelfristig auf das Trockene gesetzt. (Näheres zur Wasserbilanz von Gemüse finden Sie unter http://virtuelles-wasser.de/gemuese.html.)

Dies ist also ein Fall, in dem "Bio" sogar das komplette Gegenteil von ökologisch nachhaltig bedeutet. Deshalb: Finger weg von "Bio"-Kartoffeln aus Wüstenstaaten. Auch einheimische Kartoffelbauern können übrigens Frühkartoffeln aus dem jeweiligen Vorjahr bis in das Frühjahr lagern und liefern. Diese Kartoffeln weisen eine um ein Vielfaches bessere Wasser- und Ökobilanz auf, da jedoch hierfür der "wahre" Preis einschließlich der Lagerkosten gezahlt werden muss (und nicht wie bei den Wüstenkartoffeln Kosten für ökologische Folgeschäden auf Dritte abgewälzt, also "externalisiert" werden), finden sie bei den Supermarktketten oft keine Abnehmer und müssen sie vernichten oder als Futter für Tiere verticken, die später bekanntermaßen umgebracht und in Einzelteilen verkauft werden. (Was man als Veggie ja auch per se ablehnt.)

Der Ratschlag geht hier eindeutig dahin, entweder bei den Händlern gelagerte Frühkartoffeln aus einheimischer Produktion nachzufragen, oder aber erst mal andere Kartoffeln aus der eigenen Region zu kaufen. Im Bio-(Super-)Markt findet man die dann auch in Bio-Qualität. Dies ist auch meist eine gute Gelegenheit, die ganze Vielfalt der Kartoffeln zu nutzen und einmal verschiedenste Sorten zu probieren.

P.S.: Dieser Ratschlag soll natürlich nicht bedeuten, dass man gar kein Obst und Gemüse aus solchen wärmeren und trockeneren Ländern kaufen soll. Viele Pflanzen gedeihen unter deren klimatischen Bedingungen besonders gut (und hierzulande oft gar nicht) und können dort auch ohne Raubbau an den natürlichen Ressourcen angebaut werden. Der Kauf entsprechender Produkte kann dann oft auch der wirtschaftlichen Entwicklung z.B. schwächerer nordafrikanischer Länder nutzen und trotzdem in ökologischer Hinsicht vertretbar sein.

Sonntag, 12. Mai 2013

Dampfgaren

Dampfgarer mit 3 Garkörben
Mein Dampfgarer, hier mit Knollen-
sellerie, Kartoffeln und Rotkohl
Zu meinem letzten Geburtstag hat meine Mutter mir einen Dampfgarer geschenkt. Erst dachte ich: "Na toll, wieder so ein sperriges Küchengerät, für das ich erst mal Platz in meinen Schränken schaffen muss". (Falls Du, meine liebe Mutter, das liest: Es tut mir leid, aber so war es nun mal. Das Gerät stand wirklich nicht auf meinem Wunschzettel.) Dann habe ich es in Betrieb genommen und war absolut begeistert: Das Gemüse kann ziemlich fix auf den Punkt gegart werden (nicht zu hart und nicht zu weich) und behält wesentlich mehr von seinem eigenen Geschmack als das beim Garen im Kochtopf der Fall ist. Dampfgegarter Weißkohl z.B. wird leicht süßlich und schmeckt sogar ohne weitere Zugaben wie Salz, Pfeffer oder sonstige Gewürze einfach köstlich. Rotkohl gart im Dampf wesentlich schneller als im Topf, allerdings peppe ich ihn mir aufgrund dessen, was ich geschacklich von Rotkohl kenne und erwarte, immer noch mit einer ordentlichen Portion Apfelessig, etwas Agavendicksaft, Salz und Pfeffer auf. Für den größten Garkorb gibt es noch einen Einsatz in einer Art Wannenform, in dem man z.B. Reis oder Bohnen im Wasser garen kann ohne dass diese dabei anbrennen oder festpappen können. (Der Reis braucht dann allerdings etwas länger als im Topf, weshalb ich ihn meistens doch auf dem Herd gare.)

Das Prinzip des Dampfgarers ist aus der asiatischen Küche abgeschaut: Dort ist es üblich, Gemüse (aber z.B. auch Fisch, den ich natürlich nicht mehr koche geschweige denn esse) in mehreren übereinander gestapelten, dampfdurchlässigen Bambuskörbchen über siedendem Wasser zu garen. Untersuchungen legen nahe, dass Gemüse beim Dampfgaren wesentlich mehr von seinen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen behält als bei allen anderen Garmethoden.

Neben dem guten Geschmack und der Schonung der guten Inhaltsstoffe des Gemüses hat der Dampfgarer noch einen weiteren großen Vorteil: Man kann in den übereinanderzustapelnden Garkörben mehrere Gemüse gleichzeitig garen und belegt dabei nicht eine einzige Herdplatte. Da die Garkörbe viele kleine Löcher im Boden aufweisen, sind sie nach dem Gebrauch schnell und einfach mit klarem Wasser abspülbar. Das Dampfgaren führt also nicht nur zu geschmacklich besseren und gesundheitsförderlicheren Ergebnissen, sondern erpart auch noch einiges an Arbeit.

Und was das Platzproblem betraf: Es stellte sich heraus, dass die Körbe so intelligent konzipiert sind, dass sie zwar von klein nach groß übereinander aber gleichzeitig von groß nach klein ineinander gestapelt werden können. Dadurch beansprucht das Gerät im Schrank nicht mehr Platz als z.B. ein etwas größerer Topf. (In meinem Schrank befanden sich noch eine nie genutzte Pfanne und ein nie genutzter kleiner Topf. Nachdem ich die ausgemistet hatte, reichte der freigewordene Platz genau für dieses neue Wunderwerk.)

Ich habe den Dampfgarer nun bereits seit mehreren Monaten und nehme ihn seitdem mindestens zweimal pro Woche in Betrieb. Ein besseres Geschenk hätte meine Mutter mir in der Tat nicht machen können.

Samstag, 4. Mai 2013

Die aktuellsten Werte

Vor kurzem habe ich nach über einem Jahr mal wieder vom Arzt meine Blutwerte checken lassen. Hier nun die wesentlichen Ergebnisse:

Kleines Blutbild: Alles in den Normbereichen. Nach Aussage meine Arztes lässt sich daraus schließen, dass in meinem Körper keine stärkeren Entzündungsprozesse stattfinden

Blutzucker nüchtern: 75 mg/dL (Normbereich 50 - 100 mg/dL)

Gesamtcholesterin: 119 mg/dL (Damit deutlich unter 150 mg/dL, der von Dr. Esselstyn gesetzten Obergrenze)

LDL-Cholesterin: 60,5 mg/dL
HDL-Cholesterin: 33,6 mg/dL
LDL/HDL-Quotient: 1,8 (Ziel < 3)

Triclyceride: 76,0 mg/dL (Normbereich < 150 mg/dL)

Kalium, Calcium, Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin D3: alle im oberen Normbereich

Nun mögen manche Omnivoren und öl-liebende Veggies maulen, dass mein HDL-Wert ja ziemlich niedrig sei und dieser Wert ja am besten über 40 mg/dL liegen solle. Das mag unter normalen Bedingungen zwar stimmen, aber der HDL-Wert spielt ja nur insofern eine Rolle, als er wohl anzeigt, wieviel vom "schlechten" LDL-Cholesterin wieder zurück in die Leber transportiert werden kann. Bei meinen niedrigen Gesamtcholesterin- und LDL-Werten ist er laut Dr. Esselstyn hingegen irrelevant. (Wie man auch am immer noch rekordverdächtigen LDL/HDL-Quotienten erkennen kann.) Trotz der Bezeichnung des HDL-Cholesterins als "gutes" Cholesterin gibt die Studienlage nicht die Schlussfolgerung her, dass der einzelne Mensch durch eine Steigerung seines HDL-Wertes sein Herzinfarktrisiko senken könne.

Hingegen ist eindeutig belegt, dass dies durch eine Senkung des LDL-Wertes möglich ist. Nach Dr. Esselstyn ist man mit einem durch entsprechende Ernährung erreichten Gesamtcholesterinwert von unter 150 mg/dL und einem LDL-Wert von unter 80 mg/dL sogar "heart-attack-proof", also vor Herzinfarkt geschützt. Wer das ebenfalls sein möchte, sei noch einmal daran erinnert, dass sich solche Werte ohne Medikamente nur mit einer pflanzenbasierten- und ölfreien Ernährung erzielen lassen. (Die entgegen landläufiger Meinung dann keineswegs fettfrei ist, bei der aber alle Fette nur in der natürlichen, pflanzengebundenen Form aufgenommen werden.)

Paläo- und Low-Carb-Anhänger behaupten ja gerne, dass eine Ernährung, bei der der Großteil der zugeführten Nahrungsenergie aus Kohlehydraten stammt, zu erhöhten Triclyceridwerten führe. Ich kann versichern, dass der Anteil von Kohlehydraten an der Gesamtnahrungsenergie meines Essens mindestens 70 Prozent ausmacht. Damit ist diese Behauptung der Low-Carber also auch schon widerlegt. Der entscheidende Punkt ist natürlich, dass die von mir reichlich konsumierten Kohlehydrate in erster Linie aus langkettigen Mehrfachzuckern, sogenannten Polysacchariden bestehen, die vom Körper ganz anders verstoffwechselt werden als z.B. Einfachzuckermoleküle.

Als Zugabe zu meiner pflanzenbasierten und ölfreien Ernährung gab es übrigens bei mir noch den sehr willkommenen, völlig flachen Bauch. (Sowohl eine Messung mit Infrarot im Rahmen einer Gesundheitswoche als auch eine Messung mit Hilfe einzelner Körpermaße nach einer Formel der U.S.-Marines ergab bei mir einen Körperfettanteil von unter 14 Prozent.) Damit ist gleich auch noch die Warnung vieler Carbo-Phobiker vor dem sogenannten "wheat-belly" oder "Weizenbauch" als Blödsinn nachgewiesen, denn Vollkornprodukte vom morgendlichen Müsli oder Frischkornbrei über Dinkel-Knabber-Stückchen als Nachmittagssnack bis zum Vollkornbrot am Abend machen in meiner Ernährung einen sehr hohen Anteil aus.

Erwähnt sei noch, dass mein Arzt mir zu meinem Blut-Lipid-Profil gratuliert und mich dabei auch gleich in meiner Ernährungsweise bestärkt hat. Dies hat mich gerade angesichts seines schon fortgeschritteneren Alters sehr gefreut, denn immer wieder treffen Veganköstler ja auch auf oft sogar jüngere Ärzte, die eine pflanzenbasierte Ernährung als Mangelernährung betrachten und dabei mit so ganz alten und abgelutschten Kamellen wie der vermeintlichen Minderwertigkeit pflanzlicher Proteine oder der mangelnden Zufuhr von Eisen argumentieren.